Seit einigen Tagen bin ich mal wieder dankend im Haus- und Hasen-Hüte-Dienst für meine Eltern. Auf mysteriöse Weise hat sich hier jedoch in letzter Zeit meine Wahrnehmung massiv verändert.
Klar, war und bin ich ein Stückweit immer Zuhause hier, denn hier verbrachte ich meine glückliche Kindheit und wurde zum dem Mensch, der ich heute bin.
Und irgendwie, ganz still aber doch sehr laut, hat er sich eingeschlichen:
der Geist vergangener Zeiten
Früher ist mir das nie aufgefallen, doch inzwischen steckt in unserem Häuschen schon eine rege Geschichte.
Ja gut, zugegeben: das Titel-Bild ist eher ironisch zu verstehen, denn mit der Titanic hat unsere Glocke, die die Terrasse meiner Eltern schückt, wohl genau so viel zu tun wie ich, also gar nichts…
Dennoch erinnere ich mich so gern zurück, als Vati sie damals ganz stolz anbrachte und fortan für mich läutete, wenn es zum Beispiel Zeit war vom „Spieli“ nachhause zu gehen oder etwas anderes geplant war. Das "Einläuten" macht ihm immer noch Freude, er lacht sich halb tot und läutet auch immer noch, wenn wir z.B. zu einer Familien-Feier aufbrechen und vor allem, da sich mal Nachbarn beschwert haben, wie nervig das sei: seit dem macht es ihm doppelt so viel Freude 😂
Als mein Blick heute auf die Glocke fiel, bemerkte ich, dass sie nicht das einzige hier im Haus ist, was bereits Geschichten erzählen kann.
Von dieser bemalten Ur-Alt-Wäsche-Truhe im Flur, die früher im Haus unserer Großeltern stand und sogar noch ein wenig intensiv nach Vergangenheit "duftet" bis hin zu dem Relikt, vor dem ich voller Angst erstarre:
Eine Schildkröte-Puppe die den Krieg überlebt hat...
Da ich wohl zu viele Horrorfilme gesehen habe, kann ich es nicht mal über mich bringen, ein Bild von ihr zu knipsen. Das Zimmer in dem sie sitzt wird von mir nur bei Tageslicht betreten und sogar der Gedanke, dass sie im Nachbarzimmer lauert jagt mir nachts eine Heidenangst ein. Dieser Blick… wuhaa...
Aber genug von ihr, nicht, dass sie wlan hat auf dem Dachboden und ich heute nacht fällig bin...
Insgesamt ist mir aufgefallen, dass ich die Präsenz der vergangenen Zeiten hier aktuell deutlich spüren kann.
Vermutlich, da ich mich aktuell in einem „inneren Winter“ befinde, wie es meine Heilpraktikerin ausdrücken würde und deshalb viel in meine Gedankenwelt eintauche.
Dieses Gefühl ist aber nicht negativ, sondern erfüllt mich mit Ehrfurcht und Dankbarkeit!
Denn wenn ich mich auf die alte Holzbank setze, die Opi in seiner Holzwerkstatt für unseren Garten geschnitzt hat, als ich ein kleines Mädchen war und auf die Decke schaue, die Vati beim „Bund“ abgeluchst hat, auf der nun die Katze in der Sonne liegt, wird mir warm ums Herz.
Ich liebe Vatis Geschichten darüber, wie er Decken, Bleistifte oder Jacken teilte, um dann an verschiedenen Tagen je eine(n) Neue(n) ein zu fordern. So besitzt er heute noch viele Dinge von damals, da er sie ja offiziell nie besessen hat.. ^^
Vieles fühlt sich dann in gewisser Weise relativiert an, denn von dem Moment, an dem meine kleine Schwester damals das erste Mal dieses Haus betrat und ich ganz Stolz war, über den freudigsten Moment bisher, als meine Mutter nach ihrer Zeit im Koma unerwarteterweise doch wieder erhobenen Hauptes zurück in dieses Haus gebracht werden konnte bis hin zum überraschenden Tod meiner Großmutter hier im Badezimmer ist einfach schon sehr viel passiert hinter diesen Mauern.
Da frage ich mich dann: „Wird mein aktueller Kummer wirklich ein so bedeutender Meilenstein sein?“
Und dadurch fühle ich mich gleich besser, denn die Vorstellung wie ich mit Familie in einigen Jahren hoffentlich fröhlich bei einem Glas Rotwein über meine schlechte Zeit 2018 lachen werde, lässt die Last gleich leichter werden.
Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich für heute von euch und frage mich, ob ihr dieses Gefühl kennt?! Dieses Gefühl, ein winziges Puzzle-Teil zu sein umrandet von Geschichte...
Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, die Zeit mit meiner Familie noch intensiver zu nutzen, um noch unendlich viele schöne, gemeinsame Geschichten zu schreiben, so lange man noch die Möglichkeit dazu hat.
-Mein Urlaubs-Countdown läuft übrigens erfreulicherweise auch: noch 4 Dienste, dann kann ich endlich für 2 Wochen dem Terror in der Kita entfliehen und mal in mich gehen, es mir gut gehen lassen und in Ruhe überlegen, wie ich mit allem weiter umgehen will.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!
Euch wünsche ich einen wunderschönen Abend!
Eure Yaraha 🌸
(Zum Abschluss passend zur Abluchs-Story meines Vatis bediene ich mich noch frech an 's toller Grafik 🤫)