Deutsch (English translation below)
Deutsch (English translation below)
Da mein Vater (der zugleich die 'Quelle' der meisten hier gelieferten Informationen ist) seit langem Bienen züchtet, dachte ich, es wäre vielleicht auch für euch Steemians recht interessant, von Zeit zu Zeit Einblicke in die Arbeit eines Imkers zu erhalten und mitzuerleben, welche Tätigkeiten über das Jahr hinweg so anfallen und was es alles zu beobachten gibt.
Beginnen wir mit den Bienenständen zur Winterzeit:
Bienen im Winter
Die Bilder unten zeigen einen von sechs Bienenständen, die alle im oder am Rande des UNESCO-Biosphärenreservats Bliesgau liegen. Die Bienenvölker werden an Plätzen aufgestellt, die für Menschen und Bienen gleichermaßen erfreulich sind: kleingliedrige, reich strukturierte und sehr abwechslungsreiche Landschaften mit breitem Blütenangebot. Im Sommer werden einige Völker auch ins Biospärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen und die Vogesen umgesiedelt, um Edelkastanien- bzw. Tannenhonig zu gewinnen.
Mein Vater betreibt seit vielen Jahren mit einem guten Freund zusammen eine kleine Bio-Imkerei.
In jedem der unten zu sehenden "Häuschen" - Imker sprechen von "Beuten" - wohnt ein Bienenvolk. Die Bienen im Inneren haben sich der winterlichen Kälte wegen zu einer Kugel zusammengezogen. Während bei Hummeln, Wespen und Hornissen nur die jungen Königinnen überleben, um im nächsten Frühjahr ein neues Volk aufzubauen, schaffen es die Bienen als ganzes Volk zu überwintern. Dazu haben sie im Sommer ausreichend Vorräte gesammelt – sozusagen das 'Heizmaterial' für die kalte, blütenlose Jahreszeit.
Die "Wintertraube" aus Bienen, ein kugelförmiges, gut fußballgroßes Gebilde, ist äußerst zweckmäßig aufgebaut: Die außen befindlichen Bienen sitzen dachziegelartig eng zusammen und verhindern so, dass zu viel Wärme verloren geht. Im Inneren sitzen ihre Genossinnen weniger dicht gepackt und lassen kleine Kanäle zwecks Wärmetransports zu den äußeren Bienen frei. Die Wärme erzeugen sie selbst mit ihrer Flugmuskulatur, die sie sozusagen im Leerlauf arbeiten lassen. Durch diese Arbeitsteilung gelingt es ihnen, die Temperatur im Außenbereich der Wintertraube, gleichgültig, wie kalt es draußen ist, nicht unter 10 °C sinken zu lassen. Unterhalb dieser Temperatur würden die Bienen im Kältekoma erstarren.
Im Inneren herrschen jetzt, während der brutlosen Zeit, 'gemütliche' 20 °C. Sobald jedoch das Brutgeschäft wieder aufgenommen wird, was auch in kalten Jahren bereits Anfang Januar der Fall sein kann, muss (unabhängig von der Außentemperatur) eine Temperatur von 35 °C gehalten werden. (Infolge der Effekte der zunehmenden Erderwärmung kommt auch in unseren Breiten immer öfter vor, dass das Brutgeschäft ohne Winterunterbrechung weiterläuft.) Die hohe Brutnesttemperatur bringt ernorme 'Heizkosten' mit sich, weshalb die Imker darauf achten, die einstöckigen Völker mit 15 bis 18 kg, die zweistöckigen mit 20 bis 23 kg an Honigvorräten überwintern zu lassen.
Schutzmaßnahmen
a) Mäusegitter / Schutznetze
Jetzt, in der kalten Jahreszeit, sollte dafür gesorgt sein, dass die Bienenvölker möglichst ungestört sind.
Mögliche Störenfriede sind beispielsweise Feldmäuse (bauen sich mit Vorliebe Nester in der gemütlichen Bienenunterkunft und sorgen für gehörige Unruhe), Spitzmäuse (pflücken eine Biene nach der anderen von der Wintertraube und genießen das Fleisch der Flugmuskulatur) oder Spechte aller Art (hämmern bis zu faustgroße Löcher in die Beutenwände, um an eine warme Mahlzeit zu gelangen).
Diesen unliebsamen Besuchen vorzubeugen, werden die Bienenkästen mit Mäusegittern und Schutznetzen versehen.
Warum ist das wichtig? Es ist nicht in erster Linie der Verlust von ein paar hundert Bienen, der diese Besuche so gefährlich für die Völker macht. Die Unruhe sorgt für einen enormen Anstieg der Stoffwechselrate. Die Bienen verbrennen dann deutlich mehr von ihren Energievorräten. Die Rückstände werden im Darm gesammelt, während sich 'Toilettenflüge' der tödlichen Kälte wegen verbieten. Normalerweise reicht die Kapazität des Darmes bis zu den Reinigungsflügen an den ersten warmen Tagen des nächsten Jahres aus. Einer ungewöhnlich hohen Unruhe ist dieses System aber nicht gewachsen. Es kann dann dazu kommen, dass die Bienen im Stock abkoten und das Volk an der hohen Keimbelastung zugrunde geht.
b) Oxalsäurebehandlung
Ende der 70er-Jahre wurden aus Asien zu Forschungszwecken einige Völker der Art Apis cerana nach Deutschland eingeführt. Mitgeliefert wurde deren Parasit Varroa destructor. Dieser hat, wie es sich für vernünftige Parasiten gehört, ein Gleichgewicht mit seinem Wirt gefunden, das ihn zwar ernährt, nicht aber seine Lebensgrundlage zerstört. Für unsere europäischen Bienen sieht das anders aus. Hier macht die Milbe ihrem Namen 'destructor' alle Ehre. Sie schädigt ihren neuen Wirt in einem Maße, dass fast 100 % der hiesigen Völker ohne Hilfe zugrunde gehen würden.
Wie damit umgehen? Der sicherste Weg, zu einer Bienenpopulation zu kommen, die trotz Varroamilbe überleben könnte, wäre es, auf jede Hilfsmaßnahme zu verzichten. Das hätte zu Folge, dass fast alle Völker sterben würden. Aber eben nur fast. Es blieben einzelne übrig, die trotz der Parasiten weiterleben würden. Solche varroatoleranten Stämme gibt es auch schon vereinzelt. Die von Gruselsüchtigen so geschätzte Killerbiene (eine Kreuzung europäischer mit afrikanischen Bienen) beispielsweise überlebt ohne Behandlung.
Dass dieser Weg zu radikal ist, liegt auf der Hand, denn die Folge wäre ein auf unbestimmte Zeit fast bienenfreies Europa. Der Wegfall der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen wäre fatal.
Von den zur Verfügung stehenden Gegenmaßnahmen bleiben dem Bioimker in erster Linie die organischen Carbonsäuren Milchsäure, Ameisen- und Oxalsäure.
Viele der übrigen Varroa-Bekämpfungsmittel sind zwar für die Hersteller lukrativer, haben aber den Nachteil, sich aufgrund ihrer Fettlöslichkeit im Wachs ablagern zu können. Von dort ist der Weg in den Honig dann nicht mehr weit. Die organischen Säuren haben diesen Nachteil nicht, kommen in Spuren natürlicherweise ohnehin im Honig vor, und vor allem kommt es nicht zu Resistenzbildung, wie das bei anderen Behandlungsmethoden der Fall ist.
In diesem Jahr wurden die Bienenvölker Ende November mit Oxalsäure behandelt. Grund für den späten Zeitpunkt ist, dass die Völker brutfrei sein sollen, weil Varroamilben sich bevorzugt in den verdeckelten Brutzellen aufhalten und somit für das Kontaktgift Oxalsäure unerreichbar blieben. Ist keine Brut mehr vorhanden, sitzen alle verbliebenen Milben auf den Bienen und sind dadurch der Säure ausgesetzt. Sie wird in einer Zuckerlösung auf die eng sitzenden Bienen geträufelt und von diesen innerhalb kurzer Zeit in der gesamten Traube verteilt.
Das ist das einzige Mal, dass ein Bienenvolk in der kalten Jahreszeit geöffnet wird. Der Eingriff dauert nur eine Minute und wird von den Bienen gut verkraftet.
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English
As my father (who is at the same time the 'source' of most of the informations delivered by this article) is beekeeping since a long time, I thought it might be interesting for you Steemians, to get some insights in the work of a beekeeper from time to time and to be able to witness which activities are necessary over the year and what one can observe.
Let's begin with the apiaries during wintertime:
Bees in winter
The pictures above show one of six apiaries which are all placed within or on the verge of the UNESCO-Biosphärenreservats Bliesgau. The beehives are placed in areas which are equally enjoyable for humans and bees: rich structured, diversified landscapes with a broad spectrum of flowers. In summer some bee colonies are also brought into the Palatinate Forest-North Vosges Biosphere Reserve and the Vosges to gain sweet chestnut respectively fir honey.
Since many years together with a good friend my father condutcs a little bio-honey farm.
In every of the little beekeeping boxes above is living a bee colony. Because of the low wintery temperatures the bees inside the boxes have tighten to a ball. While in case of bumblebees, wasps and hornets only the young queens survive to found a new colony in the coming spring, the bees manage to hibernate as a whole colony. To be able to do that in summer they have to collect enough supplies as 'heating fuel' for the cold, flowerless season.
The globular "winter cluster" of bees has about the size of a football and a very puposive structure: the bees in the periphery are sitting very close to each other (similar like roffing tiles) to prevent a loss of too much heat. In the inner of the cluster the bee density decreases with canals to let the warmth reach also the bees at the edge of the ball. The warmth ist produced by the flight musculature of the bees which you could say is in idle running mode. By means of this division of work the bees are able to keep a temperature of at least 10 °C in the periphery of the winter cluster no matter what the outside temperature is. Below this temperature they would fall into a coma caused by coldness.
Inside the ball the temperatures during this breedless time are about 20 °C. As soon as the colony starts breeding the temperatures has to increase to 35 °C, independently from the outdoor temperatures. This can be the case at the beginning of January even in rather cold years. (Due to the effects of global warming even here in our latitudes it happens more and more often that the breeding business is running without interruption in the cold part of the year.) These high breeding temperatures are causing enormous 'heating costs'. Therefore beekeepers take care to let single-level bee colonies hibernate with honey supplies of 15 to 18 kg, and tow-level colonies with 20 to 23 kg.
Protective measures
a) Mice lattices / protective nets
Now, in the cold season, one should make sure to let the bees as undisturbed as possible.
Possible molesters are for example field mice (building their nests within the comfortable bee boxes causing quite some turmoil), shrews (catching bees from the periphery of the bee cluster to eat their flight muscles) or different kinds of woodpeckers (hammering up to fist-sized holes into the walls of the beehives to get a warm high-energy meal).
To prevent these unwanted visitors from causing some damage, beekeepers are using mice lattices and protective nets.
Why is that important? To lose a few hundred bees is not the main problem. Instead of that the disturbance leads to a immense rise of the metabolic rate of the bee colony, and the bees burn much more of their energy supplies than normal. The residues are collected in the intestinal, while 'toilet flights' are not possible because of the deadly cold. Normally the capacity of the intestinal is sufficient until the bees can start their cleaning flights at the first warm days of the coming year. However, this system fails when faced with an exceptionally high disquietude. Then it can happen that the bees defecate in their own beehive, and the colony dies because of the high germ load.
b) Treatment with oxalic acid
End-1970s some colonies of Apis cerana were brought from Asia to Germany for research purposes. Together with them the parasite Varroa destructor was imported, as well. As parasites normally do this mite was living in a balance together with its host, subsisting from it but without endangering its survival. However, that's not the case for our European honey bees. In this case the parasite lives up to its name 'destructor'. It damages the new host in a way that would let to the extinction of nearly 100 % of all colonies in case of no counter-measures.
What to do against this threat? The safest way to get a bee population which could resist Varroa destructor would be not take any measures at all. The consequences would be that nearly all bee colonies would die. Nearly all but not all ... A few would survive in spite of the parasites. Such Varroa tolerant lines are actually existing. For example the so called killer bee (a hybrid between European and African bees) can resist the parasite without any treatment.
It's obvious though that this way would be too radical and resulted in a nearly bee free Europe for an indefinite time. The cessation of the pollination of crops and wild plants would be fatal.
Amongst the available counteragents for the bio-beekeeper remain especially the organic carboxylic acids lactic acid, formic acid and oxalic acid.
Many others of the Varroa antidotes are more lucrative for the producers but have the disadvantage of being fat-soluble, and thus build residues in beeswax from where they could get into the honey. That's not the case for organic acids. These molecules are (in very small quantities) a natural component of honey, but their main advantage is that - opposite to other counteragents - they don't evoke any developing resistences.
This year the bee colonies were treated with oxalic acic at the end of November. The reason for this late date is that the colonies should be breed free, because Varroa mites prefer to stay within the sealed breeding cells, where they are unreachable for the catalytic poison oxalic acid. However, if there is no breed, all the remaining mites are sitting on the bees, and thus are exposed to the acid. Oxalic acid within a sugar solution is dripped on the close sitting bees who are spreading it in short order within the whole bee cluster.
This is the only time when one has to open a bee hive in winter. The intervention only lasts a minute and isn't a real problem for the bees.