Das Untergeschoß des Bergfrieds steht schon
Die Burgbaustelle
Die sehr geschichtsträchtige "Burgenstadt" Friesach hat im Jahr 2009 mit einem sehr ehrgeizigen Bauprojekt begonnen: Sie will einzig mit den Bautechniken des Hochmittelalters eine komplett neue Burg errichten. Das gesamte Projekt ist eine Art "Labor für Experimentalgeschichte": Man versucht längst vergessene Techniken und Methoden anzuwenden, um neue Erkenntnisse über die Bautechnik im Mittelalter zu erlangen. Als Bauzeit sind etwa 30-40 Jahre eingeplant.
Die Burgbaustelle ist für Besucher zugänglich und man kann bei einer Führung das gesamte Bauareal erkunden, sowie den einzelnen Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.
Als Burgtyp wurde die für Österreich und besonders für Kärnten typische "Höhenburg" gewählt, außerdem orientiert man sich in Punkto Baustil an den Burgen in nächster Umgebung. Auf dem Plan oben sieht man eine Skizze, wie die Burg ungefähr aussehen soll, wenn sie fertig ist. Da der gesamte Bau aber ein einziger Prozess ist, kann sich noch so einiges ändern. Der Bergfried zum Beispiel wurde etwas anders gedreht, als auf der Skizze ursprünglich angedacht.
Ziel dieses Projekts ist das Bauen an sich: Man versucht herauszufinden, wie mit den Mitteln und dem Wissen des Mittelalters solche architektonischen Leistungen wie der Bau einer Burg möglich waren.
Blick auf den Burgberg und die Baustelle
Handwerksbetriebe
Sämtliche Baumaterialien und Werkzeuge für den Burgbau werden direkt vor Ort und ausschließlich mit mittelalterlichen Methoden hergestellt und produziert. Das macht die Ansiedlung einiger wichtiger Handwerksbetriebe, wie den Schmied, den Zimmermann oder den Steinmetz, nötig. In ihren Hütten stellen die Handwerker alles her, was für den Bau der Burg benötigt wird. Schwere Lasten, wie etwa die Steinblöcke für den Turm, werden mithilfe von Pferdefuhrwerken an die Baustelle gebracht.
Da man alle Produktionsvorgänge so nahe an der Zeit des Hochmittelalters halten möchte, wie möglich, und nur eine geringe Zahl an Arbeitern und Handwerkern vorhanden ist, dauert der Burgbau einige Jahrzehnte. Für die Besucher ist es aber sehr interessant, wenn sie hier Schritt für Schritt den gesamten Entstehungsprozess der Burg mitverfolgen und beobachten können.
Es folgt nun eine kleine Vorstellung der einzelnen Handwerksbetriebe, die am Burgbau beschäftigt sind:
Von links nach rechts: Sägewerk, Schmied, Holzlager, Zimmermannshütte
Der Zimmermann
Der Zimmermann ist für allerlei Holzarbeiten auf der Baustelle zuständig. Er fertigt Bretter und Holzbalken für die Gerüste an, zimmert die Dachstühle sowie die hölzernen Dachschindeln, oder produziert Holzbolzen, die eine gute Alternative zu den Eisennägeln darstellen.Der Schmied
Der Schmied stellt die verschiedensten Werkzeuge wie etwa Äxte, Zangen oder Beile her, sowie Nägel, Türscharniere und Hufeisen für die Pferde, die auf der Baustelle arbeiten. Insgesamt gibt es zwei große und einen kleinen Schmiedeofen auf der Baustelle. Auf dem Bild links wird gerade ein Scharnier zurechtgebogen.Der Steinmetz
Vom Steinbruch gelieferte Steine werden vom Steinmetz in mühseliger Arbeit zu etwa gleich großen Steinblöcken geschlagen. Für einen Steinblock mit einer Größe wie jener im Vordergrund auf dem rechten Bild braucht er etwa einen vollen Arbeitstag.Die Kalkbrennofen
Im Kalkbrennofen wird durch gleichmäßiges Erhitzen über einen längeren Zeitraum Branntkalk aus Kalkgestein hergestellt. Dieser Kalk ist die Grundlage für den Kalkmörtel, der beim Mauerbau zum Einsatz kommt.Die Wasserleitung
Wasser ist einer der wichtigsten Rohstoffe auf der Baustelle. Man braucht es für die unterschiedlichsten Arbeitsvorgänge sowie zum Trinken. Mit einer langen Wasserleitung aus ausgehöhlten Baumstämmen wird das Wasser von einer nahen Quelle an die Baustelle befördert.Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnis_Burgbau_Friesach