Ich möchte heute eine neue Serie mit dem Titel Askese und Extase beginnen.
Der Grundtenor hierbei soll auf dem Prinzip weniger ist mehr beruhen und soll zeigen, in welchen Lebensbereichen wir bewusster handeln können und welche Wirkungsweisen der Askese auf unseren Körper und unsere Psyche bereits wissenschaftlich belegt wurden. Eine These dieser Serie soll sein, dass man den heutigen Lebensstil mit den verschwenderischen, übertriebenen (und teils unsinnigen) Konsum nicht mehr genießen und auch nicht wertschätzen kann, weil sein Gegenstück, der Verzicht, fehlt. Unsere Welt ist bunt und voll mit ästhetischer Schönheit, aber wir können nichts außer den grauen Nebel des Alltags erkennen.
(Im asketischen Sinne werde ich auch (wirklich) versuchen, meine Tastenanschläge zu mäßigen und mich kürzer fassen.)
Umweltschutz oder Egoismus
Die Herangehensweise ist meistens, dass wir der Umwelt zuliebe verzichten sollten. Und ja, das ist erst einmal richtig. Unser Konsumverhalten hat einen sehr negativen Einfluss auf unsere Umwelt. Aber das weiß mittlerweile so ziemlich jeder und verändern werden ihr Verhalten doch nur die Wenigsten.
Stattdessen gehe ich hier zunächst von einem grundsätzlichen Egoismus und Unwissen aus und kann so sagen, dass der Konsum nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Menschen selbst schadet. Also: Überdenke dein Handeln nicht für Umwelt, sondern für dich selbst. Der Egoismus soll hierzu nicht als ethisch verwerflich angesehen werden, sondern als zulässige Nutzenmaximierung (ethischer Egoismus), die auch sehr eng mit dem homo oeconomicus zusammenhängt.
"Die Haupt- und Grundtriebfeder im Menschen, wie im Tiere, ist der Egoismus, d. h. der Drang zum Dasein und Wohlsein" - Arthur Schopenhauer (1841)
10'000 Dinge
Die Menschen werden heutzutage immer mehr durch ihren Konsum und Besitz geprägt. Ein materieller Wohlstand ist für viele allgegenwärtig und wird kaum hinterfragt. Die Produkte werden nicht mehr erworben, weil wir sie brauchen, sondern eher als symbolischer Akt aus sozialen und kulturellen Gründen, um an den gesellschaftlichen Aktivitäten teilzuhaben.
In der Recherche bin ich in vielen Zeitungsartikeln immer wieder auf die Anzahl von 10'000 Dingen gestoßen, dir wir Menschen angeblich besitzen sowie Berichte über Personen, die voller Stolz zeigten, dass sie mit nur 500, 300 oder 100 Dingen leben können. Leider wurde zu den 10'000 nirgends eine Quelle angegeben (ich vermute mal ein Jahresbuch des Statistisches Bundesamtes). Dabei drängt sich aber auch die Frage auf, wie sowas gezählt wird. Zählt jede Plastiktüte, jedes einzelne Haargummi mit rein, wodurch die Zahl ziemlich sinnlos erscheint.
Ziel der Serie
Um die Anzahl der Dinge in unseren Leben soll es aber auch nicht gehen. Es soll auch nicht um die ewige Diskussion gehen, ob Armut oder Reichtum glücklicher macht. Also mit Askese soll nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass Armut glücklich macht. Das ist ganz sicher nicht der Fall.
Es geht vielmehr um den bewussten und freiwilligen Verzicht von Dingen, die man sich leisten könnte oder die vorhanden sind. Und darüber hinaus soll auch der Blick auf die immateriellen Dinge gerichtet werden wie unser Verhalten und unsere Charaktereigenschaften sowie auf Dinge, die wir oftmals überhaupt nicht beachten, weil sie so selbstverständlich sind.
Was bedeutet Askese und Ekstase?
Etymologisch hat Askese mehrere Bedeutungen. Es stellt einen Lebensstil und eine Haltung und Denken dar, in dem Zurückhaltung, Mäßigung, Entsagung oder Enthaltung im Mittelpunkt steht. Weiterhin beschreibt es auch Beharrlichkeit, ein intensives und diszipliniertes Training an etwas und Fleiß sowie Selbstbeherrschung.
So ist der Athlet, der sich auf das nächste Tunier vorbereitet ein Asket wie auch der Mönch, der sich in Frömmigkeit und Tugenhaftigkeit übt. Tugenden sind, entgegen den Sünden, wertvolle, erstrebenswerte und positive Eigenschaften. Und die Askese stellt damit ein Weg zum erreichen dieser Tugenden dar.
Die Ekstase soll hier allgemein als übermäßige Begeisterung und Ausnahmezustand des Seelenlebens verstanden werden. Sie soll hier auch nicht als Gegenteil der Askese verstanden werden, sondern einerseits als dessen Ergebnis und andererseits in Momenten, in denen man bewusst konsumert und wieder lernt, es zu genießen.
Fahrplan
Die Teile und die Reihenfolge der Serie sind nicht wirklich festgelegt, aber einige Themen habe ich bereits gesammelt, über die ich schreiben könnte. Über weitere Themenvorschläge bin ich natürlich aufgeschlossen.
- Auswirkungen einer Informationsdiät auf die Gesundheit und das Sozialleben
- Allgegenwärtige Smartphones
- Aufmerksamkeit und Zuneigung - über Selbstwert und Selbstachtung
- Auszeit vom Sozialleben
- Zwischen Abenteuer und Langeweile
- Wohnen und Leben wie Kaiser Nero oder Diogenes von Sinope
- Zwischen schändlichen Fetisch und ehrhafter Moral
- Arbeitszeit - 40-Stunden- und 4-Stunden-Arbeitswoche
- Ernährung - Zwischen Fasten und Völlerei
Quellen
„Askese“. In: Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. URL: https://www.dwds.de/wb/Askese. Abgerufen am 07.03.2018.
"Egoism". In: Stanford Encyclopedia of Philosophy. URL:
https://plato.stanford.edu/entries/egoism/. Abgerufen am 07.03.2018
„Ekstase“. In: Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. URL: https://www.dwds.de/wb/Ekstase. Abgerufen am 07.03.2018.
Schopenhauer, Arthur (1841): Die beiden Grundprobleme der Ethik. Preisschrift über die Grundlage der Moral.
Statistisches Bundesamt (2017): Statistisches Jahrbuch 2017. URL: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/StatistischesJahrbuch.html.