Die Norddeutschen, jeder hat von ihnen gehört. Mürrisch, unfreundlich, kühl und ehrlich wird uns sehr gern nachgesagt. Aber stimmt das auch oder wird man hier in einer Klischeefalle gelockt? Deswegen hier mein zweiter Beitrag zum Überleben in Norddeutschland.
Die Idee
Jeder der seinen Urlaub plant, steht immer wieder aufs Neue vor der Frage, wo es denn hingehen soll. All Inclusive Hotel in Spanien, Skifahrern in den Alpen oder das Wellness Deluxeprogramm im Schwarzwald? Alles schon da gewesen. Diesmal soll es richtig krass werden: „Die Nordsee“.
In freudiger Erwartung auf den Jahresurlaub, mahlt man sich seine freie Zeit mit seinen liebsten en détail aus. Dösen am Strand, baden im salzigen kühlen Nass, leckere Fischbrötchen und das ganze bei schönster Norddeutscher Schweigsamkeit. Jedoch holt einen die Realität schneller ein als einem lieb ist.
Die Anreise
Im voll bepackten Familienbomber, geht es über endlos lange Autobahnen quer durchs ganze Land. Schon bevor man die magische Flachlandgrenze bei Hannover erreicht hat, wurde man bereits in den Kasseler Bergen geblitzt. Dabei war es doch nur das Ziel, möglichst schnell die ausgewählte Erholungsoase zu erreichen. Die A7 ist eine Dauerbaustelle mit epischen Ausmaßen und wer versucht durch den Elbtunnel zu gelangen, muss sich mit Horden von wütenden Verkehrsteilnehmern durch einen nicht enden wollenden Stau quälen. Wer so das Ziel der Reise letztendlich erreicht hat, muss sich auch nicht mehr um zu niedrigen Blutdruck kümmern.
Vor Ort
Der erste Tag.
Sonnenschein, Heiterkeit und eine leichte salzige Briese im Haar. Hatte man sich ja wochenlang so vorgestellt. Jedoch hält die einsetzende Realität einen ganz besonderen Tiefschlag für einen Bereit. Die Sonne scheint grau und nass vom Himmel (wie fast immer) und dass was die Einheimischen als leichte Brise betiteln, ist zu einem ausgewachsenen Sturm geworden, welcher den Schafen die Locken glattzieht. Ja der Wind, der kommt immer von vorne. Man steigt aus dem Auto aus, der Wind drückt einem ins Gesicht, auf dem Weg zum Hotel, wind von Vorn. Um drei Ecken gegangen, jedes Mal kommt der Wind von … ach sie wissen es doch bereits. Nachdem man dann endlich die Rezeption des Hotels erreicht hat und zur Begrüßung anmerkt, wie wundervoll und idyllisch das Wetter doch sei, bläst einem nur ein dumpfes „Jo“ ins Gesicht.
Der zweite Tag.
Der Schock der Anreise ist verdaut und allen Erwartungen zu trotz, scheint die Sonne so, wie man das als „normaler“ Mensch gewohnt ist. Die Freude ist groß und es wird alles für einen schönen Tag am Strand gepackt. Sonnencreme, Handtuch, Badehose, ein gutes Buch und etwas Kleingeld. Die kleine Reise zum salzigen Nass kann beginnen. Man wandert frohen Mutes 3 Km lang durch wunderschöne Dünen und wenn man die letzte Böschung erklommen hat und sich so richtig auf das Meer freut, NICHTS! Das einzige was sich einem bietet, sind endlos anmutende Schlammlandschaften. Frust baut sich auf, aber man ist ja nicht so weit gewandert um jetzt kehrt zu machen. Beim weitertrödeln sieht man noch ein Schild:
Baden außerhalb der Badezeiten verboten!
Darunter sind noch die aktuellen Badezeiten mit krakeliger Schrift eingetragen. Irgendetwas zwischen 22 Uhr und 23:30 Uhr. Doch die Hoffnung ist eh nicht mehr allzu groß, das Meer zu finden.
Jetzt muss ein neuer Plan her: Fischbrötchen. Darauf freute man sich am meisten. Schön mit allem was dazu gehört. Salat, Zwiebeln, Remoulade und das ganze zusammen mit einem fetten Bismarckhering. Oh ja, da läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Schnell zur nächsten Fischbude, um vom lokalen Fischhannes einen Traum im Teigmantel zu erwerben.
Sie: Servus, ich hätte gern ein …
Fischhannes: Moin.
Sie: Ähhhh, also ich hätte gern ein Fischbrötchen mit …
Fischhannes: Jo! Dat wollen sie alle.
Sie: … mit einem Bismarckhering.
Schweigen setzt ein. Das Rödeln in der Fischbude beginnt. Nach kurzer Zeit wird die begehrte Wahre gegen ein paar Münzen schweigsam ausgetauscht.
Nachdem man nun den Weg zum ersehnten Liegeplatz am Strand wiederaufgenommen hat, hört man in der Ferne ein lautes Schreien. Sie sind gekommen, die Piraten der Lüfte, die Räuber der See: Möwen! Ihr Ziel?! Das Fischbrötchen! Ein ganzer Schwarm von riesigen weißen Vögeln, fängt an einen zu umschwärmen. Es flattert, schreit und pickt auf das Brötchen ein. Voller Furcht lässt man die begehrte Beute fallen und ärgert sich grün und blau. Der Norddeutsche würde jetzt mit den Schultern zucken und sich ein neues Brötchen besorgen. Ist zwar blöd gelaufen, aber Hunger hat man ja immer noch.
Doch als guter Tourist hat man jetzt zu essen Frust im Bauch und verbringt seinen schönen Urlaubstag am furztrockenem Strand mit angrenzender Schlammlandschaft und denkt sich nur noch:
Deutschland deine Perle.
Bildquellen:
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Und aus meiner eigenen Nordseesammlung ;-)
Wie immer freue ich mich über Feedback jeder Art. Wenn jemand lieber mit mir persönlich schreiben möchte, kann man mich gut im D-A-CH Discord finden.