Neben den ganzen Finanzen möchte ich auch noch einmal meine gewohnte Neujahrsansprache halten. Wenn jemand wie Merkel das hinbekommt, kann jemand mit viel zu vielen Worten wie ich das allemal doch auch.
2020 war ein sehr anderes Jahr. Das merke ich halt bereits darin, da ich normalerweise nun auf dem Chaos Communication Congress unterwegs bin und in einem kleinen digitalen Utopia lebte, wo eine egalitäre Gesellschaft zusammen kommt um voneinander zu lernen und neue Dinge zu entdecken. Für mich ist dies stets immer ein wenig der Rettungsanker im Jahr gewesen bei dem man endlich mal mit „normalen“ Leuten zusammen kommt.
All dies hat Corona mir dies Jahr genommen und entsprechend fühle ich mich auch am Ende des Jahres ein wenig verloren. Besonders traurig stimmt es mich dabei wie sehr in diesem Jahr die Gesellschaft radikal aufeinander losgegangen ist. Wenn ich bisher im Leben etwas gelernt habe, dann ist es, dass man sich stets auf Gemeinsamkeiten fokussieren sollte und nicht auf Unterschiede.
Es hinterlässt seine Spuren, wenn Corona-Leugner einen als „akzeptabelen Kollateralschaden“ einstufen. Ich habe stets das Verständnis gehabt, dass man in Krisenzeiten füreinander da ist und Solidarität plötzlich aufkündigt. Versteht mich nicht falsch, ich halte es für legitim, dass man Dinge hinterfragt und um bessere Lösungen ringt. Es macht für mich aber einen Unterschied in welchem Ton man dies macht. Gute Lösungen lösen schlechtere Lösungen ab.
Weite Teile der Gesellschaft scheint es aber nur noch darauf anzukommen frontal ineinander zu prallen und sich gegenseitig zu empören, anstatt iterativ für eine bessere Lösung zu ringen. Ich hoffe sehr, dass dies kein langfristiger Trend ist, sondern im nächsten Jahr besser wird.
So tun einige immer schon fast so als würden sie in einem totalitären Regime leben. Drama-Queens sind dies, die vermutlich nie wirklich mit totalitären Regimen beschäftigt haben. Trotzdem steht es außer Frage, dass es sehr bedenkliche Veränderungen in der Gesellschaft gibt. Nicht die Masken sind das Problem, sondern was sich unsere „Innenminister“ so haben in der Zeit einfallen lassen.
Ist irgend jemanden aufgefallen, dass die medial sehr ruhig sind? Das heißt keineswegs, dass sie nicht fleißig wären. Politiker, die die Unverletzbarkeit der Wohnung fordern, gehören unter Beobachtung des Verfassungsschutzes gestellt und sollten die Paulskirchenverfassung auswendig öffentlich rezitieren müssen und danach einer Prüfung unterzogen werden, ob sie es auch wirklich begriffen haben.
Ein EU-Rat der effektiv die Abschaffung vom Verschlüsselung fordert, sollte einen öffentlichen Aufschrei auslösen. Ein wenig die Mathematik biegen bis sie wieder politisch korrekt ist? Hier zeigt sich, warum Bildung so wichtig ist und warum eine schlechte Schulausbildung über Generationen hinweg abstrahlt und leiden lässt. Wer einen Grundkurs Mathe hatte und trotzdem so etwas fordert, der sollte direkt in eine Psychiatrie eingewiesen werden oder auf einen Schlaganfall untersucht werden.
Ja, das solche Leute frei walten können und uns politisch regieren ist ein Skandal, der seines gleichen sucht. Der Orwellsche Überwachungsstaat wird mit jedem Jahr immer ein wenig realistischer. Das die Leute gerade im letzten Jahr Orwell dann aber für alle möglichen Sachen missbrauchten, zeigt, dass die meisten es nie gelesen oder begriffen haben. Gerade die Teilung der Gesellschaft. Gerade die öffentliche Empörung. Gerade das Infragestellen von Bekannten… das ist der Stoff aus dem diese Dystrophie ensteht.
Je mehr eine Gesellschaft gespalten ist und brutal aufeinander losgeht, umso einfacher haben es gerade subversive Element an wichtige Positionen zu kommen. Gerade in solchen Zeiten sollten die Vernünftigen sich zusammen raufen und die roten Linien auf den Boden zeichnen um zu sagen: Bis hier und absolut keinen Schritt weiter!
Denn nur eine solch klare Ansage erzeugt auch wirklich so etwas wie eine Abschreckung. Wer moralisch flexibel bereit ist diese Grenzen zu übertreten nur um einen vermeidlichen Gegner zu bekämpfen, wird am Ende einfach nur noch ein riesiges Durcheinander bekommen.
Und ehe man sich versieht wird man als jemand mit Verschlüsselung der Kriminelle sein. Wird das Briefgeheimnis aufgeweicht und die Polizei immer mehr Befugnisse bekommen, um gegen kritische Element vorzugehen. Auch eine Demokratie hält dies eine sehr lange Zeit aus. Doch man muss radikalen Kräften nicht irgendwann einen totalitären Staat schlüsselfertig übergeben.
Bleibt kritisch im neuen Jahr, wagt aber auch öfters einmal zu akzeptieren, dass Menschen andere Meinungen haben und fokussiert Euch auf die Gemeinsamkeiten. Denn darüber kittet ihr die Gesellschaft mehr als ständig in eine Kerbe zu schlagen. Behandelt am Ende alle anderen Menschen mindestens genauso gut wie ihr selbst behandelt werden wollt. Würde das jeder machen, wären wir ein sehr gutes Stück weiter auf dem Weg in eine bessere Welt.
Als Pessimist bin ich skeptisch, dass wir damit in Zukunft erfolgreich sein werden. Und von daher kann ich Euch nur alle Gute im neuen Jahr wünschen. Das all Eure Träume in Erfüllung gehen. Das ihr und Eure Liebsten stets gesund bleiben. Am Ende bleibt mir dann nur der traditionelle Gruß des Kongress: Euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 1984! ;)