Es ist 13.40 Uhr, meine Betreuerin ist auf dem Weg zu mir. Nicht ganz einfach, das hier zur Schau zu stellen, daß ich eine an betreutes Wohnen angelehnte Untersützung im Alltag bekomme (und auch brauche). Das ganze ist übrigens zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht in punkto Finanzierung abgesichert, dazu fehlt noch ein Gutachtertermin oder sowas.
Für mich war das in den letzten zwei Wochen zunehmend ärgerlich, weil ich feststellen mußte: effektive Hilfe bekomme ich gar nicht, lasse ich aber möglicherweise auch gar nicht zu. (Ein Vorwurf, der mir im letzten Sommer schon gemacht wurde!)
Andererseits: außerhalb der Wohnung agiere ich halbwegs normal, meistens komme ich rechtzeitig zum Bus und zumindest bei den Praktikumsschichten im Krankenhaus und auf der Rettungswache habe ich mich nicht verspätet.
Was andere mitkriegen, ist, daß ich mal etwas schriftliches nicht zeitnah hinbekomme. Warum steht dieser Bericht nicht in der Zeitung, fragt einer dann. (Ist aber auch nur einmal passiert.)
Oder:
"Warum hast Du bei der potentiellen Arbeitsstelle noch nicht angerufen?"
"Ich habe es nicht geschafft."
"Ja, gut, ist ja Deine Sache ..."
Ich bin nun einerseits nicht der Typ, der sich freut: juchhu, endlich 3 Stunden Hilfestellung pro Woche. Wir haben an den vergangenen Terminen viel geredet, auch Papierkram für den Antrag zusammengetragen. Mehr aber im Grunde nicht. Und dann kam letzte Woche die Panikattacke, wo das eigentlich hingehen soll. Auch bedingt dadurch, daß ich mir mit dem Psychologen und dem Fortgang der Dinge beim Jobcenter gerade gar nicht mehr so sicher war.
Inzwischen redet die Nachbarin eher nicht mehr mit mir und ich warte eigentlich nur noch darauf, daß jemand mir ins Gesicht sagt, ich müßte doch einfach wieder arbeiten gehen. Angesichts dessen, daß mir die damit verbundene Tagesstruktur wirklich fehlt, muß ich sagen: würde ich gern! Aber dann frage ich mich auch wieder: Moment mal, Du hast zweieinhalb Ausbildungen hinter Dir, mußt Du wirklich putzen gehen oder an einer Kasse arbeiten? (Außerdem nimmt mich da eh keiner. Probeweise bei einem Hotel für eine Empfangsstelle beworben hatte ich mich nämlich schon mal.)
Zuhause bleiben, wenn man nur ein bißchen krank ist, hat hier im Ort definitiv einen schlechten Ruf, keine Arbeit zu finden, auch. Aber das ist nicht das Einzige, was einigen an mir nicht paßt. Nicht, daß es je explizit ausgesprochen worden wäre, aber man hat ja so ein Gefühl.
In dem Zusammenhang war es ein bißchen beruhigend, am Sonntagabend durch Zufall eine ehemalige Mitpatientin zu treffen und zu erfahren, daß sie entgegen den bisherigen Plänen auch noch ein paar Monate mit dem Wiedereinstieg in den Job wartet. Obwohl sie jetzt schon äußerlich viel fitter wirkt als im Dezember.
Mal schauen, was wir heute genau machen, einen Plan haben wir nicht.