November 2014
Zu dieser Zeit bin ich 23 Jahre alt und befinde mich seit fünf Jahren in einer Beziehung. Ja, im Großen und Ganzen passt das alles schon so. Ob ich glücklich war? Nein, das war ich nicht, aber nach fünf Jahren eine Beziehung einfach so zu beenden, das kostet Mut. Eine Menge Mut, den ich nicht hatte.
Von Zeit zu Zeit gab es Momente, in denen ich glücklich war oder mir vormachte glücklich sein zu müssen. Diese Momente wurden im Laufe der Zeit immer weniger, bis sie gänzlich verschwanden. Warum ich das alles noch aufrecht erhielt, ist mir bis heute schleierhaft. Ich habe mich krampfhaft an jemandem festgehalten, der mich sofort fallen gelassen hätte, wenn sich eine bessere Chance geboten hätte. Und so kam es dann auch.
Im Sommer 2014 bin ich bereits aus der ersten gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Ich dachte damals, dass dieser Mann einen Schus vor den Buk gebraucht hat. Ich dachte er realisiert, was er mit mir hatte und beginnt sich endlich zu ändern. Falscher ansatz, das kann ich euch sagen.
Ein Mann, der so ist wie er ist, der wird sich nicht ändern. Warum auch? Er hat euch bekommen und ist mit euch seit einigen Wochen, Monaten oder sogar Jahren zusammen. Es läuft doch alles super, in seiner kleinen Ego Welt.
Glaubt euren Freunden und euren Eltern wenn sie euch sagen, dass euer Märchenschloss auf einem wackligen Fundament steht. Ich habe nicht daran geglaubt.
Die Probleme, die wir zuvor hatten, waren nach kurzer Zeit wieder alle präsent. Also trennte ich mich von ihm, wie ich meinte endgültig.
Als am 08.11.2014 mein Opa verstarb, brach für mich alles zusammen. Ich fühlte mich einsam und alleine, obwohl ich es ja nicht war. Ich brauchte jetzt jemanden, der meine Gedanken kennt und mir auf einer anderen Ebene begegnet. Also was liegt da näher als zum Ex zurück zu kriechen?
Ich rief ihn an und fuhr in meine alte Wohnung. Da war nichts außer ein Sofa und ein Fernseher.
Er nahm mich ein einziges mal halbherzig in den Arm, er redete kaum, versuchte nicht einmal meine Trauer zu bekämpfen. Nach einer kurzen Zeit des Schweigens machte er den Fernseher an und schaute eine der neuen Shows von Stefan Raab. Ich schlief irgendwann entkräftet auf dem Sofa ein.
Der Verlust meines Opas war heftig und zu Beginn dachte ich, dass es der einzige Grund war, der mich wieder in seine Arme trieb. Ohne den Verlust hätte ich die Trennung eiskalt durchgezogen. Quatsch, hätte ich nicht.
Im Laufe der Zeit wurden wir wieder ein Paar.
Er kannte mich und meine Eigenarten. Einem neuen Mann all diese Dinge zu erzählen, darauf hatte ich keine Lust. Es war die Gewohnheit und die Bequemlichkeit, die mich an diesen Mann gebunden haben. Ich fühlte mich wertlos und dachte, dass ich eh niemanden anderes finden würde, der mich lieben könnte.
Wir machten also so weiter wie bisher. Stritten über dieselben Themen und obwohl wir merkten, dass wir niemals zusammen gepasst haben, machten wir weiter.
Wir buchten einen gemeinsamen Urlaub. In der Hoffnung es würde etwas bewirken.
Eine Woche vor unserem geplanten Urlaub, saß ich mit meinem Vater zusammen im Garten, als ich eine Whats App Nachricht bekam.
,, Ich weiß nicht ob das richtig ist, wenn wir beide noch in den Urlaub fahren"
Nach ewigem hin und her Geschreibe machte er dann via Whats App mit mir Schluss. Nach 7 Jahren Beziehung ist das ein Schlag ins Gesicht. Natürlich weinte ich bitterlichste und dickste tränen. Mein Vater kochte vor Wut und bat ihn sofort seine Sachen aus der Garage zu holen.
In all meiner Verzweiflung, Wut und Trauer passierte etwas ganz merkwürdiges. Es war ein bewölkter Sommertag und die Sonne schaute heute nur selten herab. Doch nach dem klar war, dass ich Single war, brach ein Sonnenstrahl durch die Wolken und wärmte mein Gesicht.
War das ein Zeichen? Wollte mein Opa mir sagen, dass das eine gute Wendung in meinem Leben ist?
Mein Opa und ich hatten kurz vor seinem Tod ein ernstes Gespräch. Ich weinte wieder, weil ich so unglücklich war und mein Opa sagte folgenden Satz:
,,Deern, da draußen ist rigendwo ein mann den du verdienst und der dich verdient. Der dich lieben wird mit all seinem Herzen und der dich heiraten wird, weil du ihn so erfüllst. Doch weißt du was? Dieser Mann ist nicht dein Jetziger"
Dieser Satz kam mir genau in diesem Moment wieder ins Ohr. Ich grinste, schaute zum Himmel und freute mich darüber, dass mein Opa so präsent war.
Ich fuhr zu mir nach Hause, holte meine Koffer und fuhr Richtung Kiel. Oben angekommen (5. stock ohne Aufzug, danke du Blödmann), machte er mir heulend die Tür auf.
Angesammelt hatte sich nicht nur ein voller Reisekoffer. Nein, auch ungefähr 8 volle Müllbeutel mussten mir mir irgendwie unten akommen. Zwei mal laufen? Niemals.
Unten vor der Haustür passierte es dann. Die Nachbarn von gegenüber schauten sich dieses Fiasko live und in Farbe an. Mein Gesicht war übersät von zerlaufenem Mascara und ich schleppte mich mit all meinen Habseeligkeiten ab. Das schien die Rentner von gegenüber zu amüsieren.
Mir rissen einige Müllbeutel auf und mein ganzer Hausstand (inklusive unterwäsche) breitete sich direkt vor der Haustür aus. Ich begann zu schreien:
,, Was für eine verfluchte Scheiße!"
,, Kann ich dir helfen?"
Ich schaute hoch und mein Gegenüber blickte in ein verzweifeltes, Mascara getränktes Gesicht.
,,Nein. Danke."
In meiner Wohnung angekommen, schmiss ich die Klamotten einfach auf den Boden und sank auf das Sofa.
Da bin ich nun gelandet. 23 jahre alt und habe 7 Jahre meines Lebens an einen Mann verschwendet, der es von Anfang an nicht wert gewesen ist. Ich wälzte mich von links nach rechts, weinte und ließ die Wut auf mich einfach vorüberziehen.
Natürlich schrieb ich mit meinen Mädels und Freunden und erzählte ihnen von den Neuigkeiten. Und wisst ihr was dann geschah? Jeder stand mir bei. Egal wie lange ich keinen kontakt zu ihnen gehabt hatte, jeder bat mir seine Hilfe an.
Meine männlichen Freunde freuten sich alle darüber, dass ich endlich wieder Single war und machten mir Mut. Sie pushten mein Selbstbewusstein, sagten mir wie toll ich wäre und dass ich das nicht verdient habe. Läuft bei mir.
Fortsetzung folgt...