~ Mystisches Transsilvanien ~
12.Juni 2001 – Rumänien, Nahe Zărnești
Es war still im Wald, die sonst allgegenwärtigen singenden Vögel gaben keinen Laut von sich und auch das rhythmische Rascheln der wilden Tiere im Unterholz fehlte an diesem Abend gänzlich. Noch immer hing ein trüber Hitzeschleier über den dicht belaubten Bäumen, den selbst die einbrechende Dämmerung nicht hatte vertreiben können.
Der Sonnenuntergang lag bereits eine gute Viertelstunde zurück und tiefe Schatten warfen sich über die schmalen, verwinkelten Wege. Es würde nicht mehr Lange dauern, dann brach die Nacht endgültig herein.
Noch erschien der Himmel wolkenlos, doch bei ganz genauem Hinsehen konnte man das beinahe durchsichtige graue Wolkenband, den Vorboten weit größeren Übels, dass im Laufe der nächsten Stunden über die Region hereinbrechen sollte, erkennen.
Die Tiere spürten es bereits seit dem Nachmittag ganz deutlich. Eine elektrisierende Spannung lag in der Luft. Bald war das erste Sommergewitter des Jahres da.
Mihai beugte sich so weit und flach nach vorn wie nur irgendwie möglich und presste seine Wange an den schweißnassen Hals seines Pferdes. Der weiche Waldboden bebte als sich der schöne Rappe mit donnernden Galoppsprüngen und wehender Mähne seinen Weg durch das Dickicht bahnte.
Mihai schloss die Augen und genoss den angenehmen Luftzug, der eine willkommene Abwechslung zur drückende Hitze des vorangegangenen Tages bildete.
Er ritt nun seit beinahe einer halben Stunde durch den dichten Wald unweit des Schlosses seiner Familie. Ein Ausritt war meist das was ihm half, seine oft schlechte Laune zu vergessen.
Auch dieses Mal galoppierte er ohne konkretes Ziel einfach drauf los um den Ärger des letzten Morgens zu verdrängen.
Wieder einmal hatte der Ausschuss ihn nach Bukarest zitiert und wieder musste er Schadensbegrenzung betreiben und in einer Sondersitzung retten, was noch zu retten war.
Wie immer hatte er die Probleme seiner Familie zu verdanken. Zwar war er der Jüngste der sieben Geschwister, doch für gewöhnlich oblag es ihm, die Fehler seiner Brüder in Ordnung zu bringen.
Jedenfalls soweit wie eben möglich.
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