Am ersten richtig warmen Tag des Jahres eröffnen wir die Fahrradsaison. Im Gebiet zwischen München und dem Alpenrand kenne ich viele kleine Straßen und Wege, auf denen man abseits der Blechlawinen, die an so einem Tag stets ins Rollen kommen, ungestört die Pedale kreisen lassen kann.
Die Strecke
Perlacher Forst -> Perlacher Mugl -> Deisenhofen -> Ludwigshöhe -> Deining -> Aufhofen -> Thanning -> Harmating - Thankirchen -> Humbach -> Ascholding -> Puplinger Au -> Wirtshaus zur Mühle -> Strasslach -> Deisenhofen -> Perlacher Forst
Für die Statistik
- Datum 2019-03-23
- Länge 90 km
- 900 Höhenmeter im Aufstieg
- Lufttemperatur bis 18 Grad
- Fahrzeit 7 Stunden mit vielen Pausen
Am Eingang zum Perlacher Forst steht ein sehr beliebter Brunnen, den man zum Trinken, aber auch zum Reinigen des Fahrrads nützen kann. Meines hatte dringend nötig nach dem feucht-kalten Winter:
Wir treffen uns auf dem Gipfel des "Perlacher Mugls", einem künstlich angelegten Aussichtsberg mitten im Wald, von dem aus man bei guten Sichtverhältnissen viele Alpengipfel bis zum Alpenhauptkamm erblicken kann. Leider lag noch eine Dunstschicht über dem Land, so dass trotz wolkenlosem Himmel die Berge nur erahnbar waren:
Zum Glück gibt es eine Orientierungstafel, die die theoretisch sichtbaren Gipfel erläutert. Statt an der Fernsicht erfreute ich mich an der Nahsicht auf das leckere Laugenteil:
Auf dem "Gipfel" steht auch ein kleiner Pavillon mit gemütlichen Bänken:
Die Entstehungsgeschichte des Mugls ist übrigens sehr interessant und kann hier nachgelesen werden:
https://www.muenchenwiki.de/wiki/Perlacher_Mugl
Wir nähern uns nun den Bergen, aber auch von der Ludwigshöhe ist die Sicht noch nicht viel besser:
Trotzdem gönnen wir und dort oben ein Päuschen, weil wir zufällig Bekannte treffen, die ebenfalls mit den Rädern unterwegs sind.
Das ein bisschen versteckt liegende Schloss Harmating ist mir immer einen Besuch wert:
Herrmann von Barth (1845 - 1876), der berühmte Erschließer des Karwendelgebirges, war dort zu Hause. Es befindet sich immer noch im Privatbesitz seiner Familie. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Barth.
Kurz hinter Harmating entdecken wir ein kleines Moor:
Leichtsinnigerweise gehe ich ein paar Schritte hinein und versinke sofort im nachgebenden Boden:
Mit der Aufwendung all meiner Kräfte kann ich dem Schicksal einer Moorleiche gerade noch entfliehen.
Wir erreichen den südlichsten Punkt unserer Runde, Thankirchen. Endlich können wir von dort die Berge klar erblicken:
Die romanische Kirche des Ortes ist aufgrund ihrer Lage und Dimensionierung nur schwer photographierbar:
Aber ich glaube, dieses Bild ist vorzeigbar.
Typisch für diese Gegend sind alte, putzige Häuschen wie dieses hier:
Thankirchen wurde 1945, wenige Tage vor Kriegsende, noch heiß umkämpft. Auf einer Hauswand ist die Geschichte festgehalten:
Es ist für mich angesichts dieser Erinnerung unfassbar, dass derzeit wieder eine Erhöhung des "Verteidigungsbudgets" von unseren "Volksvertretern" geplant wird.
Ein sonniges Plätzchen lädt erneut zu einer kurzen Pause ein:
Nun aber beschließen wir angesichts der fortgeschrittenen Zeit eine beschleunigte Rückfahrt. Glücklicherweise geht es in Richtung München meist bergab. In Ascholding MUSS ich aber angesichts dieses Motivs kurz anhalten:
Mit hoher Reisegeschwindigkeit durchqueren wir die Pupplinger Au und erreichen das schöne Isarwehr bei Icking:
Auch das Gasthaus zur Mühle wird nur kurz (ohne Einkehr) aufgenommen, denn allmählich wird es spürbar kühler.
Hier befindet sich übrigens die längste Floßrutsche, die für eine nasse Erfrischung der Passagiere auf den Flößen sorgt:
Wir verabschieden uns im Perlacher Forst an einer Weggabelung und freuen uns über diesen gelungenen Auftakt der Radlsaison.
Ich hoffe, Euch hat dieser kleine Ausflug auch gefallen. Vielen Dank für Eure virtuelle Begleitung!