Steh zu deinen Stärken!
Unterschätzen und unterschätzt werden. Zwei Worte die dieses Thema gut beschreiben. Frauen, die gerne eine technische Karriere anstreben möchten oder bereits in einem technischen Beruf tätig sind, haben mit derartigen Problemen zu kämpfen. Ich spreche aus Erfahrung, da ich selbst ab und zu das Gefühl habe unterschätzt zu werden, wenn es um mein technisches Können und meine beruflichen Vorstellungen geht. Aber eigentlich ist es gar nicht so schwer. Selbstbewusst sein und zu seinen Stärken stehen und wir stehen uns schon mal selbst nicht im Weg!
Aber zuerst einmal zurück auf Anfang.
Seit Jahren gibt es Bestrebungen, Frauen für technische Berufe zu begeistern. Der Frauenanteil hat sich zwar gebessert, ist aber bei Weitem noch immer nicht so, wie er sein sollte, obwohl Unternehmen aufgrund dem Mangel an Fachkräften mit technischer Ausbildung quasi gezwungen sind nicht nur nach männlichen Bewerbern zu suchen, sondern hier auch Frauen die Chance zu geben. Auch das Thema Diversität im Team in Verbindung mit Innovationsfähigkeit ist vielen Unternehmen mittlerweile ein großes Anliegen.
Trotzdem gibt es noch viele Frauen, die zögern eine technische Karriere einzuschlagen. Oft hört man dann leider immer wieder von denjenigen, die den Berufseinstieg gewagt haben, von Schwierigkeiten. Sie suchen länger nach Jobs und die Karrieren verlaufen nicht so steil, wie die der männlichen Kollegen, weshalb viele Frauen ihre technische Karriere leider schnell wieder an den Nagel hängen.
Aber wo liegen jetzt eigentlich die Probleme?
Leaky Pipeline
Das Problem der „Leaky Pipeline“, also das Leck in der Pipeline beschreibt grob das Verlorengehen von Frauen innerhalb der Wissenschaft und das erhöhte Risiko des „Drop-Outs“ von Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Viele schlagen den für sie „leichteren“ Weg ein, also den, der sich mit den typischen Lebensrealitäten der Frauen vereinbaren lässt. Teilzeitarbeit, weniger Dienstreisen und die Arbeitszeiten sind dabei ausschlaggebende Punkte.
Warum viele Frauen sich also gegen diesen Karriereweg entscheiden, liegt vor allem daran, dass zum einen noch immer Vorurteile gegenüber Frauen in der Technik vorherrschen. Diese Vorurteile bestehen aber nicht nur bei Personen in ihrem Umfeld, sondern auch bei ihnen selbst! (Dazu komme ich unten noch genauer)
Zum anderen ist es teilweise auch der gewisse Mangel an Selbstbewusstsein – viele Frauen bewerben sich oft nicht, wenn sie den Kriterien in der Stellenausschreibung nicht zu 100% entsprechen und treten generell in Vorstellungsgesprächen leiser auf.
Ein letzter wichtiger Punkt sind die Unternehmen, die die Frauen in Stellenausschreibungen und Bewerbungsprozessen, beziehungsweise schon bei der Berufsorientierung noch immer nicht aktiv genug ansprechen.
Engagement, Engagement, Engagement
Mittlerweile sind viele Unternehmen, dieses Thema betreffend, sehr engagiert und fördern Frauen von der Berufswahl bis hin zum Verbleiben im Unternehmen. Frauen und Mädchen soll durch Investitionen wie Töchtertagen oder das zur Verfügung stellen von betriebseigenen Kindergärten gezeigt werden, dass auch sie für technische Berufe geeignet sind und ihre Interessen vertreten werden.
Auch schon bei der Berufsorientierung wäre es wichtig, dass die Mädchen durch Möglichkeiten wie Workshops oder Unternehmensbesichtigungen Einblicke in technische Unternehmen bekommen.
Was die Ansprache von Frauen betrifft, sind Unternehmen schon dabei, hier einiges zu ändern. So werden männliche Begriffe in Stellenausschreibungen wie „durchsetzungsstark“ vermieden und Frauen werden direkt angesprochen. Wobei auch hier trotzdem noch großes Potenzial besteht!
- Frauen müssen dort angesprochen werden, wo sie häufig anzutreffen sind, also HBLAs oder Tourismusfachschulen. Zusätzlich sollte auf Frauen in technischen Studiengängen direkt zugegangen werden und ihnen die Möglichkeit geboten werden, ein Unternehmen frühzeitig kennenzulernen. Für Frauen ist es wichtiger als für Männer, viel über den zukünftigen Arbeitsplatz zu wissen.
- Auch die Unternehmenskultur ist ein wichtiges Stichwort. Die sollte so sein, dass alle Beteiligten sich wohlfühlen. Dort wo Frauen in der Minderzahl sind, herrscht oft ein ganz anderes raueres Klima, was Frauen oft dazu bringt, sich zurückzuziehen oder gar einen ganz anderen beruflichen Weg einzuschlagen.
Selbstbewusstsein!
Frauen, die eine technische Karriere anstreben zeigen manchmal zu wenig davon. Oft befürchten sie, eher als Männer, dass sie manche Dinge fachlich nicht genauso gut umsetzen können. Es ist aber Fakt, dass sich Frauen in technischen Berufen sehr wohl sehr gut beweisen und man darf oder MUSS als Frau seinem Können vertrauen! Ein selbstbewusstes Auftreten spielt für den beruflichen Erfolg eine wesentliche Rolle, wohingegen Schüchternheit und Bescheidenheit hier eher schaden! Vor allem reale weibliche Vorbilder und ihre öffentliche Präsenz wären hier wichtig, um die Machbarkeit und Normalität eines technischen Berufsweges zu zeigen und zu beweisen, dass es möglich ist, Beruf und Familie zu vereinen.
Persönliche Erfahrungen
Glücklicherweise war das bei mir nie ein Thema, dass ich jemals gezweifelt hätte eine technische Richtung einzuschlagen. Die Fachhochschule, die ich besuche, kannte ich schon von Schulzeiten und wusste seitdem, dass ich unbedingt den Studiengang Medientechnik besuchen möchte. Da gab es nie Zweifel, weder meinerseits noch seitens meiner Familie oder Freunden. Ich wurde da immer sehr unterstützt.
Was die Unsicherheit und das Selbstbewusstsein betrifft, kann ich aber leider selbst sagen, dass es vorkommt, dass man sich ab und zu selbst unterschätzt und seinem Können nicht genug vertraut.
Aber diesen Gedanken sollte man so schnell wie möglich wieder verwerfen – warum sollte man etwas nicht genauso gut können wie andere? Einfach ein schwachsinniger Gedanke.
Also an alle Frauen: Glaubt einfach mehr an euch selbst und an euer Können, sonst steht ihr euch nur selbst im Weg!
Ich hoffe ich konnte mit diesem Bericht eventuell ein paar Frauen dazu ermutigen, mehr an sich selbst zu glauben und ein wenig zum Nachdenken anregen. Wie man sieht, gibt es sowohl seitens der Frauen als auch auf Unternehmensseite noch großes Verbesserungspotenzial, das auf jeden Fall ausgekostet werden sollte!
Mich würde aber jetzt interessieren, was ihr zu diesem Thema sagt? Freue mich auf eure Meinungen!😊
Quellen:
[1]https://www.uni-kassel.de/fb05/fileadmin/datas/fb05/Dekanat/broschuere_leaky_pipeline_web.pdf
[2]https://www.uni-paderborn.de/universitaet/genderportal/gender-glossar/leaky-pipeline/
[3]https://awblog.at/mehr-frauen-in-naturwissenschaft-und-technik/
[4]https://www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/frauen/Frauen_Management_Report.html
[5]https://www.ivm.at/pressemitteilungen/archiv/217-frauen-in-der-technik-mehr-selbstvertrauen
[6]http://www.sora.at/nc/news-presse/archiv/news-einzelansicht/news/frauenanteil-in-der-technik-nur-15-prozent-510.html