Liebe Leser,
kennt Ihr noch Hedy Lamarr? Sie war nicht nur Hollywood-Star und für viele die schönste Frau der Welt, sondern auch eine brilliante Autodidaktin und eine der einflussreichsten Erfinderinnen im Technikbereich des 20. Jahrhunderts (Bluetooth und GPS basieren auf ihren Erfindungen). Im Folgenden ihre bewegte Geschichte, die selbst wie ein Hollywood-Drehbuch erscheint...
Hedwig Eva Maria Kiesler (so ihr Name bei der Geburt am 9. November 1914 in Wien) stammte aus einer bürgerlichen jüdischen Familie, ihr Vater war Direktor des Wiener Bankvereins, ihre Mutter Konzertpianistin. Sie wuchs als Einzelkind in Döbling auf. Schon als Kind soll sie Interesse für Technik gezeigt haben und früh zog es sie auch zum Film. Mit 16 Jahren brach sie die Privatschule ab und besuchte die renommierte Schauspielschule von Max Reinhardt in Berlin. Schon in ihrem vierten Film "Man braucht kein Geld" (1931) mit Heinz Rühmann und Hans Moser hatte Lamarr eine Hauptrolle.
Der Durchbruch kam 1933 mit dem tschechischen Film Symphonie der Liebe (Originaltitel "Extase"). Darin spielte sie eine junge Frau in einer unglücklichen Ehe – mit skandalös freizügigen und sogar Nacktszenen und einer simulierten Orgasmusszene, die damals weltweit für Aufsehen und Einschreiten von Zensurbehörden sorgten. Kiesler war zum Zeitpunkt des Drehs noch minderjährig! Damit wurde sie über Nacht berühmt!
Szene aus Symphonie der Liebe (Quelle)
Kurz darauf heiratete sie 1933 den österreichischen Waffenfabrikanten Friedrich Mandl, einen der reichsten Männer des Landes (Chef von Hirtenberger). Sie war nun Teil der "High Society", aber die Ehe wurde zum Albtraum. Mandl war eifersüchtig, kontrollierend und verbot ihr die Schauspielerei. Er versuchte sogar - vergebens - Kopien des berüchtigten Films mit den Nacktszenen seiner Frau aufzukaufen, um seine Verbreitung einzuschränken (auch Benito Mussolini hatte ein Exemplar, weigerte sich aber, es an Mandl zu verkaufen). Bei Dinner-Partys mit hochrangigen Nazis und Militärs hörte Hedy aufmerksam zu und lernte viel über Waffentechnik und Funkkommunikation. 1937 floh sie auf dramatische Weise: Sie betäubte ihren Mann mit Schlaftabletten, verkleidete sich als Dienstmädchen und floh über Paris nach London (so steht es zumindest in ihrer Autobiographie, es gibt auch andere Versionen der Flucht). Dort traf sie MGM-Boss Louis B. Mayer, der sie unter Vertrag nahm und ihr den Namen Lamarr gab.
In Hollywood wurde sie zum Star. Ihr erster großer Erfolg war Algiers (1938). Es folgten Filme wie Boom Town mit Clark Gable, Ziegfeld Girl und der Kassenschlager Samson und Delilah (1949) mit Victor Mature. Hedy verkörperte oft exotische, verführerische Frauen – oft auf ihre Schönheit reduziert. Doch hinter der Glamour-Fassade steckte weit mehr.
Während des Zweiten Weltkriegs wollte Hedy als Gegnerin des Nationalsozialismus aktiv helfen. Auslöser ihrer Bemühungen waren Nachrichten von versenkten alliierten Schiffen. Zusammen mit dem Avantgarde-Komponisten George Antheil entwickelte sie 1940 das „Secret Communication System“ – ein Frequenzsprungverfahren (Frequency Hopping), das verhindern sollte, dass Feinde Funksteuerungen von Torpedos stören. Die Idee basierte auf einem Ballet Antheils, bei dem mehrere Pianolas untereinander und mit einem Film zu synchronisieren waren, was über gleichzeitig ablaufende Klavierrollen (Lochstreifen) gelang. Das Problem bei der Funkfernsteuerung lösten sie mit ähnlichen Lochstreifen, jeweils identisch in Sender und Empfänger. Dadurch waren die gleichzeitigen Frequenzwechsel möglich. Das Patent wurde ihr am 11.08 1942 erteilt, aber es wurde nicht umgesetzt, da der Einsatz von Papierrollen 1941 schon als veraltet galt, außerdem war das Patent in anderen Bereichen eher vage. Trotzdem wurde Lamarr zur patriotischen Ikone, da die damals berühmte Schauspielerin als Teil der US-Kriegspropaganda instrumentalisiert wurde. Trotz der technischen Mängel war das Prinzip der Frequenzsprünge ein wichtiger Schritt auch in der zivilen Kommunikation, und die Erfindung wurde Jahrzehnte später gewürdigt. Frequency-Hopping ist die Grundlage moderner drahtloser Kommunikation.
Privat blieb ihr Leben turbulent. Sechs Ehen, drei Kinder, finanzielle Probleme und eine zunehmende Einsamkeit prägten ihre späteren Jahre. Sie starb am 19. Januar 2000 in Florida. Am Wiener Zentralfriedhof befindet sich ein Ehrengrab mit ihrer Asche.
Heute erinnert man sich an Hedi Lamarr als eine mutige Frau, intelligente Erfinderin und Pionierin, die gegen alle Vorurteile ihrer Zeit ankämpfte. Ihre Geschichte ist Mahnung und Inspiration zugleich: Traue niemals nur dem ersten Eindruck.
Mit ihrer Patentschrift im Hintergrund (Quelle)
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hedy_Lamarr
https://www.imdb.com/de/name/nm0001443/
https://hotcorn.com/en/movies/news/everyones-talking-hedy-lamarr/
https://news.sparkfun.com/6147
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@stayoutoftherz/aussergewohnliche-menschen