In dieser Jahreszeit hört man von den Börsianern recht oft, dass nun die schönste Zeit des Jahres sein würde. Bei einem Blick aus dem Fenster mögen einen da ernste Zweifel an der geistigen Gesundheit von ihnen kommen. Es ist damit allerdings meist nicht die Rede vom Wetter, sondern vielmehr davon, dass nun die Dividende-Saison beginnt.
Einige erste Unternehmen fangen nun Ende Februar damit an ihre Dividenden an die Aktionäre auszuschütten und für die gibt es eben einen größeren Geldsegen aufs Konto. Schon verständlich, dass man sich darüber ein wenig freuen kann.
Was ist diese Dividende eigentlich? Die Idee dahinter ist eigentlich recht einfach. Mit einer Aktie erwirbt man sich einen Teil von einem Unternehmen. Zusammen mit den anderen Aktionären wird man zum Besitzer eines Stücks des Unternehmens. Und die meisten Unternehmen arbeiten eben nicht nur zum Spaß, sondern versuchen mit ihrem operativen Geschäft Gewinne einzufahren.
Zumeist endet das Geschäftsjahr der meisten Unternehmen nun und es wird der Kassensturz gemacht. Man schaut sich an, was das Unternehmen so erwirtschaftet hat und überlegt sich, was man mit dem Geld anfangen will. Üblicherweise wird der Vorstand einen Vorschlag machen und je nach Lage entweder Geld auf die hohe Kante zurück legen oder eben den überschüssigen Gewinn an die Aktionäre ausschütten. Stimmen diese auf der Hauptversammlung dem Vorschlag zu, bekommen sie je nach Anzahl ihrer Aktien den entsprechenden Anteil aufs Konto überwiesen.
Dieser Vorgang macht beide Seiten zufrieden. Der Aktionär erfreut sich an einem Gewinn, den er nun real greifen kann. Das Unternehmen zeigt damit, dass man nicht nur Luftschlösser baut, sondern wirtschaftlich rentabel ist. Und ist der Chef zufrieden, ist es das Unternehmen natürlich auch ;)
Gerade unter Neulingen an der Börse ist die sog. Dividendenstrategie einer der beliebtesten Investitionsstrategien. Diese sagt aus, dass im Zweifel bei einer Auswahl von Unternehmen die Wahl auf jenes Fallen wird, dass die größte und zuverlässigste Dividende auszahlt. Steigert ein Unternehmen seit 30 Jahren seine Dividende jedes Jahr um 10%, ist es natürlich entsprechend beliebter als eines, was nur alle 3 Jahre mal etwas ausschüttet.
Eine solche Stategie ist in der Tat für Einsteiger sehr solide und nimmt auch stets ein wenig Risiko aus der Anlage. Den investieren wir 1000€ und erhalten über die Jahre 100€ aus der Dividende, so haben wir effektiv nur noch 900€, was an der Börse den Schwankungen unterworfen ist. Das den Gedanken gerade Einsteiger attraktiv finden, ist verständlich.
Und gerade im europäische Raum schütten die meisten Unternehmen regelmäßige Dividenden aus, während es im angelsächsischen Raum auch entliche Unternehmen gibt, bei denen man ausschließlich über Kurssteigerungen Gewinne erwirtschaften kann. Doch vorsicht! Eine hohe Dividende muss nicht zwangsläufig etwas positives sein. Oft schütten auch Unternehmen, die bereits mit dem Rücken zur Wand stehen eine hohe Dividende aus, da die Aktionäre bereits muren und damit drohen abzuhauen. Weddelt man dann ein wenig mit den Scheinen vor ihrem Gesicht, steigert das natürlich die Motivation noch ein wenig zu bleiben.
Gerade bei Neulingen gibt es allerdings auch zur Dividende einige Missverständnisse. Eine Sache die man oft hört ist: Bald gibt es bei XY Dividenden, ich muss noch schnell ein wenig davon einkaufen. Dies zeigt üblicherweise, dass man den grundlegenden Sachverhalt noch nicht verstanden hat.
Findet die Hauptversammlung statt und entsprechender Beschluss ergeht, wird die Dividende vom aktuellen Kurs abgezogen. Ist der Kurs bisher 105€ gewesen und es wurde eine Dividende von 5€ beschlossen, wird die Aktie am nächsten Tag für 100€ gehandelt. Dieser Tag wird auch als „Ex-Tag“ oder „Ex Div“ bezeichnet. Das mag zunächst ein wenig nach Diebstahl anhören, ist es aber nicht. Den eigentlich ist dies auch logisch. Das Unternehmen hat eben Geld auf dem Konto und nun hat ma zugegriffen und sich aus den Kassen bedient. Das zur Verfügung stehende Unternehmen ist weniger wert und entsprechend sinkt natürlich der Kurs.
Wer also ein paar Tage vor der Hauptversammlung Aktien kauft, kauft damit auch die Dividende bereits eingepreist mit. Wer es am Tag danach kauft, bekommt die Aktie günstiger, muss allerdings eben auch wieder ein Jahr lang auf seine Dividende warten. Besonders viel Spielraum für eine ausgeklügelte Stategie zum Kauf gibt es daher nicht. Wer vorher kauft, bekommt schneller wieder liquide Mittel. Wer danach kauft, kriegt dafür mehr Aktien. Wer vorher kauft, eine Dividende erhält und danach für diese wieder Aktien kauft, hat genauso viele.
Dies stimmt natürlich nicht ganz, da eben am Ex-Tag auch Aktien am Markt gehandelt wird und entsprechend die Kurse fallen oder steigen können. Es kommt daher nicht selten vor, dass man am Kurs den Ex Div gar nicht sieht, weil gerade eben die Kurse entsprechend angestiegen sind und es vielmehr nach einer ganz normalen Schwankung aussieht.
Genauso blödsinnig natürlich auch jene, die mal wieder den Ex-Tag verpasst haben (was für Unternehmer...! ;)) und denken, dass sie nun stärke Kursverluste an dem Tag erlitten haben. Dabei ist eben nur die Dividende noch nicht bei ihnen aufs Konto gekommen und sie haben vielleicht gar keinen Verlust erlitten.
Die Sache mit der Liquidität erlaubt zwar theoretisch Spielräume beim Kaufzeitpunkt. Doch dies betrifft uns Kleinanleger nicht, da es sich normalerweise nicht lohnt von der Dividende direkt wieder Aktien zu kaufen. Dafür sind die Gebühren für den Kauf selbst zu hoch und wir würden nur die Banken füttern. Entsprechend wird dieser Sachverhalt erst dann interessant, wenn man wirklich größere Summen erhält.
Ich persönliche empfehle üblicherweise Einsteigern stets (zumindest teilweise) eine Dividendenstrategie zu fahren. Dies hat vor allem steuerliche Gründe! Den Kapitalerträge erwirtschaftet man erst beim Verkauf der Aktie. Hält man einige Aktien über Jahre, verschenkt man schlimmstenfalls seine Freibeträge. Da eine Dividende jedes Jahr ausgeschüttet wird, zahlt man jedes Jahr ein wenig Steuern drauf. Und geht eben bis zum Freibetrag entsprechend steuerfrei aus.
Ich peile in meinem Depot immer ca. 2% Dividende an. Das ist nicht besonders viel, da es eben durchaus Unternehmen mit bis zu 5% gibt. Für mich heißt es aber eben, dass für jedes Unternehmen, dass unter 2% ausschüttet, ich auch immer stets eines im Depot halte, was entsprechend mehr ausschüttet. Dies ist Teil meiner Strategie und keine reine Dividenden-Strategie.
Wann man also letztendlich in ein Unternehmen einsteigt ist für die Dividende (abgesehen von psychologischen Faktoren) nicht sehr wichtig. Kurz vor der HV kann genauso gut sein, wie nach der HV. Wichtiger ist dabei eher die Qualität des Unternehmens. Und es lässt sich eben auch oft beobachten, dass viele Leute dies nicht wirklich verstehen und während der Dividendensaison sehr viel gekauft wird. Wer also eine größere Shopping-Tour macht, mag vielleicht diesen lieber während des Sommers machen, wo oft mehr Lustlosigkeit am Markt herrscht.
In diesem Sinne: Allen Aktionären eine frohe und gute Saison! ;)
Ich bin kein Anlageberater. Die in diesem Text beschrieben Stategie entspricht meinem persönlichen Vorgehen und ist vielleicht nicht für Euch geeignet. Prüft daher jede Investition eigenständig gewissenhaft!