Viele Menschen denken beim Investieren immer nur in einem Aspekt. Nämlich den Gewinn! Gerade jene, die überhaupt in nichts investieren, sind dabei meist jene, die am gierigsten darauf gucken. Bekommt man dann einmal eine hohe Dividende aufs Konto gezahlt, dann hat man dieses ja quasi absolut ohne Arbeit bekommen. So etwas zu hören, tut durchaus schon ein wenig weh. Ich habe halt keinen 48“ Fernsehr zu Hause, kaufe mir kein neues Auto alle paar Jahre oder mache grundsätzlich nur Urlaub in der Sonne, wo man mit dem Flieger hin kommt. Ich spare... das ist meine Arbeit und wer dies nicht sieht, wird vermutlich auch zu blind sein, wenn man es ihm erklärt.
Doch es gibt durchaus noch einen zweiten Aspekt bei der Arbeit durch Kapitalerträge. Gerade momentan wird sie mir wieder sehr vor Augen geführt. Die Aktienmärkte sind seit 2 Monaten stark im Fallen. Gerade viele Titel von mir, kommen aktuell ziemlich unter die Räder. Gerade wenn es eigentlich gute Melden und ein solides Geschäft zu vermelden gibt, ist dies dann immer besonders bitter. Denn gerade wenn man nicht wie eine Heuschrecke investiert, sondern einen langen Planungshorizont hegt, wäre dies normalerweise ein Grund zur Freude.
Und es macht einen irgendwie eben doch traurig, wenn man eigentlich gewillt ist den Champus zu öffnen und zu feiern, aber irgendwie alle anderen nicht zur Party kommen, sondern schreiend davon laufen. Weil die Zukunft ja vielleicht weniger rosig sein könnte. Weil es doch ein wenig weniger geworden ist als man es sich erhofft hat. Oder weil eben insgesamt kein Grund zum Feiern da zu sein scheint. So steht man dann alleine auf der Feier und dies betrübt einen.
Oder man blickt mal wieder auf die Kryptos, die sich in den letzten Wochen ein wenig erholt haben und man bereits seichte Hoffnungen hegte, dass sich nun ein kleine Erholung breit machen könnte. Immerhin emanzipierten sich gerade die Altcoins ein wenig ab und reagierten auf positive Nachrichten positiv und unterlagen nicht dem allmächtigen Kurs des Bitcoins. Doch kaum ist man gewillt wirklich an etwas positives zu denken, dreht der Markt mal eben um 30% nach Süden und reißt alles in sich herein. Gut, Kummer ist man dieses Jahr über ja bereits gewöhnt.
Und kaum Freud man sich darüber, dass es ein wenig auch am P2P-Markt aufhellt, schon kommt wieder ein großer Darlehnsanbieter daher und verkündet stolz, dass man neue Anleihen gefunden hat. Das institionelle Geld, was über Jahre hinweg einige Kredite nicht bedienen wollte, ist nun doch auf den Geschmack gekommen. Vielleicht hat man ja gerade Aktien verkauft und braucht nun ja auch wieder einen Ort, wo man es anlegen kann. Und schon gehen die Zinssätze, die man als kleiner privater Investor bekommt, wieder ein wenig nach unten.
Nein, wer auch immer sagt, dass investieren einfach verdientes Geld sei, der hat keine Ahnung. Dies mag ja für die Großkonzerne gelten, aber sicher nicht für eine Privatperson, die durchaus weiß, wieviel Schweiß es gekostet hat sich eben dieses Geld zu verdienen. Denn man bezahlt eben auch viel mit Selbstzweifel, Ängsten und eben auch Enttäuschung.
Wer schon eine Weile dabei ist, ist dieses Spiel durchaus gewöhnt und kann darüber doch mal leicht hinweg blicken. Klar, geht das eigene Depot mal 10% runter, darf man sich auch mal ein Gläschen gönnen. Spricht nichts dagegen sich auch mal etwas zu verwöhnen in schlechten Zeiten. Nur sollte man eben nicht wie das Kanninchen vorm Chart hängen und sich in permanenter Tour einnässen. Man muss auch mal loslassen können und zu seinen Entscheidungen stehen. Sich nicht von dem Getrommel in den Magazinen, Blogs und Foren einschüchtern lassen.
Nur die schwache Hand verkauft in der Krise und gerät in Panik. Ich habe noch niemanden gesehen, der diese Strategie verfolgt und am Ende als Sieger vom Felde zog. Man muss auch mal ein wenig aushalten können. In diesem Sinne ein kleiner digitaler Trost an alle jene, die in den letzten Wochen auch nicht die beste Zeit gehabt haben und trotzdem an das glauben, was sie sich in Depot geholt haben. Wenn die Sonne scheint, werden jene wieder kommen, die sagen, dass es ja alles ganz einfach ist und nicht erklären können, wieso sie es denn nicht selbst auch einfach mitmachen ;)
Ein kurzes Wort zur Wochenmitte, da ich in den letzten Wochen leider nicht so aktiv war, wie erhofft. Leider kam doch immer einiges im eigenen Leben dazwischen. Aber so ist das eben leider manchmal ;)