Da wo ich herkomme, sagen wir, europäische Peripherie, oder europäische Entwicklungsländer, gibt es eine schöne Sitte. Die Touristen, meistens Deutsche, werden zu einer Weinprobe eingeladen. Entweder bezahlen sie es, aber oft bekommen sie es geschenkt, damit sie Stammgäste werden und wiederkommen.
Die Gastgeber sagen ihnen, sie sollten sich um drei Uhr fertig machen. Drei Uhr? Für Mittagessen, ein bißchen zu spät. Für Abendessen, ein bißchen zu früh. Vorsichtshalber essen wir lieber nichts vorher, oder kaum etwas.
Dreimal gebrannt
Manchmal mit Pferdekutsche, manchmal mit Geländewagen, geht’s dann bergauf, und als Begrüßungsgetränk, gibt es schnell ein überhaupt nicht so kleines Glas Schnaps. Hausgemacht, unversteuert, also illegal. Zweimal gebrannt, das dritte mal brennt’s in der Kehle, Alkoholgrad nämlich bei etwa 50-55 Prozent. Mit leerem Magen, besonders effektiv.
Nun, Auto fahren tun wir heut nicht mehr, aber wie geht’s weiter? Die besonders hungrigen bemerken mit einem unbequemen Gefühl daß das Essen noch irgendwann in der fernen Zukunft zu erwarten ist. Offenes Feuer, köstliche Duftstoffe, aber das Fleisch ist noch ganz hart. Ein paar Stunden kann es noch sogar dauern.
Aber wir sind hier auf einer Weinprobe, oder nicht? Es geht mit leichtem Weißwein los. Die ersten Gläser sind meistens noch ganz köstlich, später als der Blutalkohol der Leute aufsteigt, steigt die Qualität der Weine allmählich herunter. Noch ein Faß das probiert werden muß, und noch eins, und noch ein Gläschen, jemand vielleicht noch einen Schnaps?
Deutsche Wölfe
Wenn das Essen fertig ist, sind alle so hungrig oder besoffen oder beide, das der Geschmack bereits eine Nebenrolle Spielt. Wie hungrige Wölfe werden sie sich auf die Speise werfen, die in diesem Zustand die köstlichste erscheint was sie je gegessen haben.
Und die natürlich auch recht Würzig ist. Zwischen vielem Zischen und Geheule braucht man natürlich schon wieder Wein, um die ungewöhnliche Schärfe im Mund abzuspülen.
Seekrank auf Erden
Die Fortsetzung überlasse ich eurer Fantasie. Wisst ihr, Manchmal ist es schwierig, auf einer Pferdekutsche oben zubleiben. Und keine Seekrankheit darauf zu bekommen. Und manchmal müssen am Ende einige die letzten Meter bis zu ihrer Unterkunft mit einer Schubkarre zurücklegen. Die natürlich nicht der Fahrgast selber schiebt.
Werden also diese lieben Deutschen nächstes Jahr wiederkommen, oder wird die Erinnerung an diesen Riesen-Katzenjammer stärker als die verbleibenden Bilder der schönen Augenblicke? Wahrscheinlich egal, solange das Land so billig bleibt und man hier so schön sparen kann…
(Foto: Pixabay)