Wenn jemand neu in dem Bereich der Aktien ist, liegt sein Fokus meist bizarrerweise darauf, dass man Verluste begrenzen will. Das ist von daher überraschend, da man eigentlich ja eher gerade investiert ist, um Gewinne zu machen. Aber natürlich kann man nachvollziehen, dass man gerade als Privatanleger auch sehr stark daran interessiert ist einen Werterhalt anzustreben.
Meist dauert es nicht lange bis die Leute dann irgendwann beim Begriff "Stop Loss" landen und dort ein Instrument finden, dass vermeidlich dafür sorgt, dass man seine Verluste begrenzen kann. Es folgen dann meist wirre Gedanken und sehr lange Recherche darum, wo man den optimalerweise sein Stopp Loss platzieren soll. 10%? 15%? 20%? Oder macht man doch lieber eine Chartanalyse und setzt sein Loss irgendwo etwas unter dem letzten Tiefpunkt?
Fragt man mich, erspare ich meist längere Diskussionen und Erklärungen zu dem Thema. Ich werbe meist eher darauf, sich ganz von einem Stopp Loss zu verabschieden und sich lieber darauf zu konzentrieren qualitativ hochwertige Aktien zu suchen. Ich habe mein Depot bereits einige Male mit Leuten vergleichen können, die sehr diszipliniert Gebrauch von Stop Loss machen. Meist sah das Ergebnis wesentlich schlecht aus als bei mir.
Zum einen sollte man sich nicht selbst betrügen. Betreibt man eine Chartanalyse um den Stopp Loss Punkt zu ermitteln, kann schnell viel Zeit dabei drauf gehen. Diese sollte man auch kalkolatorisch berücksichtigen und nicht so tun als würde es von alleine gehen. Effektiv gesehen entstehen dort kosten, selbst wenn man diese nicht sieht: Immerhin verbrennt ihr Eure wertvolle Freizeit!
Das zweite Problem daran liegt, dass je nach Marktumfeld es durchaus bei jedem Titel zu heftigen Verlusten kommen kann. Jeder Titel hat einen Punkt an dem er mal stark einbricht. Die meisten davon kommen danach aber auch wieder genauso gut raus. Wieso also von einem Titeln trennen, wenn man weiterhin von ihm überzeugt ist?
Meine BASF ist ein gutes Beispiel dafür. Gekauft bei 85, abgestürzt auf 58, nun wieder bei 92. Natürlich hätte ich vermutlich mehr Geld, wenn ich es bei 85 verkauft hätte, bei 58 wieder gekauft hätte! Aber machen wir uns nichts vor. Niemand weiß, wann genau die Wende kommt und vielleicht wäre es ja nur bis 75 runter gegangen und hätte dann wieder gedreht. Dann hätte ich dort gestanden mit einer Menge Bargeld, hätte einen Verlust realisiert und keine Aktien!
So habe ich keinen Verlust realisiert, habe Dividende kassiert und bin nun auf einem guten Level. Ich könnte zig Beispiele dafür geben, wo Aktien, die stark abgestürzt sind, sich mittelfristig wieder gut erholt haben. Daher habe ich üblicherweise kein Stopp Loss drin, außer ich habe mich sowieso bereits mental von der Aktie getrennt und warte nur noch darauf, dass ein günstiger Zeitpunkt für den Verkauf kommt. Dann wird ein enges Stopp Loss gesetzt, der ausgelöst wird. Will ich drin bleiben, gibt es keinen!
Den die meisten Stopp Loss sind unlimitiert. Sie werden augelöst an der Schwelle und danach erfolgt der Abverkauf. Schmiert die Aktie hoffnungslos ab, verkauft man sie vermutlich sogar zu einem wesentlich niedrigeren Wert als den Stopp Loss selbst - schlichtweg, weil es keine Käufer mehr zu dem Preis gibt! Der Absicherungseffekt ist daher auch meist eher eine Illusion!
Von daher mein Rat: Beschäftigt Euch weniger mit den Stopp Losses und konzentriert Euch lieber darauf wirklich gute Titel an der Börse zu finden, wo ihr Euch sicher seit, dass diese auch langfristig funktionieren werden. Dies ist viel wichtiger als eine ständige "Absicherung" zu betreiben!