Ein Leben lang zu arbeiten, um am Ende doch feststellen zu müssen, dass ich in erster Linie nur gearbeitet habe, erscheint mir die gefährlichste aller Vorstellungen. Ziele zu erreichen wie mehr Geld, mehr Besitz und mehr Status sind dabei so weit entfernt wie der Horizont. Der Mensch neigt nun einmal zu der Tendenz, immer mehr haben zu wollen. Ein Ziel wird somit immer nur von einem neuen Ziel abgelöst.
Dieser "Falle" zu entkommen betrachte ich als einer meiner zentralsten Lebensaufgaben. Gelingt mir das nicht, werde ich lediglich Geld, Besitz und Status mit ins Grab nehmen. Absurd, nicht?
The link to the original text of my website//Der Link zum Originaltext meiner Website: https://burnoutside.com/die-entfernung-zum-horizont-ist-konstant-unerreichbar/
DIE VERGANGENHEIT IST TOT, DIE ZUKUNFT, DER HORIZONT, EINE EINZIGE UTOPIE. DAS POSITIVE HINTER DIESER ERKENNTNIS ZU ERKENNEN IST MEINE LEBENSAUFGABE.
Mein Leben ist entspannt, abwechslungsreich und befriedigend. Gemeinsam mit meiner Freundin reise ich um die Welt. Neben kurzen Aufenthalten in aufregenden Städten, verbringen wir unsere Zeit in warmen, tropischen Gegenden, am Meer, genießen den Blick auf einen neuen Horizont.
Das wenige Geld, das wir für dieses Leben benötigen, verdienen wir mit unseren Online-Projekten, die wir ortsunabhängig an jedem Punkt der Welt weiterentwickeln können.
Unseren gesamten Besitz schleppen wir in zwei Rucksäcken mit uns herum. Was wir nicht regelmäßig brauchen, geben wir weg. Es würde uns nur belasten.
Familie und Freunde besuchen wir zweimal jährlich oder sie reisen uns hinterher. Mittlerweile akzeptieren sie was wir tun. Verstehen, warum wir dieses Leben leben. Die Beziehungen zu ihnen sind fest und von Liebe geprägt.
Image is CC0 (www.pixaby.com)
Im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen wir Sozialprojekte und versuchen mit Geld, Zeit, Empathie und handwerklichem Geschick Menschen direkt zu helfen, die Hilfe benötigen. Wir machen das nicht, um unser Ego zu befriedigen, es ist ein wesentlicher Aspekt unserer Definition von Mensch sein.
Unser Leben ist schön.
ICH WÄRE GERNE DORT, WO MEINE GEDANKEN GERADE SIND
Leider ist das nur die Beschreibung eines Traumes. Ich träume ihn schon lange, immer wieder. In allen Einzelheiten male ich mir Tagesabläufe, Reiserouten und die durch diese Lebenweise hervorgerufenen Emotionen aus.
Tausche Reisen, Selbstständigkeit und ortsunabhängiges Arbeiten am Strand gegen Auto, Haus, ein dickes Bankkonto oder gegen was auch immer aus, das du gerne hättest und du weißt, was ich meine.
Manchmal ist das Verlangen nach diesem Traumleben, nach dieser Utopie so mächtig, dass ich die Realität verabscheue. Die Bezeichnung für diesen Zustand ist Burnout.
MEIN ZIEL IST ELF KILOMETER WEIT ENTFERNT
Aus dem Wunsch wird ein Ziel. Ein durchaus realistisches Ziel, schließlich erreichten es bereits viele Menschen. Mein Problem ist, dass ich an meinem Ausgangspunkt an schweren Ketten hänge, mit dicken Fesseln fixiert bin und eine tonnenschwere, selbst verursachte Last auf meinen Schultern liegt.
Der Horizont, an dem ich klar die Umrisse und Details meines Wunschlebens sehe, ist unerreichbar. Die Last aus der Vergangenheit hält mich zurück. Dem Ziel in der Zukunft komme ich keinen Schritt näher.
Sitzt ein Mensch am Strand auf einer zehn Meter hohen Palme, sieht er den Horizont in ca. elf Kilometer Entfernung. Elf verdammte Kilometer. Das ist weit, sehr weit weg.
HINTER’M HORIZONT GEHT’S WEITER
Udo Lindenberg versprüht mit seinem Lied aus dem Jahr 1986 viel Optimismus. Mir führt er mit diesem positivem es geht immer irgendwie weiter die Absurdität meiner vermeintlichen Zwickmühle vor Augen.
Selbst wenn ich mein Ziel eines Tages erreiche, geht es weiter, kommt der nächste Wunsch, das nächste Ziel, das nächste große Ding von dem ich erwarte, dass es mich glücklich macht.
Unser Verstand ist ein Luxusjunkie und produziert ständig coole Werbespots. Die dabei entstehende Emotion ist ein permanentes Mangelgefühl. Das muss aufhören, jetzt.
MÜDIGKEIT, DIESE QUÄLENDE MÜDIGKEIT
Der Horizont ist unerreichbar. Warum ihm hinterherjagen? Damit er mich ständig darauf hinweist, was in meinem Leben angeblich fehlt? Nein, dieses Muster muss ich durchschauen.
Die Ketten zerschlagen, die Fesseln lösen, die Last der Vergangenheit ablegen ist meine Lebensaufgabe. Ein quälender Gedanke. Zu lange schon arbeite ich an der Bewältigung meiner Vergangenheit. Ich bin müde.