Hast du deinen roten Faden? Du brauchst ihn! Wenn du ihn verloren hast, finde ihn wieder.
So sprachen alle zu mir. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn habe oder nicht.
So fragte ich immer wieder andere Menschen, ob sie denn ihren haben. Die meisten antworteten sehr entschlossen mit ja, um dann nach kurzem Nachdenken festzustellen, dass sie ihn vielleicht doch nicht haben.
So ging ich zu verschiedenen Weisen und fragte sie, ob es eine Möglichkeit gebe, in mir zu Suchen. Die Antworten waren immer ja. Der erste Weise sagte, ich solle fortan eine Brille mit roten Gläsern tragen, so würde ich ihn finden. Nach mehreren Tagen tragen der roten Brille scheiterte ich, als ich eine rote Ampel nicht sah und fast angefahren wurde. Der zweite Weise sagte, ich solle auf den nächsten Blutmond warten und ihn anbeten. In der Nacht des Blutmondes saß ich dann draußen, tennisballgroßer Hagel viel auf mich nieder, kein Mond war zu sehen. So ging ich zum dritten Weisen, der mir sagte, ich solle mir ein Schaf zum Haustier nehmen. Als ich eines Tages nach Hause kam, hatte mein Schaf die ganze Wohnung verwüstet. Ich gab auf.
Doch wenige Tage später fand ich ihn wieder, tief versteckt in meinem Geist: Den roten Faden. So folgte ich meinem roten Faden. Doch plötzlich kam ein zweiter zu. Welcher ist der Richtige, welcher ist der Falsche? Und während ich mich wunderte, kam auch noch ein Dritter. So ging das immer weiter. Da beschloss ich, ein Netz zu stricken. Plötzlich fing ich was in meinem neuen Netz: Einen roten Faden. Und noch einen. Und noch einen. Meine Sammlung war beträchtlich. Eines Tages dachte ich mir, jetzt habe ich so viele rote Fäden, da strick ich mir doch glatt einen Teppich. Kaum war er fertig, begann er plötzlich zu fliegen. Und nun flieg ich so auf meinem roten Teppich und denke mir: Folge nicht dem roten Faden, sondern nutze ihn zum Stricken. Denn wer nur folgt, wird niemals fliegen.
Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe meine kleine Geschichte hat euch gefallen.