… und oft kommen die unbestellten Antworten vor den nie gestellten Fragen.
Es passiert relativ häufig (wenn ich mir zwischendurch eine kurze Auszeit gönne und die aufs Abstellgleis verschobenen Gedanken reaktiviere) mich ruckzuck in einen Dialog mit mir selbst zu verstricken. Traurigerweise versumpfen nur zu oft, die in dieses waghalsige Unternehmen investierten, hohen Erwartungen, in Sphären, komplett abgekoppelt der Realität. Ähnlich der hitzigen Debatte, die mein verstorbener Opa Abend für Abend mit seinem Fernseher führte.
Außerdem wird mir von Mal zu Mal bewusster, auf diesen Exkursionen ins tobende Gedankenscharmützel, nur in Ausnahmefällen das Heft des Handelns unter meine Fittiche zu bekommen. Dies berücksichtigend, kann es kaum verwundern, wenn im verbalen Gerangel das Damoklesschwert über dem Drehbuchautor baumelt. Aus dieser Notlage heraus begebe ich mich dann auf die Suche nach den sagenumwobenen Antworten auf die nie gestellte Fragen.
Wege in und aus der Sprachlosigkeit sind auf meinem geistig verwilderten Terrain in der Tat miserabel ausgeschildert. So unzureichend wie Autobahnen, die sich erst auf den letzten Metern als wahre Sackgassen entpuppen und überflüssigerweise in einem planerisch nicht schlüssigen Kreisverkehr enden.
Mit Google Earth sind solche Strecken fast ausnahmslos nur mit Engelsgeduld ausfindig zu machen – und wenn endlich gefunden, liefert Street-View keine passenden Bilder. Unter diesen Begebenheiten erscheint es mir durchaus plausibel, wenn körpereigene Partikel, wie eine Schuppe auf der Kopfhaut, den Aufstand gegen das beinahe Unerklärbare mit Ignoranz begegnet.
So reihen sich Irrungen und Verwirrungen zwischen meine liebgewonnen, nicht mehr missen wollenden Vergnügungen. Vergleichbar mit der erfolgreich endenden Suche nach dem wachen Geist. – Somit weit weg von Theodor Fontane, Baron Botho von Rienäcker und der Schneidergesellin Magdalene Nimptsch, der Pizza, die nicht in der Schachtel, sondern nachhaltig im Gedächtnis kleben bleibt, der Erdbeermarmelade, die in ihrer Unentschlossenheit ständig die Seiten der Brotscheibe zu wechseln gedenkt, dem Glücksgefühl nach erfolgreicher Ortung eines Popels im linken Nasenloch oder der tiefenentspannten Masturbation mit passendem Hinterkopfkino.
Ihnen nachzuhecheln oder gar zu widersetzen, ergibt so wenig Sinn, wie einen Sherpa damit zu beauftragen, den alten Schreibtisch von Onkel Carlo auf den Gipfel des K2 zu schleppen, nur weil der extrovertierte, in die Jahre gekommene Kletterer die Botschaft seines Erfolges an das Volk in den Tälern auf dem Gipfel seines ureigenen Wahnsinns handschriftlich manifestieren möchte.
Ließe sich aus dem vorangegangenen Satz ein verwertbarer Gedanke ableiten, der die Kraft in sich birgt, mich über den 3. Tag jeden Monatsanfangs hinwegzuheben, ich wäre dem Wortgebilde auf ewig dankbar.
Schon aus dem Grund, weil ich mit den zu diesem Zeitpunkt fälligen Überweisungen, die für mein Bankkonto nicht wirklich Gutes verheißen, kaum umzugehen weiß, könnte in mir die Hoffnung aufkeimen, den richtigen Weg in die Sprachlosigkeit eingeschlagen zu haben.
Wobei uns hier der Konjunktiv unweigerlich erahnen lässt, möglicherweise doch auf dem ausschließlich für uneinsichtige Dickköpfe gezimmerten Holzweg gelandet zu sein.
Wobei es noch immer zu klären gilt, wohin mich der eingeschlagene Weg letztlich führen soll? Rein oder raus aus der Sprachlosigkeit?
An einem unbekannten Ort zwischen Magen, Bauch, Milz und Leber verfestigt sich bei mir kontinuierlich die Überzeugung, beim Zusteuern in die Sprachlosigkeit, stünden mir womöglich besser ausgebaute Wege zur Verfügung, als es im umgekehrten Fall zu erwarten scheint.
Werfen wir somit einen genaueren Blick auf die mir zur Verfügung stehende Ausschilderung. Wobei dieses Experiment möglicherweise überall, allerdings nie in Frankreich funktioniert. Denn das richtungsweisende Schild, das dir während einer Durchquerung von Paris am häufigsten entgegenlächelt, ziert die Beschriftung 'Toutes Directions'.
Wie hilfreich diese Information letztlich ist, zeigt sich spätestens dann, wenn du nach einer Stunde bemerkst, dass du geradewegs auf Nizza zusteuerst, obwohl du eigentlich die Abendfähre in Calais erreichen solltest.
Es kann somit durchaus sein, dass Verkehrshinweiszeichen als Fingerzeig in die Sprachlosigkeit eher zu vernachlässigende Dienste leisten. Die Realität fest ins linke Auge geklemmt, sollte ich mir in Erinnerung rufen, es in der Vergangenheit, während dem spätabendlichen, mühseligen Kriechgang durch das Fernsehprogramm (mit ausgedehntem Zwischenstopp im Dschungelcamp bei RTL) im Labyrinth des vorsätzlich produzierten Wahnsinns, es nahezu bis in die Sprachlosigkeit geschafft zu haben.
Beinahe identisches Potenzial an wirksamen Betäubungsmitteln liefert rezeptfrei die eine oder andere überregionale Tageszeitung, unzählige Kanäle auf YouTube, die dich minütlich darüber auf dem Laufenden halten, dass du längst nicht mehr frei darüber entscheiden kannst, bei welchem Bäcker du welche Brötchen zu welchem Preis kaufen kannst.
Ich bin längst (nach deren Einschätzung) vom medialen Einheitsfutter abhängig und damit unfähig eigene Entscheidungen zu treffen. Wundere sich also zukünftig niemand, wenn ein knüppelhartes Roggenbrötchen sich am Sonntagmorgen lasziv in deinem Brotkorb räkelt, obwohl du mit dem festen Willen die Bäckerei betratst, ein frisches Baguette zu erwerben.
Sollte Vergleichbares jemandem widerfahren, kann ich lediglich ungefragt den Rat erteilen, künftig dem Internet die kalte Schulter zu zeigen, da es mit Sicherheit nicht als Wegweiser in die Sprachlosigkeit taugt. Möglicherweise gebe ich mich auch einem Irrtum erlegen und (trotz aller Widersprüche) wer ausnahmslos auf die Tuchfühlung zur Sprachlosigkeit bedacht ist, wird in der Netzstrumpfhose sein Glück finden.
Ich bin gleichwohl noch immer auf der Suche nach dem einzig gradlinigen Zugang ins Zentrum der Sprachlosigkeit. Verbale Entgleisungen, abgesondert von Politkern jeglicher Couleur, kolportiert durch alle zugreifbaren Medien, könnten durchaus richtungsweisend sein.
Das Problem dabei, dass der Highway ins sprachliche Nirwana sich rasch als Schotterpiste entpuppt, weil dem demokratisch eingesetzten Asphaltierer jegliches Grundwissen für seine vom Wähler auferlegte Aufgabe fehlt. Was den sich selbst überschätzenden Volksvertreter indes nicht davon abhalten kann, sich die nächste Fuhre leerer Worthülsen der immerzu präsenten Lobbyisten eintrichtern zu lassen.
Dieser Umstand lässt mich wiederum Hoffnung schöpfen, endlich, abseits jenes Molochs, noch die richtige Abbiegung zu erwischen.
Denn anstatt mich vom mit dem von Floskeln aufgeschäumtem Abgeordneten-Gewäsch ohne Umwege in die Ratlosigkeit driften zu lassen, malträtiere ich meinen mir verbliebenen Verstand mit der Frage, was überhaupt in der Rangfolge eher kommt, der Wahnsinn oder die Sprachlosigkeit?
Sind beide miteinander verwandt, verschwägert oder lediglich dicke Kumpels? Was schmerzt weniger und wie sieht es mit den Heilungschancen aus?
Wer stellt überhaupt die Rezepte aus?
Wenn ich dort, nämlich in dieser Sprachlosigkeit, endlich einmal angelangt bin, will ich diesem Vakuum danach überhaupt noch entweichen? Oder einigen wir (der leidlich begabte Fremdenführer und ich) uns auf das sagenumwobene, mit Mythen umrankte Stillschweigen, das ab dem Moment jedoch auf morschem Fundament steht, da es lediglich noch vom Wahnsinn gestützt wird.
All das klingt für mich nach Mehrfamilienhaus und damit einem unberechenbaren Abenteuer.
Heute wird es fruchtig-süß.
Nachdem ja seine Abneigung gegen eine ganz spezifische Sorte des Weihnachtsgebäcks bekundet und ich dieses Leiden mit der Übermittlung verschiedenster Rezepte noch potenziert hatte, präsentiere ich heute ein Rezept, dem Lebkuchengewürz zugefügt werden kann – jedoch nicht überlebensnotwendig scheint. Außerdem entstand es ohne Vorlage und aus dem Handgelenk heraus.
Saftige Apfelschnitte mit Nüssen, Kakao, (Lebkuchengewürz) und Lust auf mehr.
Worauf es bei diesem Rezept ankommt, ist mit Sicherheit nicht das riesige, fachliche Know-how, sondern einfach die Geduld, jede Zutat so zu verarbeiten, damit sie ihr Bestes im Endprodukt hinterlässt.
Die Zutaten:
- 2 Eier
- Eine halbe Tasse Zucker
- Eine Tasse Gris
- 1 Päckchen Backpulver
- 150 gr. zerlassene Butter
- 150 gr. gemahlene Nüsse
- Kakao (bitte nur beste Ware – die muss so bitter sein, dass es dich schüttelt).
- Ein Hauch Zimt
- Viele Äpfel
- Lebkuchengewürz nur für jene, die nicht darauf verzichten können.
Das Wichtigste passiert ganz zu Anfang.
Es müssen nämlich die Eier und der Zucker zu einem Schaum aufgeschlagen werden, der die Grundlage für das Endprodukt darstellt. Zucker und Eier werden bei höchster Stufe mit dem Handmixer so aufgeschlagen, dass ein luftiger, hoher Schaum entsteht (mindestens 10 Minuten Geduldsarbeit! Aber es lohnt sich.
Anschließend fügen sich die Nüsse, der Gris und die Gewürze unter die aufgeschlagene Masse. Ganz zum Schluss wird die zerlassene Butter eingearbeitet.
Die Äpfel (es können beinahe nie genug sein) werden geschält und in feine Streifen gerieben. Ab damit unter die Teigmasse und in die Form, die mit Backpapier ausgelegt ist.
Umluft, 170° und der Backofen ist bereit. Nach spätestens 25 Minuten sollte die leckerei dem Backofen zu entnehmen sein.
Guten Appetit!
Voll der Vorurteile
Wir wandern oft voller Pläne und doch planlos durch den Tag und sammeln sie an – die Vorurteile, die sich im Anschluss nur aufwendig wieder abbauen lassen.
So wie das Vorurteil, dass ich mich vollkommen dem Jazz verschrieben habe. Stimmt lediglich für die kleine Kammer im großen Spektrum, welches ich für „gute“ Musik reserviert halte. Slawische Lyrik in ein sanftes Gewand aus Akkorden gekleidet, können mich für Stunden aus der Realität entführen. Ein wirklich guter Rap bleibt immer spannend und der Liedermacher, der genau den Punkt trifft, an dem ich insbesondere sensibel bin, findet bei mir immer ein offenes Ohr.
Einer, meiner fast unantastbaren Erfinder besonderer Texte ist und bleibt Faber.
Nun stolpere ich durch Zufall über Paul Gerlinger, der mir vollkommen unbekannt, doch viel von dem in seinen Gedanken und dem Wortschatz birgt, was mich neugierig werden lassen könnte. Wäre da nicht diese unbestreitbare, gesangliche Nähe zu Henning May (AnnenMayKantereit) und den frechen Flow von Faber einzufangen. Hört es euch an und bildet euch eure eigene Meinung. Paul Gerlinger hat Potenzial – nur sollte er sich musikalisch auf eigene Beine stellen.
Und das ist jener Henning May.
Ganz nebenbei bemerkt – mit einer wunderbaren, neuen Interpretation eines ohnehin guten Lieds.
Kommentarlos gebe ich für heute den Schlüssel an den Reinigungsdienst weiter.
Bleibt munter und gesund bis zum nächsten Dienstag, wenn der Gemischtwarenladen wieder seine Pforten öffnet.