Eine Sache über die vielen Aktieneinsteiern stopern ist irgendwann die Erkenntnis, dass es mehr als nur eine Aktienart gibt. Als wäre das Thema für sich genommen nicht schon kompliziert genug, fangen nun noch Leute von Stammaktien und Vorzugsaktien zu reden. Doch davon nicht abschrecken lassen, der Sachverhalt ist eigentlich sehr einfach.
Zunächst betrachten wir also einmal die „Stammaktie“, die eigentlich der einfachste und gängigste Fall einer Aktie ist. Kritiker die Aktien nicht verstehen denken oft, dass eine Aktie eben nur ein Wertpapier ist. Ein Stück wertloses Papier für das man viel Geld bezahlen muss. Das ist allerdings grundlegend falsch. Eine Aktie ist ein verbriefter Besitz eines Unternehmensanteils.
Wenn Du eine Million Euro für eine neue Firma auf dem Weg bringen willst, allerdings nur 500.000 hast, dann besteht eine Möglichkeit darin Aktien auszugeben. Du würdest z.B. das Unternehmen in 1 Million Stücke aufteilen. Du selbst erhälst 500k und gibst dein Geld ins Unternehmen rein. Die restlichen 500k verteilst Du an andere interessierte Leute, die dir eben auch immer einen Euro dafür geben. Auf diese Weise bekommst Du die Million zusammen. Man spricht hier auch vom sog. „Stammkapital“ also dem Nennwert den dein Unternehmen über die Aktien hat.
Da Du üblicherweise aber nicht soviele Leute im direkten Umfeld hast um deine Aktien an den Mann bzw. Frau zu bringen, findet der Verkauf zumeist in Form einer IPO an der Börse statt. Da es dort einen Wettbewerb gibt, kann es sein, dass deine Aktienanteile über dem 1€ verkauft werden, da Leute Wachstumschancen sehen und bereit sind über den inneren Wert der Aktie hinaus Geld zu bezahlen.
Eine Stammaktie ist nun eine reguläre Aktie. Den Du erwirbst nicht nur formal ein Stück des Unternehmens. Ähnlich wie bei einer Beteiligung einer Personengesellschaft gehört Dir auch ein Teil des Unternehmens (allerdings ohne Haftungsrisiko!). Du möchtest also auch an den Gewinnen beteiligt werden und gleichzeitig eben auch Chef sein. Da es nun aber schlecht wäre, wenn es plötzlich 1000 Chefs im Unternehmen gibt, die sich ins Tagesgeschäft einmischen, wird in der Regel ein Vorstand ernannt, der das operative Geschäft führt.
Deine Mitbestimmung wird daher als „Stimme“ aufgefasst mit der Du im Unternehmen mitreden kannst. Mit dieser Stimme kannst Du wichtige Entscheidungen im Unternehmen mitbestimmen, Anträge stellen und auch den Vorstand auswechseln. Du bist schließlich der Chef! Dies findet üblicherweise auf der Hauptversammlung des Unternehmens statt, kann aber auch in Form von außerordentlichen Versammlungen erfolgen z.B. wenn es Übernahmeangebote für das Unternehmen gibt.
Am Ende des Geschäftsjahres gibt Dir eine Stammaktie auch einen Zugriff auf einen Teil der Gewinne in Form von Dividendenansprüchen. Je nachdem wieviele Aktien Du hälst, bekommst Du auch hier einen entsprechend großes Stück des Kuchens ab. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Aktionäre sich gar nicht so sehr für die Mitbestimmung im Unternehmen interessieren, sondern eigentlich nur auf die Dividende aus sind.
Deswegen geben Unternehmen manchmal sog. „Vorzugsaktien“ heraus. Dies ist ein sehr deutsches Phänomen, dass nicht nur Junganleger, sondern auch so manchen ausländischen Investor verzweifeln lässt. Zwar gibt es diese Konzepte dort auch, allerdings sind sie sehr viel seltener als hier in Deutschland.
Bei dieser Aktienart verzichtet man freiwillig auf seine Mitbestimmung im Unternehmen. Diese bleibt in Hand des Unternehmens selbst. Als Ausgleich erhält man allerdings eine höhere Dividende bei der Ausschüttung ausgezahlt als bei einer Stammaktie. Man verkauft quasi seine Stimme gegen bares. Dies kann gerade für Kleinaktionäre sehr interessant sein, da die wenigsten von uns wirklich an einer Hauptversammlung teilnehmen werden. Zum einen lohnt sich dies zeitlich nicht, da die wenigsten Firmen diese um die Ecke abhalten. Zum anderen hat man meist sowieso nur so geringe Anteile, dass die Banken und Konsortien einen leicht überstimmen können.
Welche Art von Aktie sollte man also den Vorzug geben? Dies hängt vom persönlichen Geschmack ab. Wem es ausschließlich um das Geld geht, der sollte sich durchaus die Vorzugsaktien eines Unternehmens ansehen. Ich persönliche Vertrete (als Kleininvestor wohlgemerkt) die Meinung, dass man als Investor auch stets eine gewisse Verantwortung inne hat und bevorzuge es normalerweise das Stimmrecht zu behalten und sofern mir möglich (z.B. über Briefwahl oder Delegation) wahrzunehmen und nicht nur die Hand aufzuhalten.
Das mag finanziell dumm sein, aber ich fühle mich eben als Kleinaktionär doch eben besser, wenn man z.B. dem Angebot einer feindlichen Übernahme entgegen gestellt hat, obwohl die ganzen Großaktionäre eingeknickt sind. Selbst wenn es nichts am Ergebnis ändert ;)