English summary:
For 23 years Franz Gsellmann (1910–1981), a farmer without any education in arts or engineering, worked on a machine in a small farmhouse in East Styria, Austria. Nobody knows about the purpose of this bizarre machine which until today fascinates and attracts thousands of tourists from near and far.
23 Jahre lang arbeitete der weder künstlerisch noch in Mechanik ausgebildete Bauer Franz Gsellmann (1910–1981) am Bau einer Maschine in einem kleinen Bauernhaus in der Nähe von Feldbach (Oststeiermark). Niemand weiss, was der Zeck der bizarren Maschine ist, die bis heute fasziniert und Tausende von Menschen aus Nah und Fern anlockt.
Der 1910 geborene Gsellmann wollte als Jugendlicher eigentlich Elektriker werden. Der Berufswunsch ging zwar nicht in Erfüllung, weil der Bauernsohn den väterlichen Hof übernehmen musste. Dennoch blieb Gsellmann von Maschinen fasziniert. Sein Schlüsselerlebnis war 1958 ein Besuch des Atomiums in Brüssel, über das er einen Bericht anlässlich der Weltausstellung gelesen hatte. Von da an arbeitete er dreiundzwanzig Jahre bis kurz vor seinem Tod an der Maschine, in deren Kern er ein Miniatur-Atomium eingebaut hatte. Nahezu täglich zog sich Gsellmann in sein verschlossenes Arbeitszimmer zur Arbeit an der Maschine zurück, die er erst nach acht Jahren Bauzeit das erste Mal den Familienangehörigen präsentierte.
Die Teile seiner Maschine fand er auf Gebrauchtwarenmärkten oder Schrottplätzen. Neue Funde führte er meist mit der Scheibtruhe oder dem Ochsengespann heim. In der Kammer, in der sein Werk entstand, verschraubte und verdrahtete Franz Gsellmann dann all den Schrott, die Fundstücke und kleinen Schätze, die er gesammelt hatte, zu einem phantastischen Ganzen.
Gsellmann litt sehr darunter, dass sein Lebenswerk zu Lebzeiten weder von der eigenen Familie noch von den Menschen seiner Umgebung anerkannt wurde. Er wurde zeitlebens belächelt, verspottet und generell für verrückt gehalten. 1981, kurz vor seinem Tod, erklärte er die Maschine für vollständig. Mit seinem Tod verlor die Maschine nicht nur ihren Schöpfer, sondern auch den einzigen Spezialisten, der ihre Funktionsfähigkeit aufrechterhalten konnte.
Die Maschine ist ca. vier Meter lang, zwei Meter breit und vier Meter hoch. Etwa 2000 verschiedenste Bestandteile sind zu einem sich drehenden, ratternden, leuchtenden und blinkenden Gerät verbaut, das durch 25 Elektromotoren betrieben wird. Die Maschine besteht neben Spulen, Schläuchen und Drähten aus so unterschiedlichen Teilen wie einem Orgelgebläse, Vogelkäfigen, einer Infrarotlampe, Blaulichtern, 64 Vogelpfeifen, 200 Glühbirnen, Glocken, einer Pressluftflasche als Antrieb für die windgetriebenen Teile, einer Spielzeugrakete und vielem mehr.
Der erste Artikel über die Weltmaschine erschien am 2. Juli 1972 unter dem Titel "Die nutzlose Wundermaschine" in einer Lokalzeitung. 1973 folgte eine Fernsehdokumentation, 1980 sogar ein Spielfilm. Die „Weltmaschine“ ist nunmehr zentrales Ausstellungsstück des Privatmuseums der Familie des Erbauers. Nach deren Angaben kommen fast 10.000 Besucher pro Jahr.
Ich selbst hatte ungefähr 1995 die Gelegenheit, die Weltmaschine zu besuchen. Man fuhr endlos durch immer kleinere Dörfer, bis man buchstäblich am Ende der Welt ankam. Die Tochter von Gsellmann öffnete persönlich die Kammer und schaltete für uns (neben uns waren auch 3 oder 4 andere Touristen anwesend) für ein paar Minuten die Maschine ein. Ich konnte nur stauen und war völlig sprachlos. Wir fragten uns, was einen Menschen besessen machen konnte, 23 Jahre trotz aller Widerstände und Anfeindungen, an dieser Sache festzuhalten. Falls Ihr mal in Österreich seid, besucht die Weltmaschine und macht Euch ein eigenes Bild.
Der Ausdruck „Weltmaschine“ stammt übrigens nicht von dessen Erbauer und ist nur ein Notname (der von einem Politiker vergeben wurde), da ein Zweck der Maschine im herkömmlichen Sinn nicht erkennbar ist, und auch Gsellmann selbst beantwortete keine diesbezüglichen Fragen. Man kann die Maschine als „künstlerische Installation bzw. Kinetische Kunst“ interpretieren (vgl. Jean Tinguely, der Gsellmann einmal besucht hatte), meiner Meinung nach ist dies aber höchst unzutreffend, da sie definitiv nie als Kunstobjekt beabsichtigt war. Gsellmann, der sehr religiös war und meinte, seine Gabe sei „von Gott gegeben“, dachte – so wird behauptet - „die Maschine würde irgendwann ihren Sinn preisgeben“, was aber bislang nie geschah.
sources:
http://www.weltmaschine.at/
http://www.spiegel.de/einestages/absurdes-kunstwerk-a-948007.html