Aktuell stehe ich (wenn denn eine Schicht ansteht, was etwa 2-3 Tage pro Woche der Fall ist) um 3.30 Uhr auf, verlasse das Haus gegen vier Uhr und wenn ich nicht den Bus verpasse, bin ich um halb sechs am Ziel. Schichtbeginn ist um sechs und wenn sie nicht auf Einsatz sind, schlafen die Kollegen dann noch. Ich bin dann so nett und klopfe nicht ans Fenster der kleinen Wache ...
Wenn sie im Einsatz sind, stehe ich natürlich noch viel mehr vor verschlossener Tür ... :)
Zeit, um den Sonnenaufgang zu bewundern - oder das, was ich davon sehe -, auf der Bierbank vor dem Haus Platz zu nehmen, noch ein Brötchen zu essen ...
Kurz vor sechs kommt dann meist ein Kollege, kurz danach der zweite. Also die zwei, die zusammen den Rettungswagen besetzen, wenn ich nicht dabei wäre. Mein Platz ist hinten im Wagen, dort, wo die Patienten sind. Vorn sind nur zwei Sitzplätze, dazwischen eine breite Konsole mit Steuerungen für dieses und jenes.
Das meiste von der Kommunikation vorn bekomme ich daher auch nicht mit und wenn ich etwas fragen will, muß ich laut sein (und die Kollegen auch).
Als Praktikantin bin ich mit Assistenzaufgaben betraut. Dazu gehört wieder, die Schränke im Wagen und den Behandlungsrucksack aufzufüllen (in umgekehrter Reihenfolge), den Behandlungsraum sauber zu halten (die wöchentliche Großreinigung muß ich aber aber nicht allein machen) bzw. bei Schichtwechsel die Vorräte zu prüfen. (Nicht immer hat man das Glück, daß nicht genau in dem Moment der Schichtübergabe der Melder geht.)
Da ich nunmal im Behandlungsraum mitfahre, ist auch das Bereitstellen der evtl. benötigten Geräte vor dem Verlassen des Wagens meine Aufgabe. Zum Glück ist das meist nur das EKG-Gerät, manchmal auch der Sauerstoffbehälter in seiner extra Tasche. Rein theoretisch könnte aber auch verlangt werden, Beatmungsmaschine und Absauger bereitzustellen. Alle drei (EKG, Beatmung und Absauger) sind an der Wand befestigt und müssen gelöst werden. Handgriffe, die ich daher immer mal wieder übe.
Sind wir bei einem Patienten, bin ich wieder für Assistenzaufgaben zuständig. Vitalwerte (Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Blutzucker, Temperatur) messen, EKG-Elektroden aufkleben, Material anreichen, gelegentlich das EKG-Gerät bedienen, Wunden verbinden, Infusionen (mit Vollelektrolytlösung) vorbereiten, manchmal auch nach dem Einsatz aufräumen. Zunehmend darf ich auch beim Transport der Patienten selber helfen. Was nicht heißt, daß ich schon mal beim Transport mit dem Tragetuch hätte zupacken müssen. (Man soll ja niemals nie sagen, aber ich bin froh drum.) Daß ich inzwischen schon selbst Patienten ausgeladen habe (nicht ganz allein, ein Kollege steht immer noch daneben, um einzugreifen, falls nötig), macht mich ein bißchen stolz.
Das Bedienen der Trage ist immer auch noch so eine Sache, bei der mir die Routine und Gelassenheit fehlt. Darum bin ich übrigens auch froh, erst 2/3 des Praktikums hinter mir zu haben. Ich kann noch Sachen üben, Gewohnheit erlangen, mich beweisen und verbessern.
Mittlerweile hab ich einige der Kollegen ins Herz geschlossen und soweit ich weiß, beruht es auf Gegenseitigkeit. Gut, daß ich den Gedanken, nicht mehr dort zu sein, noch wegschieben kann.
Tage wie gestern, an denen die Serie der Einsätze nicht abreißt und wir zwar bei den Übergaben in den Kliniken kurze Pausen machen können, aber zwischen Einsätzen nicht zur Wache zurückkommen, gibt's genauso wie das Gegenteil, also Tage, an denen wir ausgedehnte Ruhezeiten genießen können, Zeit zum Austausch haben, uns um die Pflege der Wache und Fahrzeuge kümmern können.
Die Vielfalt der Einsätze spiegelt wieder, was ich Jahre zuvor schon in Dokumentationen über den Rettungsdienst gesehen habe oder beim Spielen von LstSim, einem Leitstellensimulationsspiel. Als RTW fahren wir durchaus auch mal zu Krankentransporten raus. Oder leisten (nach Rücksprache mit der Leitstelle) Amtshilfe, wenn wir an einer Unfallstelle vorbeikommen, aber nicht selbst alarmiert sind. Kommt ein Notarzt (oder eine Notärztin) nach, fährt dieser manchmal bei uns mit und manchmal der Patient im mit dem Notarzt besetzten RTW der Feuerwehr. Wie in vielen deutschen Großstädten liegen die Verantwortung für den Rettungsdienst und der Betrieb der Leitstelle in den Händen der Berufsfeuerwehr.
Im Fall einer 12-Stunden-Schicht ist mal um kurz vor 18 Uhr Schluß, mal nach 19 Uhr, im Fall einer 8-Stunden-Schicht zwischen 15 Uhr und 16.30 Uhr. Letztere gibt es nur am Wochenende und sie kommen mir tatsächlich kurz vor. Selbst nach 12 Stunden würde ich noch weiterfahren, weil ich noch so aufgeladen bin. Die Müdigkeit kommt erst später. Es ist gut, dazwischen mehr freie Tage zu haben, als wenn dies mein regulärer Job wäre. Das ist - zusammen mit einer gesteigerten Empfindlichkeit von Magen und Darm und einem seit zwei Wochen persistenten Tinnitus, der vermutlich auch noch andere Gründe hat, sowie meiner fehlenden Fahrerlaubnis und -erfahrung - der Wehmutstropfen, der mich daran zweifeln läßt, daß das mehr als ein Nebenjob werden könnte. Vermutlich wird es also beim Ehrenamt bleiben.