Wie ich ja schon geschrieben habe, treibt mich an Praktikumstagen die Pflicht um 4 Uhr aus dem Hause. Da momentan die Sonne jeden Tag ein bißchen früher aufgeht, lohnt es sich tatsächlich auch schon, dann das Haus zu verlassen und die nächsten ein bis eineinhalb Stunden die Natur zu beobachten.
Normalerweise nehme ich dann den Bus um 4.22 Uhr. Dieser fuhr mir nun am Dienstagmorgen vor der Nase weg, er war eine Minute zu früh und ich wegen eines Steines im Schuh gerade mal pünktlich.
Ich mußte also 20 Minuten warten, bis er wieder vorbeikam, und konnte in der Zwischenzeit beobachten, wie sich der Morgennebel auf dem Feld aufbaute. Einen halben Meter hoch vielleicht.
Dann kam wiederum sehr pünktlich der Bus, auch die Bahn, in die ich umstieg, war pünktlich. Ich fahre etwa eine Viertelstunde und habe in der Zeit wiederum aus dem Fenster geschaut anstatt ins Buch. Inzwischen war der Himmel komplett hell und fing an, sich teilweise rosa zu verfärben. Einfach toll. Und der Nebel auf den Feldern, die zu sehen waren, nahm noch zu, wurde teilweise bis zu zwei Meter hoch. Kronen von Bäumen und Sträuchern ragen dann wie Geister aus dem Nebelsee. Einfach magisch!
Am Zielbahnhof, an dem ich wiederum in einen Bus umsteige, ist eine gelbe Katze mit mittellangem Fell unterwegs. Vielleicht hat sie ein paar Gene von einer Maine Coon oder einer Norwegischen Waldkatze geerbt. Es ist also eine schöne Katze (oder ein schöner Kater). Das Tier war am Sonntagmorgen schon an der Station gewesen und zutraulich genug, um nach ein paar Rufen zu mir zu kommen und sich streicheln zu lassen.
Jetzt, am Dienstagmorgen war für das Streicheln keine Zeit. Die Katze saß am Rand der Treppe auf einer Stufe, aufmerksam schauend - neben den Stufen, die zur Unterführung führen, hockte eine Maus und irgendwie warteten beide ab, was der andere als nächstes tun würde.
Nun ist dieser Treppenaufgang durch Wände und großflächige Fenster von den Gleisen getrennt. Vor den Fenster ist innen noch eine Art Fenstersims und die Katze, die jetzt vielleicht doch auf Aufmerksamkeit durch die Menschen hoffte, kletterte auf den Sims. Diesen Moment nutzte die Maus, um schnell um die Ecke Richtung Gleis zu schlüpfen.
Aber die Katze hatte die Maus gar nicht aus den Augen gelassen und sprang ihr nun ebenso schnell hinterher, wie ein orangener Blitz.
Da beide damit aus dem Blickfeld waren, bin ich dann weitergegangen.
Die Vögel sind um diese Uhrzeiten eher zu hören als zu sehen, aber zwischen 5 Uhr und 5.30 Uhr nimmt das fast schlagartig ab. Dafür kommen dann die Tauben raus. Zwei davon konnte ich auf den letzten Metern zur Wache noch beobachten: ein kräftiges Männchen und ein zierliches Weibchen. Er versuchte, sie zu umgarnen, sie hat sich keinen Deut darum geschert. Und da dachte ich einen Moment lang, es ist doch wie bei den Menschen.
So kam ich dann relativ beschwingt bei der Rettungswache an, denn ich hatte ja schon schönes erlebt.