Fast sechs Jahre habe ich davon nix hören wollen. Immer wieder schob ich das Thema erfolgreich von mir weg.
Meine Familie und Freunde sagten oft zu mir: Dass kannst du am besten! Leider drangen ihre Worte nicht bis zu mir durch. Bis vor kurzem...
Eigentlich begann alles mit der Geschichte vor neun Jahren, als ich arbeitslos war.
Ich wollte was Neues machen und wusste nicht was. Ich ließ mich anschließend vom Leben an meinen Platz führen.
Einmal im Quartal fragte mich meine Sachbearbeiterin hartnäckig: Ich habe eine Ausbildung zur Pflegeassistentin für Demenzerkrankte anzubieten.
Nein, nein, nein schrie alles in mir. Was soll ich denn damit anfangen? Ich wollte nie mit schwerkranken Menschen arbeiten. Meine Berührungsängste waren viel zu groß, als das ich mich über dieses Angebot gefreut hätte.
Dann kam der Winter. Ich wusste, dass es in dieser Jahreszeit schwerer sein wird eine neue Arbeit zu finden. Und auch wenn ich die Ausbildung abgetan hatte, bewegte sie sich in meinem Kopf weiter. „Wie überbrücke ich diese schwierige Zeit“, fragte ich mich damals.
„Gut, ich mache die Ausbildung“, hatte ich das tatsächlich gesagt?
Noch während meiner Ausbildung wurde ich von der Diakonie angerufen. Ich sah das als ein Zeichen des Lebens. Oder war es eine notgedrungene Entscheidung?
Ich begann 2010 halbtags als soziale Betreuerin im Altenpflegeheim. Wenn ich jetzt beim schreiben in mich gehe und mich gedanklich in jene Zeit zurück versetze, fällt mir wieder ein, mit welchen großen Ideen, Visionen und Idealen ich damals anfing. Im ersten Jahr war alles neu, aufregend, machte mir sehr viel Spaß und erfüllte mich.
Doch natürlich gab es auch Aspekte, die mich ärgerten. Der Beruf des Altenpflegers oder Betreuung wird meiner Meinung nach kaum geschätzt noch gefördert. Das wollte ich ändern, denn mit dem bissen Gehalt konnte es nicht weiter gehen. Ich versprach mir Besserung durch meine private Ausbildung zum Life Integral Consultant.
Voller Energie und Freude bin ich vor vier Jahren in mein Business kraftvolle Weiblichkeit gestartet. Stark wie ein Baum fühlte ich mich und wollte Berge versetzen.
Doch das naheliegende war mich zu nah. Ich sah es nicht. Oder wollte es nicht sehen?
Ich strengte mich an. Postet und schrieb Artikel wie ein Weltmeister. Ich nahm Interviews auf. Doch mein erhoffter Erfolg blieb aus und die Kraft ließ immer mehr nach. Heute könnte ich keine Bäume mehr ausreißen. Ich komme ja nicht einmal auf einen grünen Zweig.
Was jetzt liebes Leben? Bleiben oder die Tür hinter mir schließen?, fragte ich mich seit einem Jahr immer wieder.
Das Leben ließ mich nicht im Stich. Vor kurzem bekam ich von einer Freundin einen Buchtip „ Die Kunst, seine Kunden zu lieben.“
Das Buch und eine Übung darin, verändern gerade alles.
Ich erkenne was meinen Kunden wichtig ist und wo der Schuh drückt. Eine komplett neue Zielgruppe kristallisiert sich gerade heraus. Das erste mal seit vielen Jahren öffnet sich mein Geist für die Dinge, die ich nie hören wollte. Mir fällt auf, dass mich Freunde bereits um Beistand und Unterstützung baten und mir das ganz leicht von der Hand ging.
Was wäre, wenn das mein Weg ist?, fange ich an zu hinterfragen.
Jetzt macht es mir Angst mich nur auf eine spezielle Gruppe an Menschen zu fokussieren. Waren meine letzten fünf Jahre für die Katz? Grabe ich mir nicht selber das Wasser ab, wenn meine Coachingangebote für eine kleine Gruppe an Menschen ist? Wahrscheinlich habe ich gerade genauso viel Angst, wie Kinder die die Demenzdiagnose ihrer Eltern bekommen. In den meisten Fällen wissen sie erst einmal auch nicht wie es weiter gehen soll.
Mein Fachwissen, mein großes Mitgefühl und Verständnis signalisieren den Angehörigen in dieser außergewöhnlichen Situation Halt und Sicherheit. Das Herz wird nicht dement. Ich mache Mut und inspiriere Angehörige, der Herausforderung ins Auge zu schauen und sie als Chance zu begreifen. Selbstliebe ist der Schlüssel dabei.