Werte Mitleser,
heute mal wieder nach langer Zeit was gänzlich anderes vom Balten, einige Reiseposts hätten sich ja angesammelt in letzter Zeit, das Baltengold-update kann also warten, da alles stabil:).
Der Balte ist nun zurück aus den Ostkarpaten in Rumänien, aus der Region Maramures, wohl das mit ursprünglichste Gebiet Rumäniens, das wir nun einmal im Hochsommer und auch im Winter über letztes Silvester bereist haben.
Die Maramures heute ist eine Landschaft so schön und gewaltig wie aus dem Bilderbuch entsprungen, und voll mit beeindruckender, wechselhafter Geschichte und tollen Geschichten aller Art, die vom Leben und mehr erzählen, von Rumänen, Ungarn, Juden, Ukrainern, Deutschen und von einer letztlich einzigartigen Kultur bzw. Kulturen.
Zur "Einstimmung" möchte ich heute nur die von uns gemachten Bilder des „lustigen Friedhofs“ von Sapanta vorstellen.
Sapanta ist ein Ort, den man besucht haben sollte und der einen komplett ehrlichen Blick auf das menschliche Leben, dessen Fragilität und Vergänglichkeit, und auf die Widersprüchlichkeit, die Schönheit und das ewige Drama des menschlichen Daseins wirft.
Den lustigen Friedhof von Sapanta verläßt man nachdenklich mit einem Lächlen über die Gattung homo sapiens im Gesicht, allein er ist eine Reise wert.
Hier berichten die geschnitzen Grabkreuze und Inschriften auf Vorder- und Rückseite voll bitter-süßer Ironie über das Leben der Verstorben, sparen nicht mit augenzwinkernden Wahrheiten, auch vermeintlichen Wahrheiten über das Leben der Verblichen oder erzählen ungeschminkt ggf. über das jeweilige Drama der Todesumstände.
Begonnen hat das alles dort 1932 mit dem Schaffen des 1908 geboren und 1977 verstorbenen Holzschitzmeisters Ion Stan Patras, der das erste Kreuz für einen Verwandten anfertige, woraufhin sich eine große Nachfrage nach mehr derartiger Kreuze ergab und dessen Tradition bis heute fortgeführt wird in Sapanta.
Daneben gibt es in diesem Ort auch noch die höchste Holzkirche der Welt zu bestaunen.
Wir finden hier einfach eine andere Sicht auf das menschliche Dasein, das den Balten schwer beeindruckt hat.
Aber nun sollen Bilder, Kreuze und Inschriften für sich sprechen.
Blick auf den Friedhof.
Am bekannesten dürfte das Grabkreuz einer „Schwiegermutter“ sein, für die der werte Schwiegersohn folgende Zeilen einschnitzen ließ:
„Unter diesem schweren Kreuz
liegt meine selige Schwiegermutter.
Wenn Sie noch drei weitere Tage gelebt hätte,
wäre ich jetzt da unten und Sie würde das lesen.
Ihr, diejenigen die hier vorbeiziehen,
versucht, sie nicht aufzuwecken.
Denn wenn sie wieder nach Hause kommt,
wird sie wieder mit mir streiten.
Aber ich werde mich so verhalten,
dass Sie nicht wieder kommt.
Bleib hier meine geliebte Schwiegermutter!“
Danke an , der mir beim Drehen des Bildes geholfen hat:)
In dieser Art sind viele Inschriften gehalten, eine kleine Auswahl an Bildern und einige Inschriften folgen nun:
Dumitru war zu sehr dem Schnaps zugeneigt:)
"Der Schnaps ist reines Gift
Qual und Weinen bringt er mit.
All das passierte mir dann,
als mich der Tod in seine Macht bekam.
Wem der Schnaps allzu sehr schmeckt,
dem ergeht es wie mir, so erschreckt!
Wer vom schnaps nicht lassen kann,
stirbt wie ich, den Schnaps nebenan.
Hier ruht Dumitru,
45 Jahre hat er gelebt."
Madame hatte nicht nur den Ehemann geliebt:))
Vorderseite:)
Rückseite:)
Über die Inschrift breiten wir hier wohl das rosa Mäntelchen des Schweigens:)
Er fiel leider im ersten Weltkrieg, sein Enkel wollte ihm aber in Ehren gedenken:
"Da bin ich nur eingetragen,
auf meines Enkels Kreuz,
Sonst lieg ich in Galizien begraben
Und seufz:
Tief, unterm Tannenbaum,
kann mich niemand schaun.
Grüner Zweig vom Tannenbaum
Fiscus Grigor ist mein Nam.
Im Jahre vierzehn im Kriege war ich,
Zurückkehren tat ich aber nich.
Des Feindes Kugel drang in mein Leib
Und es geschah, dass ich gleich verblich."
![DSC07307.JPG]
Danke auch an der mir mit
hier beim Drehen geholfen hat und auch
!!
Ein paar weitere Eindrücke folgen,sehr viele Bilder habe ich leider im Hochformat aufgenommen, aber hier nun ein paar weitere im Querformat.
Wir finden hier also hunderte weitere Bespiele des Dramas, der Tragödie oder der Komödie des menschlichen Daseins, von früh vestorbenen Kindern, Verunfallten, und von schweren Krankheiten gezeichneten, von Opfern staatlicher Willkür oder einfach Geschichten, die das Lebens eben so ins Stammbuch schrieb.
Trotzdem und gerade deswegen geht man mit einem Lächeln aus diesem Friedhof.
Zum Schluss noch die beeindruckende höchste Holzkirche der Welt, die sich in demselben Dorf befindet:
Quellen:
Alle Bilder bei
https://www.ziel-rumaenien.de/der-lustige-friedhof/
https://www.geo.de/geo-tv/2519-rtkl-der-froehliche-friedhof-von-rumaenien
Constantin Lazu: Das Land der Holzkunst und lebendigen Tradition, 2018
https://de.wikipedia.org/wiki/Stan_Ioan_P%C4%83tra%C8%99
https://de.wikipedia.org/wiki/Kreis_Maramure%C8%99
http://www.maramures.de
https://de.wikipedia.org/wiki/S%C4%83p%C3%A2n%C8%9Ba
https://ro.wikipedia.org/wiki/M%C4%83n%C4%83stirea_S%C4%83p%C3%A2n%C8%9Ba-Peri
Die Maramures bietet noch viel, viel mehr, mal sehen ob ich Zeit finde, eine Artikelserie über die Maramures, die Geschichte und Geschichten und unsere tollen Gastgeber auf diesen Reisen, Björn und Florentina, zu machen.
In diesem Sinne:
Keep on moving!
Steem on!
Beam da Steem!
Peace, sisters and brothers!
Bild von Pixabay.
Over and out!
Post erfolgt primär über palnet!
Edit: Please do not forget the "donate" button in https://steemworld.org!!!!!!!!!!!
deserves that!