Eine wichtige Weisheit, die ich immer gerne an andere Leute weitergebe ist: „The quieter you become, the more you can hear“. Ursprünglich kenne ich diese eigentlich aus dem Bereich Hacking, würde sie inzwischen aber als universelle Empfehlung aussprechen. Wer ständig nur am Quatschen ist, wird so manches in der Welt nie wahrnehmen.
Heute beim Schwimmen z.B. waren zwei Hausfrauen, die sich über ihre Finanzen unterhalten haben während sie brav nebeneinander schwammen. Die eine war sehr unzufrieden mit ihrer „Hausbank“ und klagte ihr Leid, dass es so ja so unglaublich schwer sei eine gute neue Bank zu finden. Eine solche Erkenntnis ist grundsätzlich ja bereits schon einmal gut und viel zu viele Menschen lassen sich immer noch von einer regionalen Bank ausnehmen und verarschen.
Die andere began umgehend über ihren intelligenten Mann zu schwärmen. Dieser habe ja ein Computerprogramm, wo er erst neulich eine ganz gute Bank gefunden hat bei der es 0,1% auf sein Geld gibt. Sie würde ja überhaupt nicht wissen, was sie bloß ohne ihn machen würde.
Dies war dann der Moment in dem ich fast vor Schreck im Becken abgesoffen wäre, weil es soviele Aspekte daran gab, die falsch gewesen sind. So kriege ich regelmäßig einen Rappel, wenn die Leute „Programm“, „App“ und „Webseite“ nicht voneinander unterscheiden können. Kommt schon! Auch als Laie sollte man da ein wenig Verständnis drüber haben.
Doch auch jenseits davon demonstrierte die liebe Frau, dass sie einige eklatante Wissenslücken aufweist. Der größte Vorwurf hier wird wohl sein, dass sie nie gelernt hat sich um ihre eigenen Finanzen zu kümmern. Ein Schicksal, dass sie mit sehr vielen Zeitgenossen teilt und eine Sache ist, die ich durchaus anklage. Nicht nur Banken sind ein echter Wohlstandskiller, sondern vor allem auch schlechte Beratung im Freundeskreis.
Für eben diesen kann absolut niemand etwas. Die einen haben durchaus Leute mit Wissen dabei, die Anderen eben nur Unwissende. Dies ist nichts schlimmes. Wichtig ist nur, dass man zumindest selbst soviel Wissen darüber hat, dass man die einen von den Anderen vernünftig unterscheiden kann. Etwas das hier offenbar vollständig fehlte.
Das der Mann als intelligent wahrgenommen wird, nur weil er ein „Programm“ oder in diesem Fall vermutlich eine Webseite genutzt hat, unterstreicht dabei das doch eher schlichtere Gemüt noch ein wenig. Und nicht nur eben ihres, sondern auch die des Mannes. Denn es ist keine Leistung eine Webseite zu nutzen und jeder der dies tut, sollte sich bewusst darüber sein, dass die Gegenseite dies nicht zum Spaß macht, sondern eben um etwas zu verdienen.
So ohne nun weiter nach diesem Angebot zu suchen, bin ich mir fast sicher, dass es sich um ein zeitlich befristetes Lockangebot handelt. Vermutlich wird es irgend so ein Vergleich42-Portal gewesen sein, wo so etwas durchaus üblich ist. Nett um vielleicht mal eine erste Recherche abzuschließen, nicht aber um dort ernsthaft irgendwelche Produkte nachzuschlagen. Schon aus dem Wissen heraus, dass ein Zwischenhändler immer auch etwas essen will.
Noch schockierender ist jedoch, dass man sich hier bereits über eine Rendite von 0,1% freut. Ich bin fast schon gewillt gewesen zu fragen, ob sie überhaupt über den Zeitraum bewusst ist. Vermutlich denkt sie noch, dass dies ein Tageszins oder so etwas sei. Eine Rendite die praktisch eine Verarmung bedeutet, da am Ende des Jahres durch die Inflation weniger Geld da ist als zuvor. Darüber kann man sich freuen... sollte es aber eher nicht tun...
Wer absolut strunzdämlich in Sachen Finanzen ist, kann durch ein einfaches Invest in einem breit aufgestellten ETF locker seine 5% im Jahr dort heraus holen. Vielleicht nicht gerade garantiert am Tagesende, aber gewiss bereits nach ein paar Jahren wesentlich mehr als das, was diese Frau bei sich auf dem Konto vorfinden wird.
Darüber hinaus muss man noch feststellen, dass diese Information keineswegs auf Grund einer Frage zu Stand kam, sondern sie es bereitwillig ausplauderte. Offensichtlich weil sie besonders Stolz über die Leistung ihres Mannes gewesen ist. Klassischer Fall von kollektiven „overconfidence bias“ der jeden von uns in irgend einer Form befällt und eben entsprechend blind macht.
Läuft es einmal gut, hält sich jeder für den Starinvestor und bekommt zumeist kurz danach irgendwann eine Quittung dafür. Es lohnt sich also immer ein wenig Demut vor dem Markt zu haben und durchaus auch einmal zu akzeptieren, dass dieser im Schnitt weiser sein wird als man selbst. Das man wirklich gute Gründe haben sollte, wenn man sich wirklich ihm entgegen stellt.
Hier ist man aber so stolz auf etwas, dass man mit einer simplen Google-Anfrage hätte zerstören können, dass man damit noch im Freundeskreis prahlen geht. Wäre ich Verkäufer oder Berater würde ich mir vermutlich den Namen geben lassen, weil hier ein wirklich lukratives Geschäft auf mich warten würde. Das ein solcher Mensch versteckte Kosten finden würde, ist nahezu ausgeschlossen.
Und natürlich verfehlte ihre Aussage auch nicht ihre Wirkung und die andere wollte begeistert, dass er ihr auch mal dieses „Programm“ installiert. Spätestens hier kann man noch sehen, wieso sich schlechte Ideen in der Gesellschaft meist fast viral verbreiten. Aber das würde zu weit führen.
Ich entschloss mich lieber wieder auf meine Sache zu fokusieren und meine Bahnen zu absolvieren. Zwar juckte es mir unter den Fingern einfach mal dazwischen zu gehen und laut „HALT!“ zu schreien. Aber wir leben am Ende eben in einem freien Land, wo jeder das Recht hat sich selbst zu Grunde zu richten. Zumal ein Einmischen meinerseits sicherlich als unangenehme Störung empfunden wurde. Abgesehen davon, dass es meine Lebenszeit gekostet hätte.
Am Ende ist es doch eine gute Nachricht für all jene unter uns, die wenigstens ein wenig selbst um ihre Finanzen kümmern. Ich will gar nicht zu den 1% dieser Welt gehören. Mir reicht es absolut aus die unteren 80% zu schlagen und hier habe ich heute bereits 2 Menschen kennenlernen dürfen, die sich bereitwillig an das untere Ende platzieren und dabei noch lebensfroh sind (zunächst!).
Leider packt mich nun doch irgendwie das schlechte Gewissen und zwingt mich hier doch einmal darüber zu schreiben. Man kriegt nicht aus jedem Menschen einen guten Investor gemacht. Aber jemand der sich auch nur ein wenig Mühe gibt, wird einen sehr großen Teil der Bevölkerung locker schlagen können. Insbesondere hier in Deutschland, wo finanzielle Bildung langsam den gleichen Stellenwert wie... Bildung hat.
Drum sorge dafür, dass Du wenigstens soviel Wissen hast, dass Du erkennst, wenn jemand Dir wissentlich oder unwissentlich Blödsinn in finanziellen Fragen erzählt. Und sollte auch dies Dir immer noch ein zu kompliziertes Unterfangen sein, halt einfach mal die Klappe ... und höre einfach ein wenig mehr zu :)
... und ein wenig über das Gehörte nachzudenken, kann eigentlich auch nie wirklich schaden. Dies ist kein Appell dafür andere Leute Gespräche abzuhören. Aber wer in der Öffentlichkeit mit Dummheit prahlt, muss damit rechnen gehört zu werden.