Foto selbst gemacht am Hauptbahnhof Freudenstadt
Der Alltag ist gut verplant
Vor etwas mehr als einem Jahr entschied ich mich dazu den recht schweren Weg als Triebfahrzeugführer einzuschlagen.
Nach gut 5 Monaten, die von der Bewerbung bis zum Einstellungsvertrag zum Quereinstieg vergingen, war es endlich soweit. Die Freude und auch die Nervosität war groß, als ich das erste mal den Unterrichtsraum betrat. Zusammen mit 9 anderen "Neulingen" war ich in einem relativ kleinen Raum untergebracht, indem mir die nächsten 4 Wochen eine schier unglaubliche Menge an Wissen eingetrichtert wurde. In insgesamt 2 großen DIN A4 und 2 kleineren DIN A5 Ordnern war alles zusammengefasst, was ich für meine erste Prüfung brauchte:
Den europäischen Triebfahrzeugführerschein
Dieser beinhaltet Themen wie die Geschichte der Eisenbahn seit dem Jahr 1835, die Unfall-Verhütungs-Vorschriften, die Sprache der Signale und viele weitere regeln, die solch ein Beruf mit sich bringt.
Von nichts kommt nichts!
Fortan verbrachte ich meine Tage so, dass ich bis zu 8 Stunden in der Ausbildung verbrachte. Doch das war nicht genug! Zuhause angekommen stand das Abendbrot mit meiner Familie auf dem Programm und eine Stunde Zeit, die ich gerne meinem Sohn widmete. Aber mehr war leider nicht möglich.
Danach standen __täglich 1-2 Stunden intensives Beschäftigen des am Tag so mühsam erlernten auf dem Programm. Selbst am Wochenende, vor allem vor großen Prüfungen, musste dass sein!
Das lernen hört nie auf...
Als nächstes stand ich vor der Situation einen weiteren Beruf zu erlernen:
Als Erläuterung möchte ich dazu sagen, dass ich nach dem Karlsruher Modell fahre (Verlinkung zu wikipedia vorhanden).
Dies ist, kurz gesagt, eine fahrgastfreundliche Möglichkeit ohne Umstieg auch in die Innenstadt zu gelangen.
Auch das meisterte ich recht suverän und war somit bereit den letzten Schritt zu gehen:
Die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer
Diese läuft in der Regel zu 60% praktisch und 40% theoretisch ab. Bestimmend hierfür sind die sogenannten Richtlinien 408 (ein Teil des Betriebsregelwerkes) und 301 (das Signalbuch). Diese bestimmen sozusagen den Hauptteil des späteren Berufes. Es gibt noch gefühlt 1000 andere Regelwerke, auf die ich aber aus Platzmangel hier nicht eingehen werde! Ich möchte ja schließlich ein paar meiner Leser behalten...
Auch dieser Teil der Ausbildung ist sehr zeitintensiv und ohne Selbststudium zuhause kaum zu bewerkstelligen.
Man lernt neben den allgemeinen Regelungen die vom Eisenbahnbundesamt (vergleichbar mit dem Straßenverkehrsamt) heruasgegeben werden auch seine späteren Fahrzeuge und Strecken kennen, die man befährt. Auch hier gibt es etliche Richtlinien, die es einzuhalten gilt.
Man bekommt für alle Module sogenannte Zusatzbescheinigungen. Diese sind aber nicht ewig "haltbar", sondern verfallen in den meisten Fällen nach 12 Monaten ohne deren Ausübung. Dazu zählen unter anderem die Streckenkunde (alle Strecken, die man regelmäßig innerhalb eines Dienstes befährt), Kenntnisse über die verschiedenen Fahrzeugtypen und auch Sonderkenntnisse, wie zum Beispiel Fahrt in einer "Steilstrecke".
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Unterm Strich ein lohnendes Vorhaben
Der Beruf als Triebfahrzeugführer ist und bleibt auch noch für eine ganze Weile lukrativ. Aktuell gibt es "nur" ca. 15.000 Lokführer in ganz Deutschland. Gemessen an der Einwohnerzahl also keine 0,2% aller in Deutschland lebender Bürger!
Der Verdienst ist immer subjektiv zu betrachten, weil es für den einen immer mehr sein könnte. Ein anderer jedoch, zu denen ich mich zähle, sieht es als absolut ausreichend an. Grade auch, weil es über dem Durchschnitsverdienst Deutschlands steht.
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Fazit - Angestaubtes Image, gut renoviertes Innenleben
Dies ist nun explizit mein eigenes Empfinden!
Das letzte Jahr hat mir eines gezeigt:
Das Leben als Triebfahrzeugführer ist abwechslungsreich, anstrengend und mein absoluter Traum!
Das Arbeiten in 3-Schicht, die negativen Seiten der Fahrgäste und die ständige Angst vor Unfällen fahren zwar immer mit und sind sicherlich sehr anstrengend, jedoch weiß man, dass man selbst einen sehr wertvollen Beitrag zum Alltag anderer Menschen am Ende des Tages geleistet hat.
Somit kann ich selbst und ohne Einschränkung jedem diesen Weg empfehlen, wenn er sich selbst in meinem Beitrag wiederfinden kann.
Somit danke ich fürs Lesen und wünsche eine angenehme Woche!
Wie immer freue ich mich über Kommentare und konstruktive Kritik.
Euer Fangadir