Es hagelt Hoffnungen, Biskuit und dreiste Frechheiten
Festliche Trilogie
(Ver)wunschene Weihnacht
Die Tage wurde ich mit einer öffentlichen Anfrage konfrontiert (eine lästige Unart, der jedoch in einer Zweierbeziehung nur äußerst selten aus dem Weg gegangen werden kann – wenn doch, dann nur mit schwerwiegenden Folgen), die darauf abzielte, ungehinderten Zugang zu meinem Wunschdenken gewährt zu bekommen.
(Obwohl ich meinen Wunschzettel bereits vor zwei Monaten auf ihrem Schreibtisch abgelegt hatte. Aber dazu später.)
»Was wünschst und erhoffst du dir eigentlich für Weihnachten und das kommende, neue Jahr?«
Was antwortet Mann auf eine solche Frage? Keinen blassen Schimmer. Auf jeden Fall keine Krawatte, da ich mit dem einen Exemplar in Tiefschwarz, welches sich in meinem Kleiderschrank heimisch gemacht hat, bestens bedient scheine. Das Thema Socken würde ich gerne auf Ostern verschieben, da Nadelbaummotive und rote Zipfelmützen meinen Fuß nicht im besten Licht erscheinen lassen.
Was bleibt da noch?
Das Knuddelmonster mit femininen Formen und außerirdischen Qualitäten, das zu Kunststücken in der Lage ist, von denen sogar der Weihnachtsmann nur träumen kann, sollte ich ja wohl kaum erwähnen, da sich dann wohl die öffentliche Anfrage rasant in eine Grundsatzdebatte wandeln könnte.
Was bleibt dann noch?
Ja, genau! Wie hätte ich den Punkt übergehen können?
Ich wünsche mir, dass exakt zu Heiligabend die Stimmbänder meiner Nachbarin Lucia, alle ihnen zugedachten Funktionen, für immer verweigern. Ich kann nämlich dieses unfassbar dämliche Gesabber nicht mehr ertragen, mit dem ich bei jedem noch so zufälligen Treffen übergossen werde. Den Wunsch setze ich ganz weit oben auf die Liste. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Geht da, außer dem Pfarrer, eigentlich noch jemand hin?
So, die Hoffnung auf sprachlose Momente mit Lucia kann mir niemand mehr nehmen.
Aber, so ganz weit hinten im Gehirn, in dem Teil, der eigentlich von Zeit und Raum getrennt zu sein scheint, da lungert er noch immer, der nie erloschene Wunsch, ein Endprodukt aus genialer Uhrmacher-Kunst am Arm zu tragen.
Da noch nie der Mobilität auf vier Rädern sonderlich zugetan, galt mein Interesse mehr dem, was zwischen Buchdeckel verpackt zum Lesen angepriesen wird oder dem, was da am Unterarm gefesselt scheint und erwartet wird, immer die genaue Zeit ins Blickfeld rücken zu können.
Doch genau hier beginnen sich die Geister des Zeitmessens in die Lager zu flüchten, in denen ihnen die Zuneigung widerfährt, die sie letztlich verdient haben. Wer die weltbekannte Uhrenmanufaktur Apple finanziell unter die Arme greifen möchte und sich für etwas entscheidet, bei dem rasch vergessen wird, dass das Teil einem vorzugsweise die Zeit anzeigen sollte, der sollte die Investition nicht scheuen.
Bei mir scheint der Umgang mit so manchem Meisterwerk, von Menschenhand geschaffen, etwas anders gelagert zu sein. Der ersten Wunschpartner für mein Handgelenk stand bereits vor zig Jahren fest und lächelte mich aus der Auslage heraus dermaßen verführerisch an, dass ich glaubte, nicht widerstehen zu können. Doch kaum war meine Sparschatulle geplündert, kam meine angeberische Schwester um die Ecke und präsentierte mir ganz stolz das Geschenk ihres Gatten. In diesem Augenblick war für mich die Reverso von Jaeger-LeCoultre der berühmte Schnee von gestern.
Nach diesem hinterlistigen Tiefschlag weit unter die Gürtellinie ließ ich noch einmal meinen Blick über die Kunstwerke in der Auslage schweifen. Die Auswahl konnte man nicht wirklich als üppig bezeichnen, doch das, was sich da im hellen Licht von der besten Seite zeigte, war durchweg konkurrenzfähig. Zwar nicht im eckigen Gehäuse untergebracht – aber im Understatement-Look, mit feinstem Innenleben. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich schließlich für sie:
Eine Davosa Pares Classic Automatique. Seit jenem Kauf sind wir unzertrennlich – oder zumindest fast. Denn die Davosa genießt ihre „Zeit“ in einer edlen Box, in der sie manchmal um die eigene Achse gedreht wird. Ich hantiere derweil mit einer Swatch im Billigformat am Armgelenk im Wald, auf dem Feld oder dem Stall, da das rigorose Zertrümmern von Uhrglas zum jährlichen Ritual geworden ist.
Damit das Schweizer Meisterwerk nicht in der Einsamkeit versinkt, bekam sie vor einiger Zeit ein Geschwisterchen. Seither darf die Davosa sich neben der Dugena Epsilon drehen, die von solchem Firlefanz wenig hält. Sie leibt es, wenn ich ihre Krone zwischen Daumen und Zeigefinger klemme und ihr somit neuen Schwung verleihe.
Warum ich das alles erzähle? Weil dieses Fest vor der Tür steht und seit Oktober genügend Zeit war, die geliebte Dame an meiner Seite sporadisch und diskret auf ein kleines Etwas hinzuweisen, welches sich hervorragend einpacken lässt und es unter dem Weihnachtsbaum zum feierlichen Besitzwechsel kommen könnte.
Im Augenblick bin ich noch bester Dinge, da unlängst bezüglich dieser Sache eine Reaktion erfolgte: »Spinnst du? Weißt du, was das Ding kostet? Du tickst doch nicht richtig!«
Was mich dennoch so optimistisch stimmt? Sie nutzte das Verb ticken. Das hört sich doch schwer nach Uhr an. Diese hier sollte es eigentlich sein:
Die Nomos Tangente (Ludwig 38 wäre auch in Ordnung). Jetzt seid doch mal ehrlich – so einfach geschneidert, kann doch nicht so teuer sein?
Ich halte euch bei Gelegenheit auf dem Laufenden.
Leckere Weihnacht
Lebkuchen-Tiramisu
Was hier nach Arbeit riecht, entpuppt sich auch als solche – doch das Resultat lässt das Vorangegangene vergessen.
1. Lebkuchen Biskuit
- 4 Eier
- 40 g Zucker
- 1 Prise Salz
- 75 g Mehl
- 15 g Speisestärke
- 1/2 Päckchen Backpulver
- 15 g Kakaopulver (stark entölt)
- 1 EL Lebkuchengewürz
Wie üblich bei einem Biskuit werden die Eier getrennt und das Eiweiß mit der Prise Salz zu einem festen Eischnee aufgeschlagen. Kurz bevor der Eischnee seine volle Festigkeit erlangt, füge ich langsam (Löffel für Löffel) den Zucker zu. Dies verleiht dem Schnee mehr Stabilität.
Nun siebe ich das Mehl, die Speisestärke, das Backpulver und die Gewürze auf den Eischnee und vermische das Ganze vorsichtig. Anschließend auf Backpapier bei Umluft und 160° 15 bis 20 Min. ausbacken.
2. Tiramisu
- 4 Eier
- 100 gr. Puderzucker
- 500 gr. Mascarpone
- 125 ml Kaffee
- 2 cl Rum
- Schattenmorellen (nur wer will)
- Kakao/Puderzucker für die Deko
Auch hier trenne ich die Eier und schlage das Eiweiß mit dem Puderzucker (peu à peu untergeben) zu Schnee auf. Anschließend hebe ich die Mascarpone vorsichtig unter den Eischnee.
Der Lebkuchen-Biskuit wird in grobe Stücke zerbrochen und in einer Schüssel mit dem Kaffee und dem Rum getränkt. Anschließend den Boden einer Auflaufform mit dem Biskuit bedecken, dann eine Schicht Mascarpone aufgeben, nochmals Lebkuchenteig und dann zum Schluss den Rest der Käsemasse. Wer es saftiger möchte, der fülle Schicht um Schicht noch eingelegte Kirschen hinzu. Mit Klarsichtfolie abdecken und über Nacht in den Kühlschrank stellen.
Kurz vor dem Servieren nur noch mit einer Mischung aus Kakao und ein wenig Puderzucker bestäuben.
Ich wünsche euch einen guten Appetit!
Freche (ungezogene) Weihnacht
Der Weihnachtsmann ist gekommen
Was war denn da schon wieder los?
Gestern, in der Zeitung
Die Letter riesengroß
Der Weihnachtsmann ist out
Nun hat er es so richtig
Ganz und gar total versaut
Geschenke gibt es keine mehr
Denn sein großer Sack ist leer
Der Weihnachtsfee geht es derweil nicht so gut
Sie läuft Amok, sie tobt vor Wut
Ein langes Jahr hat sie sich in nun Geduld geübt
Nur dass ihre Lust zum Fest erblüht
Die erlesenen Strapse extra angelegt
Das Schamhaar einmal kräftig durchgefegt
Der Weihnachtsmann wird es ihr besorgen
Von Heiligabend bis in den frühen Weihnachtsmorgen
Erst wird geturnt, dann wird gerammelt
Zu viel hat sich da angesammelt
Die Gier steht ihr ins Gesicht geschrieben
Ihr Pfirsich glitschig eingerieben
So betrat sie Freitag dieses Zimmer
Wo sie sich treffen immer
Um zu klären, auch die letzten Fragen
Was soll er unterm Mantel tragen?
Ist das große Bett denn schon bezogen?
Und – hat er sie wahrlich nicht betrogen?
Sie betrat leise diesen Raum
Und traute ihren Augen kaum
Da steht der geile Hund – froh und munter
Und holt sich lässig einen runter
»Hat dich wer vom Tropf gerissen?
Haben sie dir ins Hirn geschissen?
Ich hüte meine Lust gleich einem teuren Amulett
Und du? -
Verschleuderst deinen Saft aufs hölzerne Parkett!«
Zu spät
Hier gab es nichts zu retten
Darauf konnte auch
Der größte Depp noch wetten
»Was ist dir bloß in den Sinn gekommen?
Hast du der Weihnachtsdrogen doch zu viel genommen?«
»Ich saß einfach und gelangweilt da
Die Zeit geradezu unendlich war
Innerlich und äußerlich schien ich bereit
War da nur die Frage -
Wann ist es endlich denn so weit?
Ich begann die Eier leicht zu reiben
Danach langsam zu massieren
Nichts dabei gedacht -
Was sollte auch passieren?
Doch schienen sie erst mal warm gerieben
Ist meine Lunte senkrecht aufgestiegen
So sagte ich mir
Hol ihn in die Hand ganz sacht
Doch, dann, oh Gott
Ist er erst richtig aufgewacht!«
»Ich habe alles versucht!
Habe ihn geschüttelt und beschimpft
Gerüsselt und kräftig durch poliert
Letztlich ist er einfach so
In meiner Hand ganz heftig explodiert
Glaub mir, ich habe es versucht
Ihm schnell noch das Maul zu stopfen
Doch, viel zu spät
Es zeigten sich bereits die ersten Tropfen
Der Druck entlud sich mit einem heißen Strahl
So glaube mir – Ich hatte keine andere Wahl«
Tatsache ist:
Leer ist der Sack vom Weihnachtsmann
Verehrte Damen, zieht wieder eure Schlüpfer an
Im nächsten Jahr zum großen Fest
Wird es erneut probiert – I should give my best!
Bleibt munter und gesund bis zum ersten Dienstag 2023, wenn der Gemischtwarenladen wieder seine Pforten öffnet.