Am Montag hatte ich mein Erstgespräch mit einer Schweizer Chirurgin, die versiert darin ist, die weibliche Brust an eine Männliche anzugleichen. Sie ist nicht nur dafür berühmt, sehr tolle Ergebnisse zu erzielen, sondern sie macht vor allem die großen Brüste und da Gott ein Scherzkeks mit einem echt fiesen Humor ist, falle ich unter die besonders gesegneten.
Ich glaub, ich hab damals bei der Genauswahl etwas falsch verstanden, anders kann ich mir dieses Missverständnis echt nicht erklären.
Natürlich war ich dezent aufgeregt. Immerhin geht es für mich um eine sehr belastende/befreiende Sache und mal ehrlich, wer hat kein Schiss vor einer OP?
Schon der Empfang war, interessant.
Die hübsche Lady am Schalter meinte so, »Herr Raffael Nachname?« Zu mir. Der Mann neben mir am Tresen blickte maximal irritiert zwischen mir und der Lady hin und her und ich nickte beiläufig, als wär`s das Normalste der Welt.
Ich mein, ehrlich, es hört sich für mich total toll an, Herr Raffael Nachname genannt zu werden, aber ich sehe halt einfach noch nicht wie einer aus. NOCH...kicher
Ich fragte die Lady, wie lange mein Termin etwa dauern würde, da meine liebe Oma mich abholen wollte, um den restlichen Tag mit mir zu verbringen. Wie aus der Pistole geschossen meinte sie, »ach nicht lange, so 20 Minuten vielleicht auch 30, maximal.«
Jetzt war ich irritiert. Ein Aufklärungsgespräch über die größte OP meines Lebens soll nur 20 Minuten dauern, echt jetzt?
Als ich das Sprechzimmer betrat, sass am Schreibtisch eine junge Ärztin, vielleicht Ende dreissig und musterte mich mit schief gelegtem Kopf. Sie wirkte selbstbewusst, freundlich und offen.
»Dass haben Sie aber lange ausgehalten.« War ihr erster Satz an mich. Ich schaute an mir herab und dachte, endlich versteht mich mal jemand und nickte nur. »Muss eine sehr große Belastung für Sie sein, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber dass kriegen wir hin, versprochen!«
Sie klärte mich im Tempo eines ICE`s auf.
Die gute Nachricht, die Op wird etwa 3 Stunden dauern, das Risiko dass mir die Nippel abkratzen liegt bei nur 5% und nach 3 Tagen werden die Drainagen (Schläuche damit das Wundwasser ablaufen kann) und erste Fäden entfernt und ich kann aus dem Spital austreten. 6 Wochen soll ich täglich möglichst viele Schritte gehen, die Narbe aber nicht unter Zug setzen. Danach kann ich wieder mit Sport anfangen und nach etwa 10 Wochen, bin ich körperlich wieder voll belastbar.
Die meisten Menschen mit sitzenden Berufen, gehen bereits nach einer Woche wieder arbeiten.
Jetzt zu den Herausforderungen die da auf mich warten.
-1. In der Schweiz bezahlt die Krankenkasse nicht die komplette Op. Sie übernimmt die Kosten für die Entfernung des Brustgewebes und die Umpflanzung und Verkleinerung der Brustwarze. Bedeutet, sie bezahlt nicht die Entfernung des umliegenden Fettgewebes der Brust, was bei meiner Brustgröße erheblich ist. Irgendwie witzig, die Chirurgin hat mir Fotos gezeigt, wie es aussieht, wenn man das Fettgewebe lässt. Man hat dann einfach eine Art behinderte Brust mit Körbchengröße B aber halt total zerdellt und die Brustwarze sitzt zu weit außen für ne Frauenbrust .... wirklich bombastisch ...NICHT. Kostenpunkt der angleichenden Fettabsaugung, 2500 Euro.
-2. Normalerweise hat man in der Schweiz bei jedem Medikament, Arztbesuch etc einen Selbstbehalt von 10%. Nicht so bei stationären Spitalaufenthalten, es sei denn, die Ärztin ist privat und mietet sich im Spital ein. Was bei mir natürlich der Fall ist. Da der ganze Spaß ungefähr 10.000 Franken kosten wird, werde ich auch da wieder einen Selbstbehalt von etwa 800 Euro tragen müssen.
-3. Passt sehr gut ins Thema.
»Neigen sie zur Magersucht?«
»Seh ich etwa so aus?«
Die Ärztin begann zu lachen und meinte, sie müsse das Fragen. Ich sollte bis zum OP Termin so viel Fett wie möglich abbauen. Je weniger überflüssiges Fett vorhanden sei, umso präziser und schöner würde das Ergebnis werden. Nachvollziehbar und was soll ich sagen, es passt ja zu der Tatsache, dass ich ordentlich Geld sparen muss in den nächsten Monaten. Immerhin kostet Essen auch etwas. Weniger Essen = weniger Ausgaben.
Die Kostenübernahmeanfrage an die Krankenkasse ist raus, die werden sich in den nächsten Wochen dann melden. Der Termin ist etwa für ende September, anfang Oktober geplant.
Heißt, ich habe 4-5 Monate Zeit, 20 Kilo abzunehmen und in etwa 3500 Euro anzusparen. Besser wären 4000, sicher ist sicher.
Ich nehme diese Herausforderung mit Freude an und ich bin mir sicher, ich schaffe beides, nicht mit Leichtigkeit aber mit Liebe und Willenskraft.
Und wenn ich das schaffe, weiß ich, ich kann alles erreichen, was ich will. Dann bin ich finanziell auf einem sehr guten Weg und sehe dazu endlich so aus, wie ich es mir schon immer gewünscht habe.
Also Leute, hoch die Ärmel und ran ans Werk.
Morgen gibt es die Auswertung der Blutwerte und wenn alles gut ist, krieg ich endlich die erste Spritze Testosteron, hibbel dass ist alles einfach sooooooo cool.
Ich kann wirklich sagen, ich war noch nie in meinem Leben so glücklich wie gerade jetzt und ich habe so viel Vertrauen in mich selber, wie noch niemals zuvor.