Im letzten Post habe ich ja ein wenig über die reinigenden Kräfte des Marktes geschrieben. Dabei ist dies tatsächlich ein sehr liberitärer Ansatz einen solchen gesellschaftlichen Prozess zu beschreiben. Er klingt logisch, er ist nachvollziehbar und gleichzeitig stoßen sich immer sehr viele Menschen gleichzeitig daran, weil es eben sehr technokratisch und kalt ist.
Gerade aktuell bekomme ich allerdings gerade aus dem Bekanntenkreis immer wieder auch sehr ernste Gespräche zugetragen, die sich allesamt immer um das Thema „Existenzangst“ drehen und tatsächlich ist dies vermutlich auch immer nicht ganz unbegründet. Denn wir durchleben momentan ja durchaus einer der schärferen Krisen, die die junge Generation, allerdings eben auch meine und die Generation davor durchlebt haben.
Dies nun einfach zu verharmlosen ist sicherlich der falsche Weg. Und nun sich einfach auf die selbstheilenden Kräfte des Marktes zu berufen, wird einige Leute eher mehr verunsichern als das sie irgend eine Form von Hoffnung aufschnappen werden. Das Thema ist eben gerade dadurch sehr schwer, da die Ängste der Menschen sehr individuell sind. Ich versuche daher heute einmal ein paar Aspekte anzusprechen und mal auf meine nüchterne Art zu erklären.
Einer der großen Arbeitslügen sind eben, dass man als Angestellter ein „sicheres Arbeitsverhältnis“ hat. Fast jeder wird dies bereits gehört haben und auch irgendwo insgeheim sich wünschen. Es ist aber eine der größten Lügen, die es gibt und gerade jetzt in der Krise werden es leider auch sehr viele Arbeitnehmer merken. Sobald sie nicht mehr nützlich sind, werden sie entlassen. Soviel zum Thema Sicherheit!
Der Selbstständige muss selbst aktiv werden um sich seine Arbeit zu suchen. Als Angestellter tut dies jemand für einen und man arbeitet diese dann nur noch ab. Bleibt diese Arbeit allerdings aus, wird man genauso auf die Straße gesetzt wie ein Selbstständiger der keine Arbeit mehr findet. Mit dem einzigen Nachteil, dass der Selbstständige den Risikoaufschlag bezahlt bekommt, während er beim normalen Arbeitnehmer unsichtbar ist.
Auch höre ich immer wieder, dass Leute sich auf Grund ihrer Position in Sicherheit wiegen. Hört auf mit dem Quatsch! Wenn es hart auf hart kommt, wird man realisieren, dass man die billigen Arbeitskräfte, die die Drecksarbeit machen braucht und da das Management zur Chefsache wird, man die Ebene dazwischen gar nicht so sehr braucht. Es ist nicht selten, dass eben gerade auch „wichtige Positionen“ gerne in Krise einmal aussortiert werden.
Es ist eine urbane Legende der Linke, dass immer das schwächste Glied aussortiert wird. Kommt es zur „heilenden Selbstreinigung“ werden gerade jene aussortiert, die es sich besonders bequem gemacht haben und nicht ausreichend produktiv sind. Dazu gehören leider eben oft auch ältere Menschen, aber halt auch gerne das mittlere Management, dass sich oft auf einen sehr sicheren Stuhl wägt und dann aus allen Wolken fällt, wenn es den Hut nehmen muss.
Macht Euch keine Illusion, dass ihr sicherer seid als andere. Ihr seid im Arbeitnehmer-Bordell eben auch nur eine Edelhurre, die man mit besonderen Gimicks versucht hat bei der Stange zu halten. Sobald es bessere Alternativen gibt, wird es genutzt werden. Bildet Euch also NIEMALS etwas auf Eure Position ein. Es gibt ja durchaus Fälle in denen ein niederes Management damit beauftragt wurde Leute zu entlassen und danach selbst den Hut nehmen musste. Ist halt bequemer so herum.
Ein Alarmindikator sollte es auch immer sein, wenn man solche Aussagen hört wie „Mein Unternehmen ist nicht betroffen!“. Jede Form von Krise betrifft die meisten Unternehmen. Tut ein Unternehmer so als würde es ihn nicht betreffen, kann es durchaus sein, dass er sich gar nicht der Situation bewusst ist in der er sich befindet. Ich kenne diese Aussage auch noch aus Zeiten der 2009-Krise und des neuen Marktes in denen sich sehr viele in Sicherheit gewogen haben und dann eines Tages vor verschlossenen Türen standen.
Wenn man schon Sklave ist, dann will man wenigstens einem guten und intelligenten Herren dienen. Im Falle der Corona-Krise wäre dies für mich einer, der sich umgehend mit Gegenmaßnahmen beschäftigt um Kunden und Mitarbeiter sinnvoll zu schützen und entsprechende Reserven anlegt um auch in schlechteren Zeiten ein wenig zu überbrücken können. Selbst dann, wenn es momentan vielleicht noch gut aussieht.
Meist reicht also schon ein Blick darauf, wie die eigene Geschäftsführung sich in einer solchen Krise verhält um zu sehen wie solide eigentlich das gesamte Unternehmen läuft. Je kreativer und schneller entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, umso vitaler steht auch das Unternehmen da. Dabei spielt es gar nicht so eine Rolle was für eine Art von Krise es ist.
Ein guter Unternehmer passt sich neuen Marktgegebenheiten an. Schlechte Unternehmen machen erstmal zig Meetings und zerreden also solange bis der eigentliche Tsunami über einen gerollt ist. Ich wage zu behaupten, dass dies für Unternehmen jeder größe zählt. Von ganz Kleinen bis zu ganz Großen. Natürlich können solche Maßnahmen auch einmal nach hinten losgehen und ein Wagnis sein. Aber wenn es keinen Wandel gibt, ist es immer ein ganz schlechtes Zeichen!
Was nun also tun, wenn man wirklich direkt von der Krise betroffen ist? Nun man muss sich bewusst machen, dass wirklich jeder Job im Bereich der Arbeitnehmer ist, immer ein Job ist, den ein anderer als „scheiß Aktivität“ deklariert hat und bereit ist dafür zu zahlen, dass er es nicht machen will. Wirklich jede!
Als Arbeitnehmer kann man sich dies nun zu nutze machen. Vielleicht ist diese Aufgabe für einen ja überhaupt nicht so schlimm. Sei nützlich! Je mehr Du dem der Dir das Geld gibt die Drecksarbeit vom Hals schaffst, umso schwerer wird es für diesen sich von Dir zu trennen. Sorge also dafür, dass Du Dich entsprechend gut qualifizierst.
Wenn Du Dich nun in Kurzarbeit befindest, nutze doch einmal die Zeit dich in ein Programm tiefer einzuarbeiten, damit Du danach effizienter bist. Lerne eine neue Sache, die Du bisher nicht gekannt hast. Ja, vielleicht hilft einem es ja auch Friseur weiter eine neue Fremdsprache zu sprechen, weil man irgendwann mal einen Gast hat. Es muss nicht immer etwas direkt arbeitsbezogenes sein und jeder muss nun ein Excel-Warrior Level 98 werden.
Aber alleine die Bereitschaft zu zeigen, dass man nun mehr kann und auch bereit ist sich in etwas neues einzuarbeiten, signalisiert deinem Chef, dass Du künftig auch noch nützlich für ihn sein kannst. Mache ein Rollenspiel daraus! Blicke aus der Perspektive deines Chefs, was für ihn nützlich wäre. Ich meine damit nicht, dass man ihm in den Arsch kriechen soll. Und auch nicht notwendigerweise, dass man sich dabei in die Karten schauen sollte.
Wenn Du Ideen hast, bringe diese ein. Gerade dann wenn dein Chef ein eher hilfloser Charakter ist, kann es helfen, wenn man sich entsprechend einbringt und vielleicht Lösungsvorschläge einbringt. Die meisten Menschen werden dafür dankbar sein. Es hängt immer sehr von der Unternehmung ab, aber ja auch die stillen und introvertierten, die bisher nie im Unternehmen aufgefallen sind, können nun vielleicht mit dem nerdigen Wissen ein wenig Punkten.
Was ich unterm Strich sagen will ist, dass man bei „selbstreinigenden Kräfte des Marktes“ sich nicht immer nur in eine Opferposition begeben sollte. Gerade aus dem linken Spektrum wird immer gerne so dargestellt als sein dort irgendwo die Herren und auf der anderen Seite nur die Sklaven. Und Letztere seien immer die Opfer. Das ist Blödsinn, da man eben auch einmal zur Kenntnis nehmen muss, dass sich unsere Gesellschaften doch sehr verändert haben. Zwar sind die Rollen irgendwo immer noch existent, aber man kann als Sklave heute durchaus auch selbst den Hut nehmen und sagen, dass man sich einen neuen Herren sucht.
Wichtig in jeder Krise ist immer, dass man selbst die Kontrolle behält und nicht kontrolliert wird. Wenn ihr ein schlechtes Gefühl mit Eurem Job habt und Euer Chef ein Idiot ist, macht Euch doch schon einmal auf die Suche nach etwas Besserem. Auch als Arbeitnehmer hat man das Recht glücklich zu sein und nicht sich einfach nur zu Tote zu schuften.
Wenn Euer Chef ein Idiot ist und gleichzeitig zu der Kategorien von Mensch gehört, die innovativfeindlich und beratungsresistent ist, sucht selbst das Weite. Wartet nicht solange bis ihr eines Tages vor den Konsequenzen gestellt werdet und es Euch in einem eher unglücklichen Moment erwischt. Es ist als Arbeitnehmer keine Chance das sinkende Schiff zu verlassen! Es ist Aufgabe des Kapitäns es nicht auf ein Riff zu lenken!
Habt ihr eine nette Arbeit und kommt gut mit den Leuten aus, dann setzt alles daran es zu verbessern und Euch sinnvoll einzubringen. Wer nur die Zeit absitzt schwächt sein Unternehmen. Es ist eine Zeit des Umbruchs und vielleicht kann man eben sehr viele altbewährte Strukturen endlich mal aufbrechen! Der Chef wird eher mal auf den Trichter kommen, etwas neues auszuprobieren, wenn sich alles im Wandeln befindet.
So gibt es ja durchaus viele von uns, die momentan im Home Office sind, obwohl ihre Unternehmen dies nie wollten. Da sie nun aber keine Alternative haben, geht es eben plötzlich doch. Zeit zu zeigen, dass es auch viele andere Möglichkeiten gibt um unsere Arbeitsplätze besser zu machen und flexibler als in der Vergangenheit.
Am Ende ist es eben doch kein Kampf gegen die „Chefs“ oder gegen die Krise, sondern darin effizienter und produktiver zu sein als die Chinesen. Die meisten Menschen denken dabei immer nur, dass dies möglich ist in dem man einfach mehr ausgebeutet wir. Bullshit! Gerade dadurch, dass man irgendwelche Hemmnisse aus dem Weg räumt, erreicht man meist wesentlich mehr. Auch in Unternehmen gibt es Bürokraten und diese kann man nun wesentlich leichter entmachten als einige es sich vorstellen können.
Bereits eine solche Nachricht lässt viele, die aktuell Existenzängste haben wieder ein wenig Hoffnung schöpfen. Das man eben nicht einer Urgewalt ausgesetzt ist, sondern eben auch das Ganze vielleicht noch ein wenig steuer kann.
Kommt es dann doch einmal hart auf hart, sollte man sich vor Augen halten, dass wir uns in einer sehr guten Lage befinden. Wir haben ein sehr teures Sozialsystem, dass einem eben auch in solchen Situationen auffängt. Niemand hier muss wirklich sorgen machen, was passiert wenn er krank wird. Jeder Kurzarbeiter wird aufgefangen und wäre in anderen Ländern bereits jetzt arbeitslos.
Zwar gibt es immer wieder Kräfte die genau an diesem System sägen, weil es eben die Flexibilität nimmt. Und dies ist vermutlich leider auch wahr. Gerade deswegen sollte man sich eben auch nicht in die soziale Hängematte legen, sondern das ganze auch mal als Chance sehen. Sich um zu orientierten oder etwas Neues anzugehen. Wer nicht unendlich tief fallen kann, kann auch mal einen riskanteren Sprung wagen! Versteht diese Chance bitte und seht nicht nur die negativen Aspekte einer Krise.
Am Ende bleibt eben nur noch der Aufruf sich am Ende auch nicht ganz so bequem als Sklave zu machen. Ich selbst weiß durchaus auch, wie bequem so etwas sein kann. Aber man muss sich auch im klaren darüber sein, dass es keine Sicherheit ist. Legt also etwas zur Seite und investiert, damit ihr für schlechte Zeiten nicht voll abhängig seid von jemand anderen. Dies ist keine binäre Sache, sondern sind viele unterschiedliche Facetten. Aber jeder Euro weniger den ihr abhängig seid, ist ein wenig mehr Freiheit und etwas weniger Sorge, die ihr haben müsst.
In diesem Text schreibe ich zumeist in der maskulinen Form. Dies gilt alles immer ausdrücklich auch für die Frauen unter Euch für die das alles genauso gilt. Gerade ihr solltet auch die Chancen sehen, die eine solche Krise für Euch bereithält!