Gestern fing der Vorverkauf von der Petro Coin an, eben jenem venezulanischen Coin, der bereits seit einer Weile durchs Netz geistert und die Gemüter erhitzt. Nun ist es endlich soweit und das sozialistische Venuzuela beginnt mit dem Verkauf. Und natürlich möchte ich auch einmal meinen Senf dazu geben.
Die Idee hinter der Coin ist, dass jeder Token durch einen Barrel Oil gedeckt wird. Immerhin 100 Millionen Token möchte man so an den Mann bringen, wobei der Staat selbst 17,6 Millionen selbst halten möchte. Die Regierung selbst steckt hinter diesem Projekt und verkündet, dass es sich um nichts anderes handelt als den Weg der Republik in den Wohlstand. Da bekommt man natürlich als Kryptofand leuchtende Augen. Wohlstand für alle und ein Staat, der sich auf die Reise ins Cryptoversum macht. Was will man den mehr?
Wer nun ebenfalls begeistert ist und nun seine Bitcoin zücken will, wird vermutlich erst einmal irritiert sein, dass man diese auf der Gegenseite gar nicht haben will. Vielmehr bietet man die Tokens nur gegen harte Währung an. Hierbei wird übrigens primär an US-Dollar gedacht und nicht dem heimischen Bolivar dem scheinbar die eigene Regierung nicht über den Weg traut.
Bereits der Blick ins Whitepaper hinterlässt einem mit einigen Fragen. Alleine die Diskussion darüber, ob das Token nun auf NEM oder ERC20 veröffentlicht wird, scheint noch nicht ganz geklärt zu sein. Während der Petro auf dem NEM aufbauen soll, werden die Tokens in ERC20 veröffentlicht? Und dann? Irgendwann umgetauscht? Eigentlich ist ja bereits dies der Moment, wo man das Whitepaper wieder schließen sollte und sich lieber wichtigen Dingen zuwenden sollte. Den ein Whitepaper in dem Verwirrungen entstehen ist in den seltensten Fällen etwas wert.
Wieso soll man sich überhaupt diese Währung zulegen. Damit man dann seine Petros irgendwann gegen 159l Rohöl eintauschen kann? Und dann? Steht eine Tonne davon irgendwo in Venezuela herum? In einem sozialistischen Land, dass kurz vor dem Zusammenbruch und Kollaps steht? Nicht falsch verstehen! Ich will keineswegs sagen, dass ich dem Land wegen seiner anderen Gesellschaftsform misstraue, selbst wenn diese dem Eigentum eher skeptisch gegenüber steht. Es ist ein Land, dass kurz vor dem Kollaps steht ...
Selbst wenn diese Regierung dann noch in ein paar Jahren zu ihrem Wort stehen sollte und wirklich die Tonne schützt, wieso soll man notfalls in den Besitz dieser kommen? Und selbst wenn DHL mir dir die Tonne vor die Tür liefert, was soll ich dann mit Rohöl, dass ich nicht einmal in den Wagen reinkriegen würde? Da hilft es auch nicht, dass irgendwie ein kurioses Staking-Konzept dahinter steht. Den wieso soll durch Staken irgendwo ein neuer Barrel entstehen?
Grundsätzlich halte ich nicht viel von den Blockchains, die durch irgend etwas gedeckt werden. Die Idee dahinter ist sicherlich irgendwo nett einen Wert hinter den Token zu stellen. Sei dies nun US-Dollar, Gold oder wie hier eben Öl. Es ist eine gute Idee einen solchen Wert dahinter zu stecken. Doch dies hat immer nur dann einen Wert, wenn der rechtliche Zugriff darauf garantiert ist. Schaut man sich den Streit der um den Tether ausgebrochen ist an, sieht man wie schwer dies selbst im US-Raum ist zu belegen, ob eine entsprechend reiche Deckung überhaupt existiert.
Und wenn der Zugriff darauf schon unklar ist, was für einen Vorteil bringt mir ein solches Token, gegenüber einem normalen Termingeschäft? Gerade als Deutscher wäre mir eine Einnahme durch eine Verbriefung von Öl wesentlich lieber als eben ein privates Veräußerungsgeschäft. Den der Handel von eben diesen Papier an der Börse ist auch in der heutigen Zeit kein echter Nachteil mehr.
So sehr wie ich es begrüße, dass Staaten sich in diese Technologie einbringen. So sehr wie ich es der Venezulanischen Bevölkerung gönnen würde zu Wohlstand zu kommen. Als Investor kann ich vor diesem Coin nur warnen, da ich keinerlei Vorteile darin sehe. Zumal ich als Privatperson einem Handel am Ölmarkt wirklich niemanden überhaupt ans Herz legen würde.
Und wir befinden uns hier immer noch im Best Case Szenario! Den sollte die sozialistische Regierung einfach nur einen Weg suchen um den bankrotten Staat durch ein paar ausländische Devision zu retten, dann ist das eigene Geld sehr fix weg. Mal ganz davon abgesehen, dass die nachfolgende Regierung vielleicht gar nicht mehr an die Zugeständnisse der Vorgänger gebunden fühlt. Und sei es nur um ein Exempel zu statuieren!
Also Finger weg! Der Kryptomarkt ist für sich alleine genommen bereits heiß genug.