Schreck wacht auf, will aber die Augen nicht öffnen. Der Gedanken an die bevorstehende Mission erfüllt ihn mit großem Widerwillen. Nicht, dass er kein Kämpfer wäre. Er hat sein Leben im Berg verbracht und ist immer hart ran genommen worden. Vielen Gefahren hat er mutig ins Auge geblickt, war immer dabei wenn es darum ging, die Mine gegen Plünderer zu verteidigen. Ein Missionar ist er dabei nie gewesen. Wenn einer erwischt wurde, haben sie ihn einen Kopf kürzer gemacht und den Berg hinab geworfen. Niemand, kein Zwerg der Welt wäre auf die Idee gekommen, einen dieser Unholde zu einem besseren Leben zu bekehren.
Nun verlangt die Bene Gesserit, dass er wildfremde Minenarbeiter einer ihm vollkommen fremden Langbeiner–Kultur dazu bringen soll, an einen Wurm zu glauben, der eigentlich ein Navigator ist und Spice produziert. Mit der Monstranz. Sie würde bluten, er könne sich darauf verlassen. So ähnlich jedenfalls, hat ihm der Plan der geheimnisvollen Reisenden geklungen. Falls Schreck das überhaupt richtig verstanden hat, in dem arg benebelten Zustand. Das blaue Gesöff macht alles anders. Das hat es in sich! Er ist sich gar nicht sicher, ob all das um ihn herum wirklich passiert. Was, wenn er einfach nur träumt, dass er sich nachhause schleicht, in die Hütte am Berg. Was, wenn er danach das blaue Licht im Schuppen einfach ignoriert. Dann gibt es auch keinen Transporter, kein Schiff und vor allem keine Bene Gesserit! Nun schwebt die Monstranz vor ihm. Auf Gesichtshöhe, getragen von einer Wolke flinker, weißer Kügelchen schaut sie ihn aus ihrem Glasauge an.
Dummes Zeug, denkt er und wischt das Trugbild – nicht fort. Es weicht aus und steht wieder dort, wo es zuvor stand. Vielleicht liegt er gerade in seinem schnuckeligen Häuschen hilflos auf dem Boden und die ganze Geschichte ist nur ein irres Saufgelage mit Grumpel und Bockstaller gewesen. Er versucht nun angestrengt, sich zu erinnern. Um die Sache endgültig zu klären, richtet er sich auf, kneift in seine Wange, zieht am Barthaar und haut sich selbst eine runter. „Hasendreck und Bärenkacke! Du Vollidiot! Warum bist du nicht zuhause geblieben, wie jeder vernünftige Zwerg es getan hätte? Das ist alles diesem blauen Gesöff zu verdanken," schimpft er missmutig vor sich hin, schaut in die Wüste und hasst alles, was er dort sieht. Die Monstranz schwebt ungerührt, beinahe aufdringlich, vor seinem Gesicht. Er wedelt, wie abwesend, mit der Hand im ihre Richtung, als wolle er sie verscheuchen.
Habe ich mit ihr? Falsche Frage, Schreck! Hat sie mich aufgefressen? Wäre ich nicht so verdammt neugierig, hätte mich dieses verruchte Weib nie, niemals auf ihr Ding, Schiff bekommen und ich säße jetzt gemütlich vor meinem Haus. Was ist das? Ein kosmisches Freudenhaus? Ach mein Haus… Fluchend steht er auf, streckt sich und blickt auf die dunkle Rückseite der Dünen. Wohin er auch schaut, er sieht nichts als Sand. Die Luft ist kühl, von der Sonne ist noch nichts zu sehen außer Licht. Bis zu seinem Sandberghorizont ist sie noch nicht gestiegen. In der Ferne dräut dunkel ein Bergmassiv und in Schreck keimt der Gedanke, sich einen Überblick über seine verfahrene Situation zu verschaffen. Bei „Überblick“ hebt sich auch schon der Teppich unter ihm zehn Meter weit in die Luft. „So habe ich das nicht gemeint!“, zischt er den Teppich an. Alles so beflissen, denkt der Zwerg missgelaunt. Jetzt sieht er nur noch mehr Dünen und wenn man schon mal oben ist, will man auch genau wissen, wo man ist. Er lässt höher steigen und noch höher, so hoch, bis ihn die Sonne anlacht.
Die weißen Kügelchen werden ganz blau vor Anstrengung und Blau hat für ihn, seit seiner Bekanntschaft mit der Bene Gesserit , eine Bedeutung, wie für diese Langbeiner die Farbe Rot. Da erkennt er auch schon das Ziel, ein paar Kilometer entfernt liegt der Ort so trostlos im Geröll, wie er ihn vom Vorabend in Erinnerung hat. Schreck hat kein gutes Gefühl in der Magengrube, fügt sich dennoch seufzend in sein Schicksal. Ein Zwergenseufzer ist nicht das, was man als Lautäußerung etwa von einem Langbeiner erwartet. Es ist ein dumpfes, an– und abschwellendes Grollen, in dem sich ein mystischer, alter Zwergenfluch verbirgt. Etwa, wie bei einem Elefanten. Zwergelefant, denkt Schreck und sagt: „Was soll's,“ brummt noch abschließend, sich fügend, missmutig:„bringen wir es hinter uns!“ Die flinken, weißen Kügelchen bewegen sich unter den Teppich und er weiß genau, auf was sie gewartet haben.
„Die Bene Gesserit meint, ich soll nur hinein gehen. Der Rest würde ganz von alleine laufen. Also los!“, sagt er zu den unruhigen Gesellen und schon bewegt sich der Teppich in mäßigem Tempo auf den Ort zu. Ginge es nach ihm, würde er sich meilenweit davon weg, in jede andere Richtung bewegen. Doch irgendwie scheint die Bene Gesserit ihre Finger, gerade in diesem Moment, auch im Spiel zu haben. Es ist nur ein Schimmer in der Luft. Er erkennt genau ihre prallen Schenkel, die für eine Langbeinerin gar nicht so übel sind. Typisch! Flözt auf ihrem Lager, während andere die Arbeit erledigen. Sie ist immer da. Was nicht zu ihrem Plan gehört, scheinen die Kügelchen standhaft zu ignorieren, während sie jeden zur Mission passenden Gedanken, umgehend in die Tat umsetzen. Der Ort der langbeinigen Minenarbeiter kommt immer näher. Schreck wird wachsam, fliegt mit dem Teppich auf Langbeinerhöhe und bekommt das Ding nicht höher, so sehr er sich auch anstrengt.
Das Titelfoto stammt von evafelizitas, hosted by Pixabay.
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Crash Test Dummies on Steem
Fortsetzung folgt, ganz bestimmt!
Fragt sich nur, wann. Überraschung, oder? Das hättet ihr wohl nicht gedacht. Der letzte Teil dieser Serie liegt 7 Monate zurück. Ich hatte das Gefühl, die damaligen Steemians waren genau so müde, wie ich. Vielleicht haben wir ja noch die alten, geneigten Leser und eine Menge neuer Steemians, denen so etwas gefällt. Wie zum Trotz habe ich die 11. Folge vor 7 Monaten noch geschrieben und nicht veröffentlicht. Die Votes wurden sogar schlechter. Mit jeder Folge weniger. Seitdem schiebe ich den Teil vor mir her. Heute wurde Schreck in der Wüste, nach langer Zeit wieder gefunden und er hat mir gefallen.