"Eine Gesellschaft, die jeden dritten Menschen als zu dick einstuft, hat es verlernt, Körpergewicht als Stärke zu verstehen.
Während Magere ständig gefragt werden, ob sie nicht was essen wollten, schließlich würden sie es ja vertragen, werden wir so etwas Freundliches nie gefragt, dabei könnten wir es genauso vertragen. Aber von uns denkt man immer, wir wären schon satt. Bereits die Bezeichnung Übergewicht diskriminiert aufs Übelste, gerade so, als gäbe es ein verordnetes Idealgewicht, dem sich alle unterzuordnen haben. Natürlich ist die Gesellschaft nicht ganz unschuldig daran, dass die Leute so sind, denn der Sportlichkeitswahn ist Ausdruck einer militarisierten EU, die auf verteidigungsbereite knackige durchtrainierte Kämpfer setzt. Brauchen wir nicht, kriegen wir geschenkt. Deshalb ist es an der Zeit, uns gravitative Hochleister als eigenes Geschlecht anzuerkennen."
Aus der fabelhaften "Zellerzeitung", deren Besuch ich nur nachdrücklich empfehlen kann. Voller absurder sprachlich kreativer Kleinmeldungen, im Telegrammstil von Zeitungen, mit übertriebener politischer Korrektheit, die aber ins Absurde abgleitet und damit die Irrwitzigkeit der deutschen Gesellschaft mitsamt ihrer journalistischer Sprachmanipulationen treffend aufzeigt.