Isabella Klais / Aufbruch - Wir für Deutschland!
Wieviel Abweichung vom Programm ihrer Partei können Politiker sich leisten ohne Glaubwürdigkeitsverlust? Müssen Politiker ihren politischen Maximen auch privat gerecht werden? Mit anderen Worten: Wieviel Janusköpfigkeit verträgt die politische Positionierung, ehe sie als Konstrukt in sich zusammenfällt und erkennen läßt, daß es dem Betreffenden nur um die eigene Profilierung und den eigenen Profit geht, daß er womöglich ein von Gegnern eingekauftes Torpedo in der eigenen Partei darstellt?
Schon über Helmut Schmidt war seinerzeit oft vom „richtigen Mann in der falschen Partei“ die Rede.
Je größer eine Partei ist, umso eher bilden sich in ihr „Flügel“ heraus, die am äußersten Rand häufig mehr Gemeinsamkeiten mit der Opposition aufweisen, als mit dem diametral entgegengesetzten eigenen Flügel. Da bei einer Parteimitgliedschaft selten eine 100%ige Übereinstimmung mit dem Parteiprogramm in restlos allen seinen Punkten besteht, kommt es immer darauf an, daß die großen Linien mitgetragen werden. Gegebenenfalls erscheint es auch sinnvoll und legitim, die Veränderung einer Partei in bestimmten Themenbereichen von innen heraus anzustreben. Letzteres verspricht nur Erfolg mit einer nicht ganz unerheblichen Anzahl von Gleichgesinnten. Einzelkämpfer stehen dabei auf verlorenem Posten.
Letztlich wird nur der Einzelne gewichten können, welchen Grundsätzen für ihn politisch so überragende Bedeutung zukommt, daß sie eventuelle Divergenzen mit dem übrigen Parteiprogramm überlagern. Je offener, zahlreicher und substantieller die Unterschiede zu den offiziellen Parteipostulaten zu Tage treten, umso mehr bedarf die Aufrechterhaltung der Glaubwürdigkeit einer fundierten rechtfertigenden Erklärung für die Abweichung von der Parteilinie unter der weiteren Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft.
Thilo Sarrazin dürfte kaum noch eine plausible Erklärung für seine SPD-Mitgliedschaft liefern können. Gleiches gilt für Wolfgang Bosbach, Hans-Georg Maaßen, Rainer Wendt und viele andere aus der CDU.
Eine weitere Frage betrifft das Privatleben. Wie verträgt es sich mit der Glaubwürdigkeit eines Politikers, wenn er privat das genaue Gegenteil lebt von seiner, bzw. der politischen Position der Partei?
Alice Weidel wohnt bisher noch im Ausland (Bienne/ Biel in der Schweiz).
Schon dies wirft Zweifel auf, ob ein Politiker die Belange eines Staates vertreten kann, in dem er nur Teilzeitbürger ist. Es gibt Staaten, in denen es wegen existentieller Bedrohung Oppositioneller nicht anders möglich ist. Deutschland gehört - einstweilen noch - nicht dazu, auch wenn hier bereits äußerst bedenkliche Entwicklungen zu verzeichnen sind. Wenn man die Lebenswirklichkeit eines Landes nur aus der Gastperspektive erlebt und sich ihr ansonsten weitgehend entzieht, fehlt es an der Solidarität mit den Bürgern, die man repräsentieren will, ohne repräsentativ für sie zu sein.
Weidel ist verpartnert mit einer Frau aus Sri Lanka. Mit ihr und deren beiden Söhnen frequentiert sie an ihrem ausländischen Wohnort ein linkes Kulturmilieu und bewegt sich privat in dortigen Flüchtlingskreisen. Mit der rechtlich fragwürdigen Beschäftigung von Personen aus diesem Umfeld in ihrem Haushalt, die sie mit „Freundschaftsdiensten auf Gegenseitigkeitsbasis“ zu entkräften suchte, begab sie sich in gefährliche Fahrwasser.
Während die private Partnerschaft auf schicksalhafter subjektiver Neigung beruht, die wenig beeinflußbar ist, sieht es bei der Wahl des gesellschaftlichen Umganges anders aus - erst recht, wenn Strukturen gefördert werden, die politisch von Weidel, zumindest verbal, bekämpft werden. In der Schweiz unterstützt sie eine Entwicklung, die sie in Deutschland vorgeblich ablehnt. Ihr Gastland dürfte das nicht erfreuen. Dort mag man sich damit abgefunden haben, das "Rätsel Alice Weidel" nicht lösen zu können. In Deutschland aber muß man ihm schon auf den Grund gehen.
Die Widersprüche zeugen von einer nicht von Überzeugung getragenen politischen Gesinnung. Das „Rätsel“ ist an sich nicht schwierig zu lösen. Hier wird ein bezahlter Job erledigt. Das erklärt die verschiedenen Gesichter von Weidel: einerseits das eines von der CDU in der AfD platzierten U-Bootes, und andererseits das wahre, mithin private. Im Dienst spielt sie eine Rolle, die sie danach ablegt.
Sicher weist jede Person unterschiedliche Facetten auf. Es gibt jedoch Grenzen der Dehnbarkeit einer Überzeugung, jenseits derer Beliebigkeit eintritt und man von Charakterlosigkeit sprechen muß. Dann ist es nur noch eine Frage des Preises, welche Position vertreten wird.
Weidel gehört definitiv in diese Kategorie. Ihr Auftraggeber hat nun den Umzug nach Berlin angeordnet; von Freiwilligkeit keine Spur! Das ist eine Frage der Opportunität und der Kontrolle. Die Brüche dürfen schließlich nicht allzu offensichtlich werden, ehe noch jemand dahinter kommt.
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/alice-weidel-kehrt-freiwillig-zurück/ar-BBQ0kSn?MSCC=1542977822&ocid=spartandhp
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