Harry Potter : Wie man flüssiges Glück herstellt -
Es ist ein sehr trüber Dezembertag. Auf Anordnung unserer Konzernleitung ist natürlich noch in der Vorweihnachtszeit ein Meeting in Berlin angesagt. Mir passte es gar nicht, war doch noch so viel zu tun und nur so wenig Zeit. Dann noch die drohende Zertizierung des Tüv Rheinland. Wieder mal in der vorletzten Jahreswoche, weil irgendeine Frist jetzt ausläuft. Neue Webseite sollte auch noch eben erstellt und scharf gestellt werden. Muss ja schliesslich auf dem Meeting feierlich freigeschaltet werden. Ich bin mit den Kräften und dem Latein am Ende, wie ich das schaffen soll. Die Bar im Hotel sieht auch nicht einladend aus. Und betrunken bzw. mit Kater zum Meeting ? Auch keine gute Wahl.
Und dann noch dieses nasskalte Nieselregenwetter, das so ganz und gar nicht weihnachtliche Stimmung aufkommen lassen wollte. Ich war schon am Nachmittag von Wismar nach Berlin mit der Bahn gefahren, hatte meine Tasche im Hotel abgestellt und wolle noch ein wenig auf die Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für meine Kinder gehen. Immer dieser Konsumstress. Und dann soll es originell und lustig sein, nicht zu teuer und spannend. Und nützlich. Und überhaupt.
Also am besten ein Gutschein von Amazon.
Noch ein last-minute Weihnachtsgeschenk
Auf dem Weg vom Hotel zur nächsten S-Bahn-Station sehe ich ein Schaufenster, das wie aus einer anderen Zeit zu stammen schien. Der "Zauberkönig", gegründet 1884. Könnte ich hier fündig werden ? Irgendwelche Spiele, Scherzartikel, vielleicht auch ein Zaubertrick für meine Kids. Da sind sie ja noch wirklich Kinder. Sie glauben nicht an den Weihnachtsmann, aber im Kindertheater mit der direkten Interaktion mit den Schauspielern gehen sie doch mit. Glauben an das Märchen, an die Träume an die Fantasie. Und sind in ihrer Welt. Für ein paar Minuten oder Stunden.
Neulich in der Zaubershow waren sie auch ganz bei der Sache. Ich selber hinterfragte natürlich, wie die Tricks funktionieren. Im Hinterkopf schon per Iphone auf der Suche, wo man den Trick, Schnee aus einem Fächer schneien zu lassen bekommen kann. Macht sich vielleicht gut auf der Weihnachtsfeier nächste Woche. Natürlich glaube ich nicht an sowas. Nicht an Wunder und sowas. Schliesslich lebe ich in der Realität.
Der Charme des alten und morbiden Inventar des Traditionshauses kroch fast durch die Eingangstür, eine melodische Glocke begrüsste mich und ich schien in einer anderen Welt zu treten. Vollgestopft bis an die Decke, aller möglicher und unmöglicher Krimskrams. Ach, die haben doch renoviert. Eine Mischung aus alt und neu. Toll.
Wundertüten für 1 Euro oder 2 Euro. Ich fühle mich in eine längst vergangenen Zeit zurückversetzt. Ich erinnere mich, wie ich als Grundschüler zu Fuß bei Frau Lochte in ihrem Kramladen die Nase an der Scheibe platt drückte. Und versuchte, meine Groschen zusammen zu bekommen. Für eine Wundertüte oder wenigstens etwas Süßkram für 5 oder 10 Pfennig.
Dort ein Regel mit kleinen Metallrobotern und anderen Billigramsch aus Fernost. Und doch irgendwie so vertraut. Ich greife in eine Grabbelkiste und ziehe eine Packung Zombiekapseln heraus. Würde meinem Sohn gefallen. Aber ein Weihnachtsgeschenk ist es sicher nicht. Von den Wändenn glotzen Masken auf mich herab. Das Kostüme und Masken im so ganz und gar nicht karnevalistischen Berlin laufen ? Wundert mich.
Ich bleibe vor einem weiteren Regal stehen. Lauter Berliner "Kackhaufen". Na ja, wer es braucht....
Ich komme weiter hinten in den Laden zur Abteilung Zauberbedarf. Was man so halt erwartet, in einem Laden, der Zauberkönig heisst. Aber die Zauberei ist halt eine Illusion. Imagination. Träume und Technik.
Aus versehen stosse ich einen Zauberkasten um "Mirabile Magus". 20 Zaubertricks. Und ein Geheim-Code zu einer Seite des Herstellers, der weitere Zaubertricks verspricht.Dazu muss man dann natürlich Zauberer sein, sonst ist ja die Illusion dahin. Das wäre doch was für meine Jungs. Jeder Zauberer hat mal klein angefangen.
Ich gehe zur Kasse und bezahle der jungen Verkäuferin 32,50 Euro. Und mache mich wieder zurück zum Hotel.
Login in die Zauberwelt
Ich nehme mir von der Bar ein Weizen mit aufs Zimmer. Das beigefügte Handbuch interessiert mich (und ich möchte den Jungs nicht gleich alles verraten). Anmelden beim Hersteller kann man sich ja mal. Schliesslich habe ich ja eh nichts mehr vor an diesem Abend. Ich gehe auf die Seite und gebe den Code ein.
Eine moderne Webseite begrüsst mich. Bis ein Fenster aufspringt und 10 Zaubersprüche und Zaubertricks ankündigt. An Nummer 2 Felix felicis....
Da war doch was. Aber das kann doch nicht sein... Felix felicis, war das nicht dieser Kram aus Harry Potter ? Flüssiges Glück ? Was soll das denn ?
Meine Erinnerung ist da auch nicht mehr up to date. Flüssiges Glück ist einer der besonderen Zauber von Harry Potter. Dir gelingt für einen Tag ALLES. Ich nehme meinen Rechner und Rufe eine Harry-Potter Wiki auf :
>Der Trank hat eine goldene Farbe und verhält sich im Kontakt mit Luft merkwürdig: größere Tropfen springen aus dem Behälter und landen dann wieder darin. Bei diesem Prozess scheint kein einziger Tropfen verloren zu gehen."
2 Esslöffel davon reichen. Sie werden in einer ganz besonderen Flasche aufbewahrt. Und Harry geht wohl sehr vorsichtig damit um, weil es eine so wertvolle Fähigkeit ist. Ein Schutz bzw. eine Gabe, die man sich auch verdienen muss. Wenn man viel Leid bzw. Probleme hinter sich hat. Schutz braucht. Oder etwas gegen die Erschöpfung.
Ach ja. Die Zutaten habe ich natürlich nicht parat, die Rowling benutzte : Minzzweige, Schrumpelfeige, Stachelschwein-Pastillen und Wermut sind gerade nicht parat. Und ob ich sie in der Hotelküche finde, bezweifele ich natürlich auch...
Wenn Wunder und Zauber wahr werden würden
Ich lasse meine Fantasie freien Lauf. Wenn ich diese Flüssigkeit hätte, wie würde es sich anfühlen, wenn ich sie eingenommen hätte ?
Ich sehe mich wie eine 3. Person. Wie in einem Film oder auf einer Bühne. Martin, der eine Flasche "Felix felicis" gefunden hat. Meine Flasche, die nie leer wird. Der wieder neue Kraft hat. Ein Lächeln huscht über den Mund von Martin in dieser Vorstellung. Er fühlt sich freier und erholter.
Es ist Vorweihnachtszeit. Die Flasche ist hell und hat einige Luftblaseneinschlüsse. Der Korkverschluss ist nur schwer zu öffnen. Man sieht eine klare, goldende Flüssigkeit, die etwa 3/4 der Flasche einnimmt.
Ich stelle mir eine Zeitleiste hinter der Flasche vor. Lasse den heutigen Tag, die letzten Tage, mein Leben auf dieser Zeitleiste in abstrakten Bildern und Symbolen erscheinen. Lasse es unscharf werden.
Und stelle mir vor, dass ich 2 Tropfen dieser Flüssigkeit in der Mitte meines Kopfes spüre.
Wie ist diese Flüssigkeit ? Ist sie warm oder eher kühl ?
Ist sie eher wie Wasser oder zähflüssig ?
Wonach schmeckt diese Flüssigkeit ?
Wenn man sie anfassen könnte, wie wäre sie zu spüren ?
Welche Eigenschaften hat sie noch ?
Immer weiter und weiter wird die Imagination zur Realität und die Realität zur Imagination. Die inneren Bilder werden lebendiger. Die Flüssigkeit breitet sich in meinem Kopf aus.
Auf einer imaginären Linie von der Nase zu einem Punkt am Hinterkopf. Und dann immer weiter in meinem Körper.
Ich mache 10 Augenbewegungen von rechts nach links. Augen zu und wieder auf. Ich atme tief durch...
Ich spüre, wie die Erschöpfung aus meinem Körper schwindet. Nach und nach. Wie die Flüssigkeit mich reinigt und die Altlasten aus der Vergangenheit angeht.
Ich schaue auf die Zeitleiste. Sie heilt. Sie wird heller. Sie wird ganz.
Statt der Augenbewegungen versuche ich es, abwechselnd auf den rechten und linken Oberschenkel zu tippen. Wieder das gleiche. Es wird besser, freier, anders.
Ich fühle den Hauch von Glück und Zufriedenheit. Mein altes Selbstvertrauen und Stärken werden nicht länger von den Zweifeln und der Ambivalenz überschrieben.
Wenn ihr so eine Flasche hättet, wie sähe sie aus und welche Eigenschaften hätte Euer flüssiges Glück ?
Anmerkung : Die Geschichte ist frei erfunden. Den Zauberladen gibt es wirklich. Ich war aber nie da.
Dafür funktioniert der Zauberspruch Felix felicis ganz prima. Das ist ein Werkzeug, den eine meiner Patientinnen mal aus dem Emoflex.com - System von Johannes Drischel entwickelt und für sich angewandt hat.
Hier zeigt sich wieder : Realität und Fiktion ist manchmal anders als man denkt.
Wenn ihr Heilung bzw. Erschöpfung bzw. Entfremdung und Dissoziation sucht, probiert es mal aus.
Und auch sonst : Seht mehr Märchen und glaubt an Wunder. Entwickelt Eure eigenen Werkzeuge und Hilfen im Umgang mit Belastungen, Ängsten, Depressionen und Traumata.
Geniesst die Weihnachtstage und das neue Jahr
P.S. : Glück sollte man teilen. Bitte verbreitet diese kleine Geschichte über Steemit und der sonstigen sozialen Welt. Das wäre ein sehr schönes Geschenk für mich.
Wenn ihr "Zaubern" dieser Art der Imagination mögt und in Bildern fühlt und denken könnt : Johannes Drischel und ich werden Anfang Februar in Wismar den nächsten Workshop zum Entwickeln von eigenen Werkzeugen zur Selbstfürsorge in Wismar anbieten. Meldet Euch einfach... Und jetzt ab in die Fantasie....
Quelle : Foto : Goldene Flüssigkeit
Das Bild vom Zauberkönig habe ich direkt von der Webseite des Online-Shops. Ich hoffe, die Besitzerinnen sind da mal gnädig, wenn ich auf diese Art und Weise Werbung für sie mache.