Bis eben nahm ich an, dass der Buddhismus im Unterschied zu den drei nahöstlichen Religionen um Vieles lockerer sei. Keine Sünden, keine Buße, Leben nach eigenem Gusto. Und wenn Du es mit schlechten Taten und Gedanken übertrieben hast, musst Du die nächste Runde eben eher als Spinne denn als menschliche Schönheit absolvieren. Aber auch von dort kannst Du Dich wieder hocharbeiten, von Wiedergeburt zu Wiedergeburt.
So dachte ich.
Aber es gibt mehr als Himmel und Hölle im Buddhismus. Auch hier ist das asiatische Dasein vielfältiger als in den Wüstenreligionen.
Hier gibt es viele Abstufungen. Bevor Du Engel werden kannst, musst Du auch im buddhistischen Limbo einige Unterrichtseinheiten zu Zufriedenheit absolvieren. Und zwar in unterschiedlichen Klassen. Dabei sehen die Lehrer anfangs nicht sonderlich vertrauensbildend aus. Die auf den unteren Stufen der Engelsschulen haben eher was bedrohliches.
In der nächsthöheren Stufe bist Du dann schon soweit konditioniert, dass Du für eine Wiedergeburt in Frage kommst. Du musst nur noch ein wenig meditieren üben.
Auch scheint es nötig zu sein, seinen Lehrer anzuhimmeln
und die himmliche Familie und Obrigkeit zu achten und zu ehren.
Wenn Du das geschafft hast, hast Du es geschafft. Bis zum nächsten Transfer in Dein irdenes Dasein kannst Du den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, kannst Deine Zeit mit Wein, Weib und Gesang vertreiben lassen.
Natürlich alles im Rahmen eines engelhaften Benehmen und unter den wachsamen Augen der Obrigkeit.
In diesem Himmel scheint es auch einen sehr fruchtbaren Baum der Erkenntnis zu geben. Hier kann der männliche Reisende von einem nachwachsendem Rohstoff profitieren.
Hier wachsen die Jungfrauen als Frucht des Baumes und warten nur darauf, dass sie gepflückt werden. Wenn Du also Appetit hast, pflück Dir eine!
Du brauchst keinerlei Gewissensbisse oder Sorgen zu haben, dass das von Dir gepflückte Früchtchen dabei irgendwie Schaden nehmen oder schlimmer, Ansprüche stellen könnte. Es wächst nur für Dich. Sie sterben danach, ebenso wie diejenigen, die einfach nur reif sind. Es ist also kein Verlust und der Baum lässt unaufhörlich neue wachsen.
Ich liebe diese Religion!
Inklusion gibt es hier nicht
also brauchst Du Dir auch keine Gedanken darüber machen, was mit Jenen passiert, die es nicht mal bis zur unteren Himmelsstufe und damit zu den grimmigen Lehrern mit Keule , Bauch und Titten geschafft haben. Du meditierst die armen Seelen einfach weg, geht auch mit offenen Augen, oder Du bist eh gerade völlig vertieft in Deiner Frucht.
Denn es können dem Reisenden zwischen zwei Leben durchaus ein paar Unannehmlichkeiten von unbekannter Dauer widerfahren.
War man zum Beispiel nicht sehr nett zur Kreatur auf Erden, kann man gelehrt bekommen, wie es sich anfühlt, wenn man seiner Eingeweide verlustig geht
oder wie es sich anfühlt, wenn man Dasselbe durchlebt wie die Kreaturen, die man auf Erden respektlos behandelt, bevor man sie verspeist. Da kann man schon mal seinen Kopf oder andere hervorstehende Körperregionen verlieren.
Man bekommt auch einen Eindruck, wie sich diejenigen Mitmenschen fühlten, zu denen man wirklich nicht nett war und dies Jene auch hat fühlen lassen.
Diese Komforteinbußen sind allerdings nicht von Dauer. Nach einiger Zeit der Belehrungen kann man die Klasse wechseln und bei den grimmigen Lehrern weitermachen.
Aber es gibt auch ein Endlager für Unbelehrbare, sozusagen ein Erlebnispark für die Ewigkeit. Und wenn ich mir die Freude in den Gesichtern der dort beschäftigten Animateure in Erinnerung rufe, scheint es gleichzeitig eine Art Paradies nach de Sade zu sein.
Dort gibt es alles zu trinken, solange es Körperflüssigkeiten sind.
Auch erfreuen sich sich Kochkurse einer regen Beteiligung, sowohl von Seiten der Köche als auch der Zutaten.
Im Sprachunterricht wird auf den richtigen Zungenschlag geachtet
Das Seltsamste, was ich gesehen habe habe, ist eine Kombination von Kosmetikeinweisung, Hundeschule und Freeclimbing. Hier wird Fleeclimbing gelehrt, parallel dazu eine zielorientierte Abrichtung von Hunden und es wird auch demonstriert, wie man Hautunreinheiten wirksam beseitigt.
Allerdings gibt es auch meiner Meinung nach einen Grund Kritik üben zu müssen!
Es gibt keinerlei Warnhinweise, jeder unbedarfte, auch zufällig vorbeikommende Reisende kann ohne Alters- oder Reifeprüfung in diesem Lustgarten, dieser Beton gewordenen Inkarnation buddhistischter Lehren wandeln. Niemand macht sich Sorgen oder fühlt sich sogar verantwortlich, dass zarte Seelen hier einen enormen Schaden nehmen könnten.
Man sieht es doch in den ungläubig entsetzten Gesichtern dieser Kinder.
Niemand hat sie darauf vorbereitet, dass sie hier auf einen Vertreter der fremden Langnasen stoßen könnten. Hier inmitten dieses Tempelgartens im nordöstlichen Nirgendwo von Thailand.
Warnhinweise wären das Mindeste.
Dabei bin ich nicht der erste farang, der hier war. Allein diese Darstellung beweist, dass mindestens ein früher Ahn von Marco Polo hier gewesen sein musste.
Sicher, es ist keine 1 zu 1 Kopie, aber die Ähnlichkeit ist unverkennbar.
Eigentlich wollte ich noch über den eigentlichen Tempel erzählen, aber mir ist dieser Post schon jetzt zu lang. Außerdem bin ich ob der Blicke meiner Berater etwas verunsichert. Dabei habe ich die Geschichte so genau wie möglich wieder gegeben.
