Am Donnerstag war der schönste Tag für einen Besuch gekommen. Ich ging zu meinen ältesten Freund. Alt von der Freundschaft her. Mittlerweile könnte er sogar mein Ältester nach Jahren sein. Weil er sowieso älter ist. Er kam vor mir im gleichen Jahr zur Welt. Wir kennen uns also seit unserem Geburtsjahr und haben am allerbesten Besuchstag wie immer geblödelt, musiziert und Schach gespielt. In der Reihenfolge. Es gab Pastis mit Leitungswasser, was im Hochsommer sowieso das Gesündeste ist, was du trinken kannst.
Irgendwann, in der Dunkelheit fiel uns zum Spielstand auf, dass ich am Gewinnen war, weil ich einen Bauern mehr hatte. Aber niemand konnte sich erinnern, wie es zum Bauernverlust gekommen war. Die Lücke im System, ein Riss im Universum. Gemeinschaftlich begangener Filmriss in Tateineit mit Wasser saufen. Es gibt Makel die einem Spiel dann anhaften. Einmal entdeckt, nagen Zweifel, ob noch alles seine Richtigkeit hatte. Für eine Revanche war es dann zum Glück zu spät.
Jedenfalls habe ich an dem Abend, gemütlich auf seiner Terrasse sitzend, im Sonnenuntergang eine Natur–Märchenbühne entdeckt und wahrscheinlich falsch fotogafiert. Jetzt sieht sie aus, wie gemalt, ist aber ein echtes Foto. Märchenbühne hätte eigentlich genügt, hängt man den Dingen ein „Natur“ an, erscheinen sie dem Mitmenschen sogleich groß und gewichtig, was bei Abwesenheit jeglicher Story überlebenswichtig ist.
Für meine Natur–Seebühne jedoch, da könnten mir die Zwerge sehr zu Gefallen sein, um eine schöne Kulisse zu bauen. Dann ginge es mit den Märchenfestspielen richtig los! Ihr könntet euch ans Ufer setzen, eine Zigarre aus Kuba anstecken, den Dampf in die Luft paffen und frei von jedem Nichtraucherwirbel, zusammen mit allen anderen Theatergängern, einer Aufführung beiwohnen. Was wird wohl geben? Ha – Das soll eine Überraschung sein! Obleich mir diese Avantgardisten gar nicht liegen, das Angebot groß ist, und ich nicht weiß, was das Ensemble spielen kann. Gibt es überhaupt ein Ensemble? Die Spannung steigt.
Schauen wir mal, was das Archiv von hergibt. Zwerge kann man nur mit STEEM in die Gänge bringen, oder etwa dem Angebot netter Annehmlichkeiten. Wie am Tischlein sitzen, mit deinem Gäbelchen essen, aus dem Becherchen trinken, um schließlich in deinem Bettchen zu schlafen. Was sie sich für das Geld dann eh alles kaufen würden. Es sind Zwerge, wir kennen sie als reine Genussmenschen und katastrophal bestechlich.
Im Fundus findet sich Hanauer Kulisse, was sonst? Die Brüder sind noch vom Stadtfest geschmückt und kaum hast du es gedacht, da sind die Zwerge auch schon am Schaffen. Was auch immer du heute gerne getan hättest, sie werden es dir wegfressen. Lasse dich von ihrem erbarmungswürdigen Ausdruck nicht täuschen! Sie sind gnadenlos und du solltest es dir zweimal überlegen, bevor du Zwerge um etwas bittest.
Damit jeder glaubt, dass es sich um ein echtes Foto handelt, zeige ich mal (r. Bild), wie es dazu kam. Echt: Das muss man überhaupt erst mal erkennen. Zwei Lichtlöcher im dunklen Wald. Mein Freund wohnt dort seit 30 Jahren und hat das sicher nie bewusst gesehen. Wobei mir noch die Bestätigung aussteht, dass es sich tatsächlich so verhält. Ab sofort sieht er seine Seebühne jedenfalls immer.
So eine Unklarheit, wie es letztendlich zu dem Bauernnachteil für ihn gekommen ist, kann einem das ganze Spiel versauen. Das nächste Mal sollten wir erst Schach spielen und dann feiern. So, wie es eigentlich immer läuft. Ja, die Naurseebühne. Was tun wir jetzt damit? Man könnte die Ophelia geben. Wie sie im Wasser treibt, da kommt das Publikum aus dem Träumen nicht mehr raus und den ersten Applaus hat das Haus in der Tasche. Der Wald – er staunt mit großen Augen über Ophelia. Die Haare ziehen sie hinunter. Einen Augenblick noch.Naturseebühne Tümpel
und der Abend ist geritzt!
Ophelia ist ein Bild von John Everett Millais. Hosted by Wikimedia Commons.
Rautie ist ein Hanauer Comiczeichner mit Herz.
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Crash Test Dummies on Steem
Beinahe hätte ich mir mit Özil den Artikel in eine unmögliche Richtung getrieben und eigentlich sollte ich schon auf dem Weg nach Mannheim sein. Die Kinder ziehen um. Özil habe ich notiert. Stichwort Rassismus. Jedenfalls, das Haus der Kinder in Rheinau ist Geschichte, wie auch ein paar Beziehungen. Einer zieht ja ständig um. Das haben wir auch schon getan.
Wir hatten noch Wohnungen in Hülle und Fülle. Warum das so war, ist klar. Du kannst deine Bildung natürlich auch leugnen. Falls das geht und annehmen, es sei schon immer so gewesen, wie heute. Jedenfalls sollte ich schon unterwegs nach Mannheim sein und die Wohnungen konnten wir uns aussuchen, so viele Leerstand gab es zur Auswahl. Der Krieg hatte die Menschen gefressen und gemacht wurde das immer von ausgesprochenen Blödbacken.
Was für ein schöner Sonntagvormittag.
Ich sollte ja eigentlich…
In eigener Sache
Dieser Artikel wird mehrfach überarbeitet und kann seit Hardfork 19.10 jederzeit verändert werden.
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