Da bin ich am Wochenende zu meiner Oma gefahren, um mit der Verwandtschaft ihren 80. Geburtstag zu feiern. Dafür nehme ich die knappen 550 Kilometer gerne auf mich. Der Hinweg war ein Traum – Leere Autobahn, trockene Straßen, Sonnenschein. Tempomat an und ganz gechillt bis zum Ziel gecruist. So muss das sein.
Sonntagabend gegen 16 Uhr trete ich wieder den Rückweg an. Navi meint, dass ich es unter 5 Stunden schaffe. Ok, gefällt mir! Während in NRW noch ein Hauch von Frühling herrscht, bekomme ich aus dem Norden Fotos von der weißen Pracht, die am Vortag kurzfristig entschied, sich über das Land zu legen.
Nach 100 Kilometern wird die Straße leicht feucht und die ersten Spritzer beehren die Windschutzscheibe meines Autos bedingt durch Überholmanövern einiger Überflieger. Jetzt kannst du mal die Scheibenwischanlage nutzen – Klick – Keine Reaktion von den Spritzdüsen. Die Wischer wischen, kein Wasser. Oh je. Zunehmend wird die Scheibe dreckiger und die trockenen Wischversuche produzieren einen wunderschönen, undurchsichtigen, weißen Schleier.
Ich sehe nix!
Ich fahre die nächste Tankstelle an, säubere die Windschutzscheibe, fülle noch mehr Frostschutzmittel in den Tank der Wischanlage – Was natürlich nichts bringt, da die kleinen Eisklumpen, die die Düsen verstopfen, mit dem Frostschutzmittel gar nicht erst in Kontakt kommen können.
Wenige Kilometer später fahre ich einen Parkplatz an, um die Scheibe wieder vom Dreck zu befreien und für Sichtbarkeit zu sorgen. Denn die Anlage zeigt nicht mal ansatzweise den Willen zur Funktion.
Es wird dunkel.
Was ist schlimmer als eine Windschutzscheibe mit einer Salzpatina, durch die man nicht sehen kann? Richtig, eine Windschutzscheibe mit einer Salzpatina, die im Dunkeln vom Licht des Gegenverkehrs angestrahlt wird. Sicht gleich Null. Das Procedere mit dem Anhalten, Scheibe säubern und weiterfahren, wiederhole ich auf dieser Fahrt etwa 15 Mal. Meine Laune ist leicht im Keller.
Hey, aber es wäre doch nur ein halber Spaß, wenn ich mit der etablierten Taktik Zuhause ankomme, oder? Richtig! – sagt sich das Wetter und produziert mir ein wenig Blitzeis vor die Räder, sodass ich das Tempo auf ein Minimum reduzieren muss. So ziehen sich etliche Kilometer hin und ich bin echt happy, dass die Heizung ihren Job bestens erledigt.
Glücklicherweise findet die Glätte auf der Autobahn irgendwann ein Ende, denn die Streufahrzeugarmada ist an diesem Abschnitt bereits durchgezogen. Und hat mit dem Salz für Bodenhaftung gesorgt. Zugleich freut sich meine Windschutzscheibe über mehr Salz, welches immer wieder Kontakt zu ihr sucht. Ab auf den Parkplatz, Scheibe putzen…
Ich schaue aufs Navi. Es schickt mich auf eine 50 Kilometer längere Strecke als Umleitung, da auf der Hauptstrecke bedingt durch Unfälle der Verkehr komplett zum Stehen gekommen ist. Toll! Mittlerweile sind fünf Stunden rum und ich hätte längst Zuhause sein müssen. Hab aber grad Mal die Hälfte geschafft.
Da die Umleitungsstrecke wenig befahren ist und generell weniger Autos am Sonntagabend unterwegs sind, kann ich die Scheibenputzaktionen reduzieren und komme etwas flotter voran. Die Außentemperatur von -7° stört mich wenig.
100 Kilometer vor dem Ziel begegne ich einem Schneesturm. Plötzlich ist die Straße komplett weiß, die Bodenmarkierungen nicht zu sehen und die Sicht trotz der manuell geputzten Scheibe auf zwei Meter beschränkt. Ich drossele das Tempo auf 40 km/h, wobei ich mich immer noch unwohl fühle. Aber da ich der Einzige auf der Straße bin, passt das schon.
30 Minuten später verschwindet der Schneesturm genauso plötzlich, wie er gekommen ist. Ich kann mich wieder orientieren und verlasse endlich die Autobahn auf die Landstraße Richtung Heim. 40 Kilometer to go! Ich schaffe das.
Die Landstraße empfängt mich mit Glätte, denn die Streufahrzeuge sind hier noch nicht gewesen. Sehr langsam durchfahre ich die kleinen, schlafenden Ortschaften.
Nur noch 20 Kilometer... Zehn.... Fünf.
Ich fahre in die Stadt ein und drifte mit Schritttempo um die eisigen Kurven.
Nach über neun Stunden erreiche ich meine Straße, parke im Parkverbot und freue mich, dieses wilde Abenteuer letztendlich überlebt zu haben.
Mein Learning: Whatever happens: Sieh zu, dass die Wischanlage enteist wird!
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
Gruß, Obvious
PS: Deinen netten Kommentar werde ich upvoten. Wenn du meinen Beitrag resteemst, werde ich einen Blick auf deine Beiträge werfen und jene upvoten, wenn sie mir gefallen.