Hallo Freunde,
irgendwie beginnt das Jahr mit ner Menge Themen zu denen ich mich äußern kann und ich mache es auch einmal. Aktuell kursiert einiges zu den 1700 Generatoren, die das THW in die Ukraine geliefert hat und das diese jetzt fehlen würden. Dazu würde ich gerne ein paar Sachen sagen.
Vorweg, zur Kompetenz die ich dazu beitragen kann, ich habe eine Fachausbildung im Fachdienst Technik und Sicherheit des Bayerischen Roten Kreuzes, also der Einheit, die für den Betrieb von Notstromaggregaten in Szenarien wie in Berlin verantwortlich ist. Solche Aggregate gibt es in verschiedenen Größen, manche sind in der Lage ein Haus zu betreiben, andere einzelne Geräte. Was sie alle gemeinsam haben ist, dass sie mit Diesel laufen.
Vorweg, es gibt in Berlin Aggregate von THW, Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen die im Einsatz sind. Aber schauen wir uns das einmal näher an
Wenn man sich anschaut, welche Aggregate für die Ukraine beschafft wurden, dann stammen sie nicht aus den aktiven Einsatzeinheiten. Sie wurden mit Mitteln des Außenministeriums beschafft. Hier hat nur das THW die Beschaffung übernommen, da sie die Erfahrung darin haben. Diese Aggregate sind in Zivilschutzeinheiten in der Ukraine im Einsatz und haben ihren Schwerpunkt im Einsatz in Betreuungsstellen. Also ein Ähnlicher Einsatzbereich wie jetzt in Berlin
Wenn man sich das anschaut, könnte man meinen man könnte einfach mehr Aggregate nutzen, dann hat man einige Probleme. Man kann zwar Aggregate vorhalten, aber diese müssen einmal im Monat in Betrieb genommen werden um sie zu testen, ob sie noch funktionieren, sie müssen von Sommerdiesel auf Winterdiesel umgestellt werden und umgekehrt. Es ist eine Menge Wartungsaufwand. Dazu muss man diese Aggregate dann auch in den aktiven Einsatz bringen. Aktuell sind die Aggregate auf Fahrzeugen verladen und gehen mit diesen in den Einsatz. Im Einsatz an sich muss dann für jedes Aggregat ein Helfer abgestellt werden um es zu betreiben.
Und so kommt man dann zu einem Punkt, an dem man nicht mehr Aggregate als Helfer ausrücken lassen kann. Der Helfer muss einen Überblick behalten, wie viel Leistung am Aggregat hängt, den Treibstoff im Auge halten und Brandschutzmaßnahmen im Blick halten. Das kann man auch nicht einfach einen ungelernten Spontanhelfer machen lassen. Und je mehr Aggregate im Einsatz sind, desto mehr Helfer sind gebunden.
Wenn man sich jetzt überlegt, man hat Aggregate, dann kann man sich überlegen man könnte ja einfach die Häuser anschließen. Aber hier kommt man zu mehr Problemen, die wenigsten Häuser haben eine Einspeisung für ein Aggregat. Und die die es haben, da ist es nicht immer sinnvoll es auch zu machen, da man lieber Betreuungsstellen einrichtet, in denen mehr Menschen versorgt werden können.
Eine Standard Einsatztaktik dabei ist es, die Menschen in zentralen Betreuungsstellen unterzubringen und dort zu versorgen, da eine Gruppenversorgung einfacher zu realisieren ist. Hier werden die Notstromaggregate dann für Strom, Kochen und das Laden von Geräten genutzt. Hier ist es nun wichtig keine Überlast zu erzeugen, was der Job der Maschinisten ist, das im Blick zu halten. Pflegeheime werden bevorzugt evakuiert und in anderen Heimen untergebracht, was vor allem über mehrere Tage schwierig ist, da man dafür erstmal Betten organisieren muss, so dass viele Bewohner erstmal in den Notunterkünften unterkommen. Man kann auch Pflegebedürftige Menschen nicht einfach in ein Hotel stecken, das geht nach hinten los. Aber leider sind viele Pflegeheime damit überfordert. Sie müssen sich auch selbst bei den Behörden melden, was sie brauchen. Dafür werden inzwischen Schulungen angeboten, aber vor allem private Träger nehmen daran leider nicht teil.
Alles in allem ist die Situation in Berlin schwierig. So eine Versorgungslage bringt die Einheiten an ihre Grenzen, vor allem da die meisten davon Ehrenamtliche sind.