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Kannst du mir sagen, was eine Blockchain ist?
Ja.
Ja - und?
Was ja und?
Was ist denn nun eine Blockchain?
Eine Blockchain ist etwas gaaaanz Altes. Die gibt es schon, seit es die ersten brauchbaren Computer gibt. Sie hieß nur anders. Man sagte damals: verkettete Liste. – Sagt man übrigens heute auch noch.
Eine Blockchain ist eine verkettete Liste? Wie jetzt?
Verkettet! Chain! Verkettet! Chain! – HALLO!
Jaja, hab‘s begriffen. Aber Block fehlt noch!
Ok. Angenommen, du willst einkaufen gehen und schreibst dir eine Einkaufsliste:
Eier
Butter
Käse
Salz
Zitronen
Avocados
Die einzelnen Listeneinträge (Eier, Butter …) sind verkettet. Nach „Eier“ kommt „Butter“, nach „Butter“ kommt „Käse“. Ein Element ist wie mit einer Kette mit einem bestimmten anderen Element verbunden. Die Reihenfolge kann nicht ohne Weiteres verändert werden. Auf der Einkaufsliste besteht die „Kette“ aus Papier.
Block! Block fehlt immer noch!
Also weiter. Du hast die Einkaufsliste gar nicht komplett auf einmal geschrieben. Du hast sie während deiner morgendlichen Fitness-Übungen so geschrieben, wie es dir eingefallen ist: Nach den Kniebeugen Eier und Butter, nach den Liegestützen Käse und Salz usw. Du hast deine Listeneinträge in Gruppen geschrieben, in zeitlichen Abständen. Tja, und jede Gruppe kann man auch als Block bezeichnen. Zur Not kannst du dir ja noch einen Kasten um jede Gruppe zeichnen, dann sehen sie sogar aus wie Blöcke.
Kapiert, aber irgendwie, ich weiß nicht. Papier und Computer?
Die einzelnen Blöcke der Liste kann man natürlich speichern – ohne Papier, logo. Was fehlt also, wenn ich die Blöcke der Einkaufsliste im Computer speichern will?
Das Papier!
Mann oh Mann, nee, aber die Verkettung. Ich schreibe zusätzlich in den Eier-Butter-Block noch „Zebrarennschnecke1“.
Und in den Käse-Salz-Block ebenfalls zusätzlich „Zebrarennschnecke1“.
Wenn ich nun meine Einkaufsliste auf dem Bildschirm sehen will, braucht der Computer nur nachzuschauen, was steht im ersten Block (Aha, Zebrarennschnecke1) und findet ganz schnell den zweiten Block, denn da muss ja auch Zebrarennschnecke1 drin stehen.
Dann schreibe ich in den Käse-Salz-Block zusätzlich zu „Zebrarennschnecke1“ noch „Schokoladenhai“ und natürlich bekommt auch der Zitronen-Avocados-Block noch einen „Schokoladenhai“.
Damit ist die Verkettung der ersten drei Blöcke, das Chaining, perfekt.
Zebrarennschnecke1, Schokoladenhai, wäre nicht Zebrarennschnecke2 besser gewesen?
Völlig egal, wie das heißt. Hauptsache, es kommt nicht bei mehr als zwei verketteten Blöcken vor, denn das könnte einiges durcheinanderbringen.
Und weiter?
Wie weiter? Das war’s. Das ist eine Blockchain.
Aber Hallo! Was ist mit Verteilung auf vielen tausend Computern, mit Kryptographie?
Das hat nichts mit der eigentlichen Blockchain zu tun. Das sind Sicherheitsvorkehrungen. Dadurch wird die Blockchain bloß aufgepeppt.
Aber es wird immer zusammen beschrieben!
Na schön. Angenommen viele hunderttausend Benutzer speichern ihre Einkaufslisten in der Blockchain. Jeder hat natürlich nur Zugriff auf seine eigene Einkaufsliste. Wenn diese Blockchain nun auf nur einem Server liegt oder auf wenigen, kann sie gehackt werden. Der Hacker, oder die Hackerin, könnte nicht nur verändern, was die Leute so einkaufen, er oder sie könnte auch alles komplett durcheinanderbringen.
Die absolute Horrorvorstellung. Stelle dir vor, du würdest ganz falsche Lebensmittel einkaufen. Oder alles würde gelöscht! Dann könntest du gar nichts mehr einkaufen.
Oh Mann!
Deshalb wird die Blockchain auf vielen tausend Servern gespeichert. Immer die ganze Blockchain. Jeder Server hat seine eigenen Sicherheitsvorkehrungen gegen Hacker. Wenn es dann doch gelingt einen oder mehrere Server zu hacken, fällt das sofort auf und kann ebenso schnell repariert werden, weil alle anderen ja noch die korrekten Daten haben. Kurz: Jeder Hacker wäre schön blöd, wenn er hier Arbeit reinstecken würde.
Schlaue Idee! Und warum Kryptographie?
Das Ganze ist so angelegt, dass jeder zu jeder Zeit in die Blockchain hineinschauen kann. Auch jemand, der nichts darin gespeichert hat. Sie ist total öffentlich. Und jetzt einmal Hand aufs Herz, möchtest du, dass jeder, der will, deine Einkaufsliste lesen kann?
Auf keinen Fall! Wage es nicht!
Genau hier kommt also die Kryptographie, die Verschlüsselung, ins Spiel. Erst einmal kann man jetzt nicht mehr lesen, was in deiner Einkaufsliste steht.
Aber das besonders Schöne ist: Du alleine bestimmst, wie diese Verschlüsselung deinen Text verändert, und nur du alleine kannst ihn deshalb auch lesen. Keine andere Einkaufsliste ist genauso verschlüsselt wie deine. Keine!
Das ist aber noch nicht alles. Man nimmt alles was in einem Block steht, und erzeugt davon einen einzigen Wert, der ebenfalls völlig unleserlich ist, einen sogenannten Hash.
Einen Häsch?
Genau. Es würde zwar immer der gleiche Hash-Wert herauskommen, wenn man ihn erneut aus dem Blockinhalt bildet, aber es ist unmöglich, aus dem Hash-Wert, wieder die einzelnen Blockinhalte zu erzeugen. Und bestimmt hast du es dir schon gedacht: Es ist extrem unwahrscheinlich, dass der Hashwert bei zwei Blöcken gleich ist.
Ja, aber warum macht man das?
Die Berechnungsmethode des Hashes, der Algorhthmus, ist so empfindlich, wenn man nur einen einzigen Buchstaben in so einem Block der Blockchain ändert, sieht der Hash-Wert komplett anders aus. Das fällt sofort auf. Heimliches ändern geht nicht!
Außerdem eignet sich der Hash hervorragend die „Zebrarennschnecke1“ und den „Schokoladenhai“ für das Chaining der Blöcke, die Verkettung, zu ersetzen. Du erinnerst dich, völlig egal, was da steht, es muss nur eindeutig sein. Da der Hashwert automatisch aus den Inhalten plus dem Hashwert des Vorgängerblockes, der ja auch in dem gerade zu berechnenden Block gespeichert ist, berechnet wird, braucht man sich auch keine Gedanken zu machen, welche Werte man für die Verkettung nimmt.
Du siehst, selbst wenn alle Inhalte zweier Blöcke genau gleich wären, würden sie sich doch in dem Hashwert des Vorgängerblockes unterscheiden und somit immer zu einem einzigartigen Hash-Wert für die nachfolgende Verkettung führen.
Prima, begriffen! – Und jetzt kommen wir zum Bitcoin, Bitcoin, Bitcoin …
… Nein! Wir kommen jetzt nicht zum Bitcoin!
Wie? Äh, wieso? Der Bitcoin muss doch …
Der Bitcoin muss was? Bitcoin und Blockchain sind zwei völlig verschiedene Dinge. Der Bitcoin hat mit der Blockchain nichts zu tun. Aber auch gar nichts. Nichts. Nothing at all. Nada.
Der Bitcoin ist eine eigenständige Anwendung, die die Blockchain zum Speichern verwendet. Es könnten auch beliebige andere Arten zur Speicherung der Bitcoin-Daten verwendet werden. Nicht so sicher gegen Manipulation geschützt, vielleicht auch nicht so beliebt, aber sie könnten verwendet werden.
Oder willst du etwa behaupten, dass man den Aufbau eines Straßenbelages ohne deine persönlichen Daten nicht erklären kann – nur weil du jeden Tag darüber fährst?
Nein, aber …
Nix da …kein Aber ... es ist alles gesagt. Ich hab' jetzt keinen Bock mehr.