Mein Kommentar ist zu einem eigenen Beitrag geworden.
Neben dem Hinweis, den ich vor Lesen jenes Beitrags bereits gab (Link zu Kommentar und Beitrag [1]) will ich friedvoll anmerken, dass - und inwiefern - ich den Beitrag für fehlleitend halte.
Westliche Traditionen sind sicher vielfältiger, als darin dargestellt. Ich bin ausreichend entschult, um behaupten zu wollen, dass mein Leben mit dem als indigen beschriebenen Wertesystem übereinstimmt. Es gibt jedoch einen Aspekt der noch nicht genauer herausgestellt ist, den ich betonen mag, der NICHT vereinbar ist; und auch in meinem Leben (noch) nicht stimmig ist. Ich will diesen Aspekt in Anlehnung an den Begriff "westlicher Nationen" mal so nennen: Alltagsnationalismus. Trefflicher ist jedoch vermutlich, gleich von Mater-/Paternalismus zu sprechen. Heute würde ich es gar Adultismus nennen, doch dazu gleich mehr.
Es wird viel verhandelt und besprochen in allen Kulturen. Westliche Wertesysteme kennen auch Win-Win. Doch einen Bereich gibt es, bei dem eindeutig zu undeutlich gesprochen wird - oder auch nur zu wenig hingehört!
Verdeutlicht hat mir all das, was so schwer in wenige Worte zu fassen ist, unter Anderen mein Sohn; noch bevor er sich auf den Bauch drehen konnte. Ich hörte hin und nicht weg (ich hatte zu der Zeit Jean Liedloff gelesen!) und erlebte eine langwierige, eigene Wandlung meiner Wahrnehmung. Das meiste jedoch, was meine bisherige Kultur ausmachte, brauchte ich nicht zu verändern. Ich war schon immer ein friedfertiger Mensch. Und ich war nicht allein, bei weitem nicht!
Ich betrachte heute drei bzw. vier ineinanderübergehende soziale Systeme: Selbst, Familie/Freunde, Umfeld, Gesellschaft. Und wo immer sich dort Adultismus ausbreitet, ist es heilsam, sich in das jeweils liberalistischere Umfeld zu begeben. Dies darf dabei nicht verwechselt werden mit sogenanntem Neo-/Neuliberalismus, bei dem es um Ausbeutung geht und nicht um Verantwortung.
Bemerkenswert in dem Zusammenhang ist mir eine Darstellung, die ich Norberto Bobbio zuschreiben mag. Er beschreibt darin, inwiefern weder Demokratie noch Absolutismus auf einer gemeinsamen, konzeptionellen Achse mit den beiden zuvor beschriebenen sozialen Orientierungsmustern Adultismus und Liberalismus liegt. Und so betrachtet, ist es auch keine Frage der Herrschafftsqualität, um vorhersagen zu können, ob sich eine Gesellschaft heilsam entwickelt. Einzig der grad der Entschulung macht m.E. den Unterschied, mag ich behaupten. Warum nun plötzlich Entschulung?
Ich hatte Bobbio gelesen, schon 10 Jahre bevor ich seinen Text erneut in die Hand nahm und die Zeichnung gestaltete. Inzwischen ist erneut ein Jahr vergangen. Erst heute kommt mir der schon verwendete, weitere Begriff des Adultismus in den Sinn, der unabhängig vom Geschlecht m.E. viel besser trifft, worum es bei überbordendem Mater-/Paternalismus geht: Die Vorstellung davon, jemand sei zu alt oder zu jung, um Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Und wie anders kann jemand das lernen, ohne es zu tun?
Und wieder lauern hier Missverständnisse. Von Laissez-faire ist dann schnell die Rede oder heute von Unerzogen. Doch bei eigenen Entscheidungen geht es nicht darum, dass junge Menschen alle Freiheiten bekommen, zu denen ihnen Eltern (Familie/Freunde), Nachbarschaft (Umfeld) oder Landesregierung (Gesellschaft) verhelfen können. Vielmehr geht es darum, Entscheidungen im Einvernehmen zu treffen. Hier sind jedoch Absprachen nur in zweiter Linie wichtig. An erster Stelle steht die Frage, wessen Angelegenheit etwas ist, an einer Entscheidung beteiligt zu sein. Beschulung und Adultismus stehen hier Seit' an Seit'.
Der Hinweis auf Bühnenkunst, den ich unter jenen Beitrag kommentierte, ist m.E. trefflicher Ausdruck, inwiefern Friedfertigkeit auch in westlichen Kulturen zum Ausdruck kommt. In westlichen Kulturen wird jedoch auch große Verwirrung betrieben, um friedfertige Moralvorstellungen (nicht) klar benennen zu können. Zur Minute wüsste ich nur, mich dies betreffend zu wiederholen. Auch Bobbio verstand ich nicht beim ersten Mal. D'rum gib uns bitte etwas Zeit.
Die von Norberto Bobbio gegenübergestellten Begriffe in einer Ansicht mit präziser Quellenangabe siehe [2].
Quelle: pixabay
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[2] Power in present, past, and future - Macht in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft
https://steemit.com/zeitgeist/@andrepol/power-in-present-past-and-future-macht-in-gegenwart-vergangenheit-und-zukunft