Liebe Leserinnen und Leser
In den kommenden Wochen möchte ich versuchen immer freitags einen Beitrag zum Nachdenken zu veröffentlichen. Geschehen soll das unter dem Titel «Achtsames Wochenende». Ich hoffe diese Kategorie gefällt euch und regt zum Nachdenken an. Natürlich freue ich mich sehr über Kommentare und Rückmeldungen.
Starten werde ich dieses Experiment mit einer recht häufig erzählten, bekannten Zen-Geschichte.
Quelle: InternetDas leere Boot
Ein Zen-Meister erzählt seinem Schüler folgende Geschichte: "Eines Tages fuhr ich mit meinem Boot auf den See hinaus. Ich hatte das Boot gut gepflegt und am Vortag sorgfältig neu gestrichen.
An diesem Tag war der See sehr neblig, sodass ich das andere Boot erst spät erkennen konnte. Es hielt genau auf mich zu und obwohl ich rief, änderte es nicht seinen Kurs.
Ich konnte die frische Farbe abblättern hören, als das Boot an meines stieß. Zorn und Wut stiegen in mir auf und ich wollte gerade die Person im anderen Boot beschimpfen, als ich merkte: Das Boot ist leer. An einem leeren Boot meine Wut auszulassen, schien mir sinnlos und plötzlich kam mir die Erkenntnis:
Jedes Boot, das dich anrempelt, ist leer."Der Schüler sagte darauf zum Meister: "Aber selbst wenn das Boot leer ist: Ich würde trotzdem Gott und die Welt verfluchen und mir vorstellen, dass irgendjemand schuld ist und mir Schaden will."
Der Meister antwortete: "Das ist wahr, so funktioniert der menschliche Geist. Aber je mehr wir mit dem Bild des leeren Boots üben, desto leichter können wir uns beruhigen und sehen, dass der Zorn nutzlos ist, und nicht an ihm festhalten. Schuld ist immer das leere Boot.
Oder wie Buddha sagt:
'An Zorn festhalten ist wie Gift trinken und erwarten, dass der andere dadurch stirbt.' "
Der Zen-Meister in der Geschichte sagt etwas sehr Wahres, der Zorn ist sinnlos. Dennoch ist er eine normale menschliche Gefühlsregung und gehört zu unserem Wesen. Was wir nicht zulassen sollten ist, dass er unser Handeln dominiert. Die Geschichte mit dem leeren Boot verdeutlicht das.
Wir können einüben in Dingen, welche außerhalb unseres Einflusses liegen, ein solch leeres Boot zu sehen.
Bedeutet das wir sollen einfach alles hinnehmen und uns unserem Schicksal ergeben?
Nein, sicher nicht, vielmehr gilt es sich bewusst zu machen, dass aus einer zorngetriebenen Handlung nichts Gutes entstehen kann.
Wir können üben, den Zorn zu erkennen, ergründen woher er kommt, um ihn umso rascher wieder verrauchen zu lassen.
Gelingt uns dies, so können wir uns auf unser eigenes Boot konzentrieren. Dieses liegt nämlich in unserem Einflussbereich, dort bietet sich die Möglichkeit zu handeln.
Für diese Einflusssphäre verwende ich gerne das Bild eines Steines, der in einen ruhigen, glatten Teich geworfen wird.
Wir alle sind ein solcher Stein und wenn wir auf das Wasser treffen, wühlen wir es auf und kleine Wellen breiten sich von uns ausgehend kreisförmig im Teich aus. Mit zunehmendem Abstand werden sie immer schwächer, bis sie schließlich nicht mehr wahrnehmbar sind.
Wie groß wir als Stein sind und wie groß dann die Wellen sind, welche wir auslösen, hängt oft von der jeweiligen Gruppe ab, in der wir uns gerade bewegen. In der Familie hat unser Stein vielleicht ein anderes Gewicht als auf der Arbeit, oder im Verein. Wir sollten uns bewusstmachen, wo unser Engagement etwas bewirken kann und gleichzeitig sollten wir der Tatsache Rechnung tragen, dass auch ein noch so kleiner Kieselstein den glatten Teich in Bewegung versetzt.
Das ist auch eine wunderbare Analogie zum Hive-Blogging, auch hier gibt es kleinere und grössere Steine. Neulich war dies auch Thema in einem Beitrag von bzw. in den Kommentaren dazu. Jeder noch so kleine Upvote, jeder Kommentar und jeder re-blogg hat einen Einfluss und kann etwas bewegen.
In diesem Sinne bedanke ich mich für Eure Zeit und wünsche ein friedvolles und achtsames Wochenende.
Bilder von pixabay.com