Manchmal kann Deutschland wirklich lustig sein, oder vielleicht sollte ich besser den Ausdruck lächerlich benutzen. Land auf und Land ab posaunen die Leute alle möglichen Parolen heraus und selbst dann, wenn ihnen keiner zuhören will, versuchen sie, sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Hilfreich hierfür sind Aufkleber und Poster aller Art, mit denen gerne die Städte und Gemeinden verschönert werden sollen.
Jeder hat was zu sagen, und will sich unbedingt mitteilen. Manche machen am Ende zum Glück nur Spaß, aber andere meinen es dann leider wirklich ernst mit dem, was sie von sich geben. Nun ja, auch wenn man gerne darüber lachen würde, bleibt einem aus Fassungslosigkeit dieses Lachen leider immer wieder im Halse stecken.
Ich gegen dich, und wir gegen alle. Und alle gegen den Rest der Welt und das gesamte Universum. Stimmst du nicht mit mir ein, dann bist du gegen mich - doch bist du für mich, dann wechsel ich sofort die Seite.
Oben gegen unten, oder hinten gegen vorn? Meistens weiß man selber gar nicht, wo und für was man eigentlich stehen soll. Die Slogans wechseln täglich und sind austauschbar, wie die Farben und Fahnen, die man in den Wind hängt.
"Mach kaputt, was dich kaputt macht!" klingt besser als "Bau auf, bau auf, bau auf, bau auf!", und scheint vor allem mit weniger Anstrengung verbunden zu sein. Der Spaß an der Zerstörung und die Freude am Untergang überwiegen die Hoffnung auf Besserung und eine Zukunft, die man sich immer schon gewünscht hat.
Gemeinsam gegeneinander, und dann vereint dem Ende entgegen. Was könnte noch verlockender sein, als das Versprechen auf den Endsieg. Nur wie der dann letztendlich aussehen soll, darüber ist man sich noch nicht im Klaren. Hauptsache anders, und Hauptsache "Wir" und nicht "ihr" - alles andere wird sich schon zeigen. Wie man dahin kommt ist auch nicht so wichtig, so lange man einen anderen Weg nimmt als den, den bisher benutzt wurde. Links blinken und rechts fahren, oder auch gerne umgekehrt, in der Verwirrung liegt die fehlende Taktik, denn ohne logische Strategie fährt es sich einfach am besten.
Wahrscheinlich ist es auch gar nicht so wichtig, letztendlich irgendwo anzukommen. Immer in Bewegung bleiben und die Steine rollen lassen. Und hinter einem bleiben wenn möglich nur Trümmer und verbrannte Erde - oh, wie herrlich könnte doch das Paradies auf Erden sein.
Die Engel spielen Bassgitarre statt Harfe und von überall erklingen Posaunen und Pauken. Was für ein himmlisches Konzert man auf den Resten der eigenen Zivilisation doch geben könnte.
Gott und Teufel tanzen Polka, und giessen gemeinsam Öl ins Feuer. Wasser gibt es eh keins mehr, denn das wurde dazu verschwendet, endlich richtig reine zu machen. Den Zivilisationsdreck der letzten Jahrtausende wegzuspülen war ein Fest, so wunderbar, dass man davon noch bis zum Ende aller Tage sprechen und schwärmen wird. Wie herrlich ist es doch, wenn die Flammen immer höher schlagen und alles verschlingen und einem das Leben bis zum Hals steht.
Sich freizuschwimmen vermag keiner mehr, denn Schwimmen hat man ja nie gelernt - warum auch seine Zeit mit etwas Nützlichen und Hilfreichen vergeuden. Die Zeit kann man viel sinnvoller verwenden, es gibt doch noch viel zu viele Blumen, die ausgerissen werden müssen.
Wir wollen alles und das jetzt. Unser Morgen ist schon heute, und das lassen wir uns nicht nehmen. Weder von dir, noch von deiner Oma, die ja schon mal gar keine Ahnung hat, was gut für sie ist. Denn gestern war früher, und das vergessen wir lieber ganz schnell. Hier kommt die neue Zeit, die niemals zweifelt und auch nie Fehler macht. Denn wenn alles falsch ist, was angeblich nie richtig war, dann ist nun alles wahr und richtig, wenn wir es nur so wollen. Das Leben ist auf einmal so einfach und alles war nie klarer.
Der Kampf wider jede Struktur ist ein Fest, das niemals enden darf. Wir tanzen auch auf Friedhöfen und Schützengräben und zollen dabei nicht einmal uns selber Respekt. Warum auch, wähnen wir uns doch im Kampf gegen jegliche Werte, und planen solch falsche Freunde wie Wertschätzung und Hochachtung endlich zu Grabe zu tragen. Bald ist dann auch Schluss mit lustig, und mit allem anderen, was uns bestimmt hat. Die Lunte brennt bereits und der große Knall ist nicht aufzuhalten. Warum auch, es scheinen sich ja alle so sehr darauf zu freuen.
Aber wenn ihr euch dann irgendwann fragt, wie es so weit kommen konnte - wird es so sein wir immer: Am Ende will es auch diesmal keiner gewesen sein.