Den hatte ich Vorgestern. Da kam Michael zum Musizieren und wir haben im Wohnzimmer mit Ballantine's angefangen. Im Wohnzimmer deswegen, weil der Enkel nebenan schlafen sollte und niemand sonst im Hause war. Was natürlich unmöglich war, weil wir Musik machten. Wir haben also unser Stück gespielt, das wir zur Zeit können und nebenan das Großkind. Gut, der war dann am nächsten Morgen in der Schule, nachdem Michael und ich noch zwei mal den Platz gewechselt hatten. Das zweite Mal mit den Instrumenten und dem Ballantine's unter die Pergola, bei den Linden im Hof, hinter dem Haus.
Dämliches Vieh
Wir saßen, geschützter vor dem Verkehrslärm, in Hörweite des quakenden Froschtümpels also wo, ich muss das jetzt einmal los werden, auch Störche auftauchen und dieser abgefahrene Reiher sowieso. Das dämliche Vieh setzt sich immer oben auf die Nippesfigur vom Tümpel und gibt an. Wir lassen uns dann einfach nicht blicken. Ich glaube, der Reiher ist blöd. Störche dagegen sind tödlich. Ja, so geht es zu, hier im Eck von Kinzig und Main. Frösche mögen keine Fließgewässer. Aber der Tümpel hier im Park, das ist eine Oase. Ihr könnt ihn sogar bei Google sehen, der Suchmaschine, die unsere Welt von oben zeigt. Huhu, großes Froschwinken. Seht ihr mich am Pond? Der Park geht weiter, bis zur Kinzig runter.
Vogelmusik
Es ist ein Vogelparadies, trotz der Hauptverkehrsader vor der Türe. Hier kämpfen die Stare, Amseln, Zaunkönige und Rotkehlchen um ihr Revier, oder paaren sich, ganz nach Saison. Spechte hat es, nur den Kuckuck, den gibt es nicht in der Stadt. Eichhörnchen (rote), Siebenschlafer und ein Nutria wurde gemeldet. Von Elke. Die Siebenschläfer habe ich sogar gesehen, die Eichhörnchen leben mit uns. Und ich muss die Nachtigall aufführen, deren virtuoses Lied jede Konkurrenzveranstaltung verbietet. So wurde es langsam weniger Musik und wir haben viel gelauscht. Michael hat sich dann mit einem Star angelegt, indem er ihm ins Handwerk pfiff und hat daraufhin erzählt, wie ihn einst ein Vogel durch die geöffnete Balkontüre hindurch angegriffen hat. Ganz knapp vor seinem Gesicht erst hat der Vogel realisiert, auf was er da gerade los geht und hat mit deutlich spürbarem Federschlag kehrt gemacht. Der angepfiffene Star wechselte völlig aufgeregt und unablässig im Fluge schnatternd, vom Pagodendach herab in die nächste Tanne, Ja liebe Leser, Vogelzwitschern das, was wir so herzwonnig besingen, ist in Wirklichkeit Krieg.
Enkelchen
Das war nicht die einzige Geschichte und so hatten wir einen schönen Abend. Er hat mir vorgesprochen, wie die Engländer faulen Slang sprechen, wenn sie das H unterdrücken, und ich sprach ihm nach. Das führte zu großem Gelächter. Zum Glück ist er heil heim gekommen. Ach so, ja, das Enkelchen. Ich frage ihn also nach der Schule: „Schnuppelchen, ich muss dich mal was fragen.“ „Jaha, was denn?“ „Du warst seit langer Zeit unser erstes Publikum.“ „Ja Opa…“ „Wie fandest du es? War es gut? Ich meine professionell?“ „Es war Klasse,“ meinte der Enkel dann. „Du meinst perfekt, wie richtige Musik?“ „Wie richtige Musik, Opa und sogar propersionell!“ Es ist eine Gnade solche Opamomente mitzunehmen. Wenn das Universum mit dir lacht. Ich denke, das war mein Vatertag. Morgen sollte es eigentlich nebenan vom Jazzkeller und der Sparkasse das alljährliche Open Air im Hof geben, aber das Zelt wurde heute nicht aufgebaut. Na ja und so Sachen passieren hier halt am Pond.
Foto: Mit Dank von Google Maps
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