Eine Sache die man immer wieder von Leuten hört ist, dass an der Börse ja ständig Krise sei. Dies kommt zumeist von Menschen als Aussage, die überhaupt nicht an der Börse investiert sind und diese auch überhaupt gar nicht nachverfolgen. Aber es ist natürlich ein ganz hervorragendes Argument dafür, dass man auf gar keinen Fall sein hart verdientes Geld in irgend etwas investieren darf, sondern das es bei der Bank auf dem Sparkonto vor sich hin oxidieren muss.
Woher der Eindruck entsteht, dass an der Börse dauernd immer nur Krise gehört ist mir ein wenig rätselhaft. Immerhin gibt es doch direkt vor der Tagesschau immer einen kurzen Einblick und dort wird keineswegs nur negativ berichtet. Gerade die Älteren sollten daher durchaus auch eine andere Wahrnehmung mitbekommen. Vermutlich schalten einige dann aber von den Borderline-Soaps erst kurz vor 8 um.
Natürlich stimmt es, dass gerade die Mainstream-Medien immer nur dann über die Börse berichten, wenn es insgesamt einmal wieder abwärts geht. Knackt man irgendwelche wichtigen Barrieren nach unten oder es gibt irgendwo gerade einen Skandal, der einen Titel gen Süden befördert, dann gibt es meist einen Artikel dazu. Man ist als Börsianer dann immer ganz verwundert, dass es ausgerechnet nun heute diese Nachricht auch wirklich in die Medien geschafft hat.
Zumindest gefühlt sind es wirklich mehr die negativen Nachrichten, die es auf diese Weise in die Veröffentlichung schaffen. Zwar gibt es eben immer wieder auch mal einige gute Nachrichten, meist aber eben eher bei Fusionen oder neuen Investoren oder eben wenn irgendwelche psychologischen Grenzen genommen wurden... und sei es nur für ein paar Minuten.
Nun kann man natürlich mit dem Finger auf die Mainstream-Medien blicken und sagen, dass diese schuld sind. Wer aber wirklich eine Weile aktiv den Markt verfolgt, wird feststellen, dass gerade auch die Marktnachrichten auch nur mäßiger Qualität sind. Ich bekomme immer schon das schmunzeln, wenn mal wieder geschrieben wird „K+S vor der Aufholjagd!“ (oh, was für ein Zufall: https://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/K+S-Aktie-Bereit-fuer-die-Aufholjagd-1028033465). Solche Nachrichten gab es über die schon lange bevor sie aus dem DAX geflogen sind...
Verständlich, dass einige Leute skeptisch werden, wenn sie ständig Nachrichten von Krise lesen oder irgendwelche „Aufholjagden“, die dann in sich verbuffen. An der Börse gibt es eigentlich nur drei Arten der Kursprognose: Bauchgefühl, Charttechnik und Fundamentalanalyse. Je nach Strategie und Anleger eine Permutation aus allen oder nur teilen davon. Was aber in jedem Fall immer fehlt ist: Wissen! Absolut niemand (und spielt er sich noch so selbstsicher auf) ist in der Lage in die Zukunft zu blicken.
Ja, selbst die ach so überlegenden Trading Bots, die in einem Bruchteil von Sekunden Entscheidungen treffen arbeiten am Ende eben doch nach diesen Regeln und wissen auch nicht die Zukunft vorher, sondern suchen nach Mustern. Gerade die Börse ist aber immer sehr gut darin eben diese Muster strafen zu lernen, womit es eben keinen Garanten dafür gibt, dass Kurse immer nur steigen.
Distanziert man sich also erst einmal von dem Gedanken, dass es einen „richtigen Weg“ gibt, kann man sich darauf fokusieren einen „guten Weg“ zu nehmen. Wie dieser genau meiner Meinung nach aussieht, möchte ich heute hier gar nicht thematisieren, aber es gibt viele bekannte Strategien, die erstaunlich simple sind und trotzdem gut funktionieren.
Nehmen wir also einmal mein eigenes Aktien-Portfolio zur Hand und schauen uns einmal die letzten 2 Jahre genauer an. Wer hier bereits eine Weile dabei ist weiß, dass mein letztes Jahr nicht besonders lief und seit Jahren eines war bei dem ich im Minus abgeschlossen habe. „Aha!“ würde der Skeptiker sagen! „Die kriegen mein sauerverdientes Geld nicht!“. Doch habe ich wirklich etwas verloren? Lasst uns mal vom emotionalen Ballast losmachen und einfach auf den Performance-Chart blicken:
Man sieht darin fast alle Dramen über die ich hier ja teilweise geschrieben habe. Das schwache Frühjahr 2017. Der Frühjahrescrash 2018 bei dem ich mit meinen RIB-Aktien extrem unter die Räder gekommen bin (-50%). Man sieht auch wie lange dieses Tränental dann gehalten hat bis es sich danach wieder erholt hat. War da überhaupt etwas? Man sollte anmerken, dass dies nicht die RIB-Aktien waren die da zur Rally ansetzten, sondern eben vorwiegend die anderen Aktien. Mit RIB geht es erst jüngst wieder ein wenig nach oben.
Und sehr schön sieht man eben auch das Q4 2018 was ich hier auch schon oft als extrem schlechtes Quartal eingestuft habe. Dort gab es für fast alle Aktien nur einen Trend und der ging nach unten. Am Ende sieht man, dass ich kurz nach Weihnachten sogar einmal die 0%-Barriere erreicht habe und wirklich ins Minus gerutscht bin.
Hat es mich gestört? Emotional natürlich. Niemand sieht gerne in einer immer chaotischer und unsicheren Welt einen Trend der stabil nach unten zeigt. Habe ich dabei aber Geld verloren? Nein. Denn ich habe nicht verkauft und einfach die Situation ausgesessen. Ich kenne genügend Leute die in Panik verkauft haben, weil nun der große Crash bevorstünde. Niedrige Kurse sind doch super! Wenn dann der 30%-Crash kommt, verliert man viel weniger! Einen solchen Humor können Investoren in der Situation meist leider nicht teilen :D
Aber sieht man sich nun nur das Q1 2019 einmal an, sieht man, dass es sich solide weiter nach oben entwickelt hat. Der Freitag war extrem bescheiden, aber sonst wären es gerade einmal 1% bis man wieder beim Anfang Q4 stehen würde. Nun sind es gerade mal 2%. Und vergleiche ich also die letzten 2 Quartale, dann bin ich im Minus. So kurz vor der deutschen Dividendensaison bin ich da aber recht relaxt, weil selbst im Seitwärtsmarkt mich dies darüber hievt.
Je nachdem welche Skala man beim Chart wählt, kommt man also leicht zu unterschiedlichen Aussagen. Und genau das ist eben auch immer der „Trick“ der gerne von Charttechnikern genommen wird, um das eine oder das andere zu zeigen.
Aber man sieht an den von mir willkürlich gewählten 2 Jahren einige Dinge sehr schön. Das Q4, dass nahezu überall (selbst bei Warren Buffett) riesige Krater in die Performance gerissen hat, kann ein Quartal weiter bereits wieder nahezu vergessen sein ohne das man viel Geld verliert. Und zum anderen, dass ich auf 2 Jahre hinweg rund 9% zum aktuellen Zeitpunkt gewonnen habe, während der Sparer ca. bei -4% liegt. Während der gesamten letzten 2 Jahre hätte ich zu nahezu jeden Zeitpunkt verkaufen können und wäre am Ende mit Plusminus-Null dabei raus gekommen, selbst in richtig finsteren Zeiten.
Nun könnte natürlich jemand sagen, dass ich halt ein außerordentlich gutes Depot habe! Ich würde ein wenig rot werden und zustimmend nicken. Aber ist das wirklich so? Ich stelle hier ja meine Titel regelmäßig vor und man wird dabei kaum etwas finden, was wirklich eine „große Überraschung“ wäre und ein extremer Geheimtipp. Infineon, BASF, Unilever, Coca Cola, Proctor & Gamble, Allianz... erscheint das irgend jemanden nach einem exotischen Depot? Es sind ganz normale Bluechips.
Und natürlich sind Gerüchte war und ich bin in der Lage durch dunkele Rituale in die Zukunft zu blicken. Doch um dies effektiv betreiben zu können ist leider der Ziegemarkt zu klein. ;) Ja, ich mache mich gerade ein wenig lustig über jene, die sich ständig dem Aktienmarkt verweigern mit dem Verweis, dass man dort Geld verlieren kann.
Selbstverständlich kann man dort Geld verlieren. Natürlich gibt es Strategien mit denen man seine Verluste massiv abfedern kann. Und wie man eben sieht, kann man mit der Performance trotzdem sehr weit über dem liegen, was man als Sparer einfährt. In einem schlechten Jahr 2018 habe ich den gleichen Verlust erlitten wie der Sparer. Das tut natürlich weh!
Aber im Gegensatz zu diesem bin ich nun im Plus und nicht im Verlust stecken geblieben. Wie soll man da den wirklich glaubhaft vermitteln, dass man an der Börse sein hart verdientes Geld nur verlieren kann? Ignoriert mal ein wenig die Medien und löst Euch von negativen Erwartungen und meist sieht das Ergebnis dann wesentlich besser aus als es sich zunächst angefühlt hat.
Ich hoffe sehr, dass ich mit diesem Artikel einige jener abholen konnte, die nun wieder an der Seitwärtslinie zusehen und sich sagen, dass man so kurz vor dem Crash ja nicht in den Markt will. Seit 2015 liest man jedes Jahr vom großen Crash. Er wird kommen und es wird Leute geben, die sich ganz empfindlich daran verbrennen werden. Agiert man aber langfristig genug, spielt dies für einem keine Rolle und man realisiert die Verluste nicht bereits zuvor durch Nichtstun.
Dies ist keine Empfehlung für Wertpapier in diesem Artikel. Der gesamte Artikel spiegelt meine eigene Erfahrung und mein eigenes real existierendes Portfolio wieder. Lasst Euch nie emotional vereinnahmen durch Berichte oder Analysten, sondern trefft Entscheidungen nach Eurer persönlichen Strategie und Bezurteilung. Dann kann weniger schief gehen als man dies zunächst vielleicht erwarten würde