- HANOI -
Nach dem kurzen Aufenthalt in Thailand ging es direkt nach Hanoi. Der Plan war das Land von Nord nach Süd zu durchqueren. Durch die spezielle geografische Form des Landes ist das auch die offensichtliche Idee. Somit startete die Reise in der Hauptstadt von Vietnam.
Ein Schwarm von Zweitaktern
Ich glaube das was man so ziemlich als aller Erstes feststellen wird sind die ganzen Mopeds. Diese sind überall. Überall. Auf den Straßen fahren drei Mopeds parallel auf einer Spur oder gar auf der falschen Spur. Transportiert wird einfach alles, als würde es das Gesetz der Schwerkraft nicht geben. Mehrere Drucker auf einmal, der neue 4K-Fernseher oder einfach gleich die vierköpfige Familie für einen Ausflug mitnehmen. Nichts scheint unmöglich, nichts scheint illegal. Wobei es sogar eine Helmpflicht gibt, die teilweise sehr kreative Erscheinungen hervorbringt. Bauarbeiterhelme oder Metallobjektive die eher wie ein Küchenutensil wirken. Der Großteil der Bevölkerung fährt sowieso ohne Helm, das Gesetz wird ja sowieso nicht exekutiert.
Zwar sind Mopeds so ziemlich überall weit verbreitet in Asien, jedoch ist in laut Statistik kaum wo anders schlimmer als in Hanoi. Auf die knapp 8 Millionen Einwohner kommen rund 6 Millionen Mopeds. Also so viele Einwohner wie mein ganzes Heimatland hat. Der hohe Anklang der Mopeds liegt Großteils an der exorbitanten Steuer die die Regierung auf Autos einhebt. So kann sich niemand, außer die Oberschicht, Autos leisten. Da nimmt man halt lieber einen Zweitakter und wird etwas kreativ.
Gehsteige für alles, außer zum gehen
Der Verkehr alleine für sich ist ja nicht so schlimm. Jedoch gehört es anscheinend zu der Pflicht jedes Einwohners von Hanoi während einer Mopedfahrt alle 2.47 Sekunden die Hupe zu betätigen. Dementsprechend ist die Akustik in der Stadt unglaublich laut. Mit Lautstärke hat man natürlich in anderen Großstädten auch zu kämpfen, jedoch kann man sich da öfters in Fußgängerzonen oder in die Innenstadt retten wo oft keine Fahrzeuge erlaubt sind. Dies ist jedoch in Hanoi nicht der Fall. Wenn es von den geometrischen Abmessungen möglich ist das ein Moped einen Weg passiert, dann wird dort auch ein Moped durchfahren.
Es ist auch völlig egal ob es sich um einen Gehsteig handelt. Wenn man wegen langsamen Fußgängern mit seinem Moped nicht voran kommt wird gehupt. Am Gehsteig ist generell immer recht viel los. Es wird gekocht, mit offenen Feuer gegrillt, Tiere geschlachtet und ausgenommen, Karten gespielt oder Geschirr gewaschen. Dieses bunte Treiben empfand ich als absolut spannend zu beobachten. Wie ein kleiner Mikrokosmos der täglich in der Früh von neuen beginnt.
Dies wird wiederum auch sehr kreativ genutzt. Man hänge einen Spiegel an einen Zaun und stelle einen Sessel darunter: Fertig ist der Frisörladen:
Interessantes Chaos
Ich habe in Hanoi tatsächlich kein typisches Sightseeing betrieben. Dazu empfand ich das tagtägliche Chaos selbst schon interessant genug. Vor allem das marschieren durch die Innenstadt brachte mir viele Eindrücke die ich noch gar nicht kannte. Da war zum Beispiel das Essen. Mit in der Innenstadt einer mehrfachen Millionenstadt, trotzdem gab es in jeder Straße unzählige Stände die Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch oder andere Produkte verkauften. Richtige Supermärke habe ich im Grunde nie gesehen. Selbstverständlich waren die hygienischen Standards nicht unbedingt auf europäischen Niveau. Fleisch hat man zwangsweise gemeinsam mit den Fliegen gekauft, immerhin liegt es ja auch stundenlang bei 30°C in der Sonne. Achja, frittierte Hunde als ganzes sind ja im Norden auch etwas völlig Normales. Das hatte ich zu vor auch noch nie gesehen.
Es ist für mich tatsächlich schwer zu erklären wie Hanoi auf mich wirkte und warum es mir gefiel. Meiner Kollegin hat es, wegen unglaublichen Lärms, dem Schmutz und den verrückten Verkehr nicht so sehr gefallen. Ich mochte es teilweise genau deswegen. Es war in so vielen Hinsichten einfach genau das Gegenteil von einer europäischen Stadt und auch noch viel chaotischer als Bangkok.
Das Chaos ist ja auch nur eine Frage der Betrachtung. Ich habe die ganzen Tage keinen Autounfall (eher Mopedunfall) oder ähnliches gesehen, obwohl der Verkehr so intensiv war. Die Tatsache das ich lokales frisches Obst/Gemüse an jeder Straßenecke direkt vom Bauern kaufen kann, hat es mir ebenfalls total angetan. Natürlich liegt überall Müll. Natürlich ist keiner darum bemüht etwas „ordentlich“ aussehen zu lassen. Es ist einem völlig egal, wenn durch den Hintergarten der Schnellzug durchfährt und man nebenbei Teller wäscht. Oder wenn man als Verkäuferin während der Arbeitszeit einfach schläft. Der Kunde wird einem ja schon aufwecken. Ihr System funktioniert für sie, und das hat mir so gefallen. Vor allem hat dabei jeder andauernd ein Lächeln aufgesetzt. Die Menschen sind glücklich. Dies wird auch von diversen Indexen bewiesen:
VIETNAM ranks fifth in the Happy Planet Index results, and second in the Asia Pacific region. This South-East Asian country, characterised by its mountains and tropical forests, has a strikingly low Ecological Footprint and economic output per head almost 24 times smaller than nearby Hong Kong. Vietnam is one of just three countries in the top ten Happy Planet Index rankings with an Ecological Footprint that is small enough to be considered environmentally sustainable. HappyPlanetIndex
Ich hoffe euch hat mein kleiner Beitrag zu Hanoi gefallen. Wie steht ihr zu solchen Großstädten: Liebe oder Ablehnung? Habt ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen? Ich würde mich über einen kleinen Austausch von Erfahrungen echt freuen.
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