Lange angedacht und heute umgesetzt: Meine erste Nachtradfahrt dieses Sommers.
Die milden Temperaturen um die 14 Grad sowie die Abwesenheit von Wind ziehen mich an die frische Luft. Ich befestige die Akkulichter ans Bike, schalte sie ein und fahre los. Noch ist es nicht ganz dunkel, doch es dämmert bereits. Am Horizont färbt sich der Himmel dunkelorange.
Wenn am Himmel die Sonne untergeht...
Ich lasse die Stadt hinter mir und durchquere die kleinen Dörfer. Da das Auge nicht mehr so viel wahrnehmen kann und sich nur auf den Lichtkegel konzentriert, merke ich, wie das Ohr die Umgebungsgeräusche deutlich sensibler empfängt. Jedes feine Geräusch wird erfasst. Mal fliegt hier eine Fledermaus vorbei, mal knackt dort im Gebüsch ein Zweig. Auch die Nase meldet deutlich sensibler. Nachdem der Staub sich niedergelegt hat und nicht mehr aufgewirbelt wird, kann die Sensorik plötzlich eine große Vielfalt an Gerüchen wahrnehmen.
Nach etlichen Kilometern biege auf einen Waldpfad ein. Hier muss die Lupine dazugeschaltet werden – und die Nacht wird zum Tage. Mit 1500 Lumen erhellt die kleine Lampe die vor mir liegenden 100 Meter… Und lockt alle Insekten mit Flugeigenschaften in den breiten Lichtkegel. Während ich versuche auf dem Pfad zu bleiben und den Insektenschwärmen auszuweichen, nehme ich links und rechts von mir einige Augenpaare wahr. Hier bin ich im Wildschweingebiet, das ist mir bewusst. Es knackt unmittelbar in meiner Nähe und leicht nervös trete ich etwas schneller in die Pedale. Der Pfad schlängelt sich zwischen Bäumen vorbei und ich muss auf die Wurzeln aufpassen, welche auf dem Boden natürliche Stolperfallen bilden.
Kurzes Fotoshooting irgendwo unter einer Laterne
Als dann immer mehr Augenpaare auftauchen, wird es mir zu viel, sodass ich den Pfad verlasse und mich querbeet durchs Gelände bis zur Straße kämpfe. Bedingt durch den weichen Untergrund und eine Steigung über 10% gar nicht mal so einfach. Doch ich schaffe es und setzte meine Fahrt auf der Straße fort. Zu dieser Stunde ist kein Auto mehr unterwegs. Ich bin ganz allein, sofern man von Insekten und Wildschweinen absieht :)
Irgendwann – In der Finsternis hat man nur ein ungenaues Zeitgefühl – mache ich kehrt und orientiere mich wieder in Richtung Stadt. Nachdem ich den Ortseingang passiere und wieder im Laternenlicht radeln kann, merke ich wie die kleine Anspannung wieder verschwindet. Mit einem breiten Grinsen und leicht außer Atem beende ich meine Fahrt.
Und nehme mir vor, das nun häufiger zu machen…
