zum Thema Paradigmen, was unsere Weltbilder sind, diese heiligen Wahrheiten, brachte mich dazu meine bisherige Literatur-Liste zu bilanzieren.
Die betsen Paradigmen-Brecher
Fangen wir mit den Pragmatikern und der Kontext-Literatur an. Bedingung ist ca. eine Milliarde und mehr an Netto-Wert, statistische Signifikanz (=den Markt über mindestens 15 besser 20-30Jahre zu schlagen), eine Akzeptanz sowohl in der Investmentszene als auch der Wissenschaftswelt oder der historische Bezug. Sry Robert Kyosaki, Tony Robins und wie ihr nicht alle heißt, ihr bleibt draußen aus dieser Liste.
Das allgemeine Modell der Welt, geht von einem Zeitvektor aus. Wir bewegen uns unentwegt in Richtung Zukunft. Die Zukunft wird als etwas statisches angesehen, unabhängig davon, ob deterministisch oder zufällig. Also entweder liegt sie vorgefertigt auf dem Zeitstrahl oder sie liegt in einem Möglichkeitenraum. Auf jeden Fall liegt sie vor uns.
In sozialen Systemen, das sind Systeme mit denkenden Teilnehmern, da ist es jedoch etwas anders. Sobald man selbst Teil der Situation ist über dessen Ausgang/Zukunft man eine Aussage trifft, beeinflusst man im Moment der Aussage die Zukunft. Je größer der Einfluss eines Teilnehmers auf andere Teilnehmer, desto größer der Impact. Sagt Waren Buffet "der Bitcoin-Preis steigt auf 30.000 ende des Jahres", so ist es nicht unwahrscheinlich, dass dies über den Band-Wagon-Effekt zu einer selbst-erfüllenden-Prophezeihung wird (beides Konzepte nach Merton). Dieses Problem welches auch in der Wissenschaft ein Problem ist, nennt man Reflexivität nach Karl Popper. Der Investment Milliardär George Soros wiederum, kam als Schüler Poppers auf die Reflexivität der Märkte, wo dies logischerweise auch eine Rolle spielen muss. Als Investor brach er dieses Paradigma und ist seit je her einer der erfolgreichsten Hedgefond-Manager, wenn nicht sogar der erfolgreichste der Geschichte.
Das Hörbuch gibt es auf Youtube, das Buch an sich braucht man nicht lesen um das Modell zu verstehen. Es ist inhaltlich extrem theoretisch und Philosophie Lektüre. So krass Soros Skills sind, er startete seinen ersten Hedgefond mit 6 Millionen Pfund.
Die psychologische Dimension. Charly Munger ist Vertreter des interdisziplinären Ansatzes: "die wichtigsten Kern-Modelle der Naturwissenschaften nehmen und auf die eigene Investmentphilosophie anwenden" Dabei pocht er auf die Fehleranfälligkeit des Menschen durch kognitive Verzerrungen, Bias genannt. Bias sind der Feind der Wissenschaft. Bias halten uns ab logisch richtige Entscheidungen zu treffen. (siehe Daniel Kaneman und Tversky)
Munger selbst hat zwei Bücher deren Inhalte von ihm sind. 1. Poor Charlys Almanack und 2. Seeking Wisdom. Beide sind auf Kernprinzipien seiner Investment-Philosophie reduziert und ersteres erzählt dabei autobiographisch die Story von Buffet und Munger...die nicht ganz so sauber ist wie die meisten meinen. Viel Vitamin B, viel Skrupelosigkeit bei ihren Cigar-Butt-Geschäften und sehr großes Startkapital. Pappi-Buffets Arzt-Freund machte auf einer Party mal eben 100.000$ locker damit Buffet junior seine Skills beweisen kann...das entspricht heute eher knapp einer Million.
Charly konnte als Kriegsveteran nach dem Krieg durch den GI-Bill kostenlos an jeder Uni und soviel studieren wie er wollte. Er studierte etwas Mathe, Meteorologie (Modell-Vorhersage) und an der Harvard Uni Jura, nahm auch viele weitere Fortbildungsscheine mit. Als er bei Buffet einstieg, hatte Charlie bereits viele Millionen Dollar. Angefangen hatte er mit 300.000 Dollar welcher er aus Zehn Jahren langer Arbeit als Jurist angespart hatte.
Howard Marks (nein nicht der Drogen Baron obwohl auch dieser Philosophie und Physik studierte :D) Forbes 400 Milliardär und Leiter von Oaktree-Capital baut seine Investmentphilosophie wie auch Buffet und Munger auf Vermeidung eines Ruin Ereignisses/Blowups auf. Das bedeutet niemals in die Top-5% des Jahres kommen zu wollen, sondern immer im oberen Drittel zu liegen und dadurch auf lange Sicht dauerhaft in den Top 5% der Welt zu sein.
Er baut auf Heuristiken (einfache mentale Modelle) und die Arbeiten von Risiko-Experten wie Taleb. Kein revolutionäres Werk aber neben seinen jährlich veröffentlichten Memos eine extrem zugängliche Erklärung von komplizierten mathematischen Begebenheiten im Bereich des Risiko-Managements. Die Co-Authoren sind ebenfalls Milliardäre :D. Sein Googletalk komprimiert das Buch gut.
Talebs Incerto Reihe
Vor allem The Black Swan und Anti-Fragile sind prinzipiell "must-reads". Nur was bringt es diese Bücher zu lesen, wenn man die Basis nicht hat. Ich denke mit Talebs ("unnötig beleidigenden" :D) Vorlesungen ist man erstmal besser bedient. Es geht hierbei um das Problem mit dem Unvorhersagbaren umzugehen. Taleb genießt unter Intellektuellen, Nobelpreisträgern und Investoren hohes Ansehen. Darunter sind auch Genies wie Bernoit Mandelbrot und Daniel Kaneman, beides Freunde Talebs. Talebs selbst ist nicht nur Wissenschaftler sondern vor allem erfolgreicher Option-Trader (Multi-Millionär, und in einige Milliarden Hedgefunds eingebunden). Er sagte zusammen mit Mandelbrot u.a. den 2008 Crash voraus und machte dort einen Großteil seines Vermögens. Die Prinzipien der Anti-Fragilität und der Schwarzen Schwäne sind universell und gehören in die Domain der Wahrscheinlichkeitstheorie. Mit dem selben Prinzip durch welches ein Körper unter positivem Stress stärker wird würde auch ein Portfolio stärker werden. Mittlerweile findet Talebs Heuristik Weltweit im Finanzbereich Anwendung und hat Markowitz Nobelpreis-gekrönte Portfoliotheorie verdrängt (ein altes Paradigma welche mit noch so viel Diversifizierung den System-Kollaps nicht verhindern konnte). Die bei Laien leider immer noch in den Köpfen rumgeistert.
Ed Thorp. Dieser Mann ist mehr als verstörend. Ihr kennt den Hollywood Film in dem das MIT-Blackjack-Squat das Blackjack-Spiel hackt und damit die Casinos in Las-Vegas abzockt? Thorp war der Pionier im Bereich der Kartenzähltechniken und zockte im Namen der Wissenschaft etliche Casinos ab, was ihn natürlich des öfteren in Lebensgefahr brachte. Er entwickelte zu dem den ersten Tragbaren Computer, welcher es ermöglichte Vorhersagen im Roulett-Spiel zu ermöglichen. (ja was manche alles so können :D) Später versuchte er sich an Aktien und ist heute erfolgreicher Hedgefondmanager. Er schlug den Markt über knapp 30 Jahre hinweg um 20% und zählt somit zu den erfolgreichsten Investoren der Geschichte.
Seine Strategie ist relativ kompliziert und baut auf dem Kelly-Criterion auf. Nichts für mich
Aber auch ganz alte Schinken wie Ben Grahams Bücher oder gar jene Literatur welche die großen Investoren in ihrer Jugend verkonsumierten, Dale Carnegie oder gar der ganze okkulte Kram welcher neben den Selfmanagement-Kursen Anfang des 20. Jahrhunderts modern waren, werden gern mal übersehen. Beispiele sind das Master-Key-System und das Kybalion.
In beiden geht es wies damals angesagt war, um Paradigmen-Bruch. Weg von der Newtonschen Welt hin in die damals aufkommende Quantenwelt, wo man sein eigenes Schicksal formen kann, wo Gedanken und Filter modifiziert werden müssen. Ich denke als inspirativer Impuls um ein Gefühl für das Mindset der frühen Studenten zu bekommen, ist es ganz nett.
Weitere Tipps sind immer gern gesehen. Wenn ihr ein Buch habt, was eure Sichtweise auf die Welt komplett auf den Kopf stellte, dann raus mit der Info :D