Gestern war ich mit einer Freundin im Basler Zolli (zu Hochdeutsch, auch Zoo genannt).
Eines vorweg, die Sache mit den Zoo`s sehe ich kritisch. Einerseits bin ich dankbar für die Möglichkeit, so die Artenvielfalt zu schützen und bedrohten Tieren einen sicheren Raum zu geben. Auch finde ich es für unsere Kinder ein wunderbarer Ort und ich selber hab besonders den Basler Zolli immer genossen. Ich sehe die Bemühungen einer artgerechten Haltung und vor allem die Versuche, aufzuklären. Gerade der Basler Zolli bemüht sich, um den Naturschutz und ist ein sehr aktives Mitglied, wenn es um den Schutz der Meere und Regenwälder geht.
Dennoch macht es mich immer wieder sowohl traurig als auch wütend, wenn mir bewusst wird, wie die Tiere manchmal leben und was sie verdient hätten. Zeitgleich weiss ich, dass grade diese Tiere das idyllische Paradies, welches ich mir für sie wünsche, so nicht haben, dank uns Menschen.
Ein paar Fakten:
Den Basler Zoo gibt es seit 1874 und er ist damit der erste Zolli der Schweiz.
Mit über 7000 Tieren hat er auch den mit Abstand größten Tierbestand und das auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche. Durch die erfolgreiche Zucht von Nashörner, Flusspferden und Berggorillas, wurde er europaweit bekannt.
Der Zoo finanziert sich nicht nur durch seine 1 Mio. Besucher pro Jahr, sondern durch großzügige Spenden und eine Subvention des Staates.
Zu Beginn hielt der Zolli nur heimische Tiere, kaufte dann immer mehr Exoten ein. In vielen Bereichen der Tierhaltung, machte der Zoo die ersten Versuche in eine bessere Tierhaltung. Z.B Leben dort Nashörner, Flusspferde und Vogel Strauß(e) Vogelsträuße, was um Himmels willen ist die Mehrzahl von einem Vogel Strauß? Google sagt, der Strauss, die Strauße. Auf jeden Fall leben dort diverse Tiere in einer Konstellation, wie sie in Afrika ebenfalls anzutreffen wäre.
Zwischen 1879 und 1935 war der Basler Zolli sogar so modern, dass er neben Tiere auch ganze Völker zur Schau stellte. Ja, ihr lest richtig, Menschen. Und hey, diese zur Schau Stellung der traditionellen Lebensweise anderer Völker, war damals ausgesprochen beliebt. Glücklicherweise durften die Afrikaner dann den Zoo verlassen, da das Medium Film die reale Begutachtung verdrängte.
Nachdem über viele Jahre der Afrika-Bereich umgebaut wurde und sie nun weniger Tiere auf demselben Raum haben, arbeitet der Zolli jetzt an der Unterwasserwelt.
Hier ein Video, über das was sie planen und ein wenig Schweizerdeutsch.
Einen Augenblick, der mich berührt hat, erlebte ich gestern im Affenhaus bei den Schimpansen.
Ein Jungtier turnte äußerst unterhaltsam durch die Anlage und begeisterte Gross und Klein mit seinem Spiel. Plötzlich hielt das Kleine inne, und musterte eine Affenmami mit ihrem Säugling. Langsam näherte es sich den beiden und wollte offenbar mittrinken.
Die Mutter schob das Jungtier weg und zog sich mit dem Kleinen zurück und hinterließ ein augenscheinlich trauriges Affenjunges. Dieser Moment der Ablehnung und wie das Affenkind zurückblieb, entlockte nicht nur mir ein berührtes Oh das Arme.
Doch der Affe wusste sich zu helfen. Er hangelte sich zur Affenomi rüber. Diese sass bisher gelangweilt in einer Ecke und starrte ins Leere. Doch als das Kleine kam, breitete sie ihre Arme aus und das Jungtier schmiegte sich an die alte Lady, während diese zärtlich über seinen Kopf streichelte.
Leider war die Fensterscheibe sehr schmutzig, aber seht ihr ja selbst. Ich wollte diese Nähe der beiden trotzdem mit euch teilen.
Dieser Moment war so echt, unverfälscht und berührend, ich wünschte, ich hätte ihn gefilmt und nicht nur die Fotos. Diese Menschlichkeit hat mich tief getroffen und dieses Gefühl, wie falsch es ist das sie da drinnen und wir hier draußen sitzen, stimmte mich nachdenklich. Natürlich weiß ich, dass sie dort, wo sie herkommen gejagt werden oder von Rodungen bedroht sind, ihr natürlicher Lebensraum ist nicht, wie er sein sollte. Und trotzdem scheint es mir falsch, diese Lebewesen hinter Panzerglas zu sperren. Trotzdem stand ich genau in dem Moment vor der Scheibe, zu Tränen gerührt und beschämt zugleich.