Der unerschrockene Gesellschaftskritiker hat heute erneut einen treffenden Artikel veröffentlicht, auf den ich geradezu zwanghaft antworten muss. Er hat, als gebranntes Kind, sein kleines Essay vorsorglich mit den Tags #satire, #humor, #lustigistdiekryptowelt“ bewehrt. Vermutlich, um sich vor den, auf treffende Kritik folgenden, üblichen Anfechtungen zu schützen. Da mich technische Schwierigkeiten während der Anmeldung bei Palnet davor bewahrt haben, mich ebenfalls als gieriger Schnäppchenjäger zu entblöden, fühle ich mich (unverdienterweise) hinreichend legitimiert, dem furchtlosen Kritiker sowohl zuzustimmen, als auch seine Kritik zu erweitern. Natürlich geriet meine Antwort wieder viel zu lang für einen Kommentar und sie liegt auch etwas abseits der von meins0815 kritisierten Produktgruppe.
Wir alle kennen den Begriff „Shitcoin“. Für die sprachlich Empfindsamen kann man den tatsächlichen Wert dieser Produktgattung auch vornehmer ausdrücken: überflüssig. Neuerdings weiß ich ziemlich genau, wie mit überflüssigen Produkten zu verfahren ist. Abstoßen und Ignorieren sind die angemessenen Strategien. Auf diese Weise radikalisiert sich seit Monaten mein Konsumverhalten, da unter der Rubrik „Überflüssig“ auch eine erschreckend große Menge industrieller Produkte im Handel existiert, die allgemein noch immer als unverzichtbar gelten. Shampoo, Duschgel und Rasierschaum stehen seit Monaten ganz oben auf meinem Index, wie schon seit Jahrzehnten Rasierwasser und Deo. Der meiste Kram im Badezimmer hat sich als nutzloser Plunder, wenn nicht gar als gefährlich herausgestellt. So wie bei den Coins seit ein paar Wochen Palnet als überflüssig auffällt, verhält es sich mit den meisten Produkten aus dem Bereich der Körperpflege.
Ein bestimmtes Kopf- und Schulter- Reinigungsprodukt verursacht sogar Schuppen, anstatt sie zu bekämpfen, wie in der Werbung irreführend versprochen wird. Das habe ich in unzähligen Selbstversuchen verifiziert. Der schlagende Beweis war schließlich die Tatsache, dass ich keine Schuppen mehr bekomme, seitdem ich gänzlich auf das Mittel verzichte. Was statt dessen hilft? Natürlich jede gute Seife. Die erledigt den Job ganz hervorragend. Solch spezielle Seifen sind allerdings deutlich teurer als die industriellen Billigprodukte aus Schlachtereiabfall. Oft findet man sie bei Seifensiedern auf dem Wochenmarkt und neuerdings führt auch der Hersteller Speik so ein Produkt. Im Gegenzug für den Verzicht auf spezielle, angebliche Pflegeprodukte, erwerbe ich mit einer hochwertigen, besonders fein und üppig schäumenden Seife, den vollwertigen Ersatz sowohl für Shampoo, als auch für Duschgel, Rasierschaum und Deodorant.
Wir müssen in vielerlei Hinsicht grundsätzlich umdenken und zwar im Sinne von Radikal. Es nutzt nichts, auf Erlöser zu warten und sich in der Zwischenzeit hinter jeden Hype zu klemmen, um ja nichts zu verpassen. Eine „Greta“ alleine bewirkt gar nichts, wenn nicht endlich alle Menschen anfangen, ihr Hirn einzusetzen. Der allgemein vorherrschende Schnappreflex angesichts Palnet führt uns das wieder einmal deutlich vor Augen. Falls wir Tatsachen überhaupt noch als solche wahrnehmen wollen. Wir klammern uns in vielerlei Hinsicht, mit großer Leidenschaft an alte Gewohnheiten und manifestieren dadurch den unbestreitbar existierenden, kollektiven Wahnsinn. Verursacht wird der gezielt, durch ausgebuffte, psycholgische Tricksereien. Dahinter steckt reine Gier von Industrie, Aktionären und nicht zuletzt unsere eigene. Eine grundlegende, persönliche Revision kann uns durchaus die Augen öffnen und dabei helfen, die Welt zum Positiven hin zu verändern. In der Regel gehört dazu einfach nur, Überflüssiges fortan zu meiden und bereits nachgewiesene Irrwege mit der radikalst möglichen, persönlichen Konsequenz zu verlassen. Natürlich bedarf es dazu mindestens einer gewissen Intelligenz. Genau die versucht man, besonders von Seiten der Industrie, höchst professionell zu unterlaufen. Aber auch kleine, ansonsten gesellschaftlich unbedeutende, nassforsche Schlaumeier, sind immer wieder in der Lage, bekannte menschliche Schwächen zu ihrem Vorteil auszunutzen. Selbst Bildung hilft da nur wenig. Es sind immer wieder die bekannten, menschlichen Schwächen, die unsere eigene Intelligenz beleidigen.
Foto: Dirk Rossmann GmbH